Hörer machen Programm Am Ende nur Müll – Wie zeitgemäß sind Wahlplakate?

Umwelt- und Klimaschutz sind zentrale Themen dieser Bundestagswahl. Viel wird darüber gestritten, doch in einem Punkt scheinen sich die Parteien einig zu sein: Wahlplakate müssen sein, obwohl sie nach der Abstimmung am Sonntag schon Müll sind. MDR-AKTUELL-Hörer Werner Hartmut aus Leipzig fragt sich, ob das noch zeitgemäß ist, warum die Parteien so viele Plakate aufhängen und ob die nach der Wahl wenigstens recycelt werden.

Noch mindestens bis Sonntag hängen sie in großer Menge an fast jedem Laternenmast: Wahlplakate – etwa 50.000 allein in Leipzig. Manche nur aus Pappe, andere aus Polypropylen. Das sind sogenannte Hohlkammer-Plakate aus Plastik, auf die auch "Die Linke" setzt.

Linke: Plastik-Plakate am nachhaltigsten

Man habe lange diskutiert, was da am Besten sei, erläutert Kay Kamieth, der die Leipziger Geschäftsstelle leitet. Drei Varianten hätten zur Auswahl gestanden: Einerseits diese alte Plakatierung, wie man sie vielleicht aus den 1990er-Jahren noch kenne, mit einem Hartfaserkarton und einem Papierplakat. Das sei aber sehr arbeitsaufwändig und letztlich auch wenig ökologisch. Wenn diese Plakate zerstört würden, sei der Materialverlust deutlich höher. Die neueren Modelle seien Easyplay, die Plastikplakate oder eben Papp-Plakate.  

Als ökologischste Variante entschied sich die "Die Linke" am Ende für das Plastikplakat, weil es lange hält und wiederverwertet werden kann. Tausende wurden Kamieth zufolge davon in Leipzig aufgehängt. Bei den Plastikplakaten habe man es zumindest so gelöst, dass es einen Entsorgungsvertrag gebe. Die Linke gebe die Kabelbinder und die Plakate getrennt zurück. Vom Anbieter gebe es die Zusicherung, dass die Plakate recycelt würden.

SPD nutzt Papp-Plakate

Die SPD hingegen setzt überwiegend auf Plakate aus Pappe, 4.000 davon hat sie im Stadtgebiet verteilt. Diese seien zu 90 Prozent aus Altpapier und würden danach umweltfreundlich recycelt, erläutert SPD-Bundestagskandidat Holger Mann. Die Pappe sei klimaneutral und könne im Zweifelsfall auch entsorgt werden in jeder Papiertonne. Mann erklärt, die SPD habe relativ wenig plakatiert, doch ganz ohne gehe es nicht. Kabelbinder aus Plastik sind demnach für alle Parteien von der Stadt vorgeschrieben – aus Sicherheitsgründen.

Wir glauben aber, dass eine Mindestpräsenz notwendig ist, damit die Wählerinnen und Wähler wissen, wer kandidiert bei ihnen und mit welchen Hauptzielen.

SPD-Bundestagskandidat Holger Mann


Grüne lehnen Plastik-Plakate ab

Wie die SPD setzen auch die Grünen auf weniger Präsenz. Die Bundestagskandidatin Paula Piechotta sagt, gut 3.000 Papp-Plakate habe ihre Partei angebracht. Die Grünen nutzten seit Jahren nur Papp-Plakate und achteten darauf, dass diese nur mit Lastenrädern und Anhängern angebracht würden, ohne Autos. Auch am Wahlkampfstand verteilten die Grünen kein Plastik. Piechotta zufolge wurden vor allem Windräder aus Holz und aus Papier verteilt - oder Blumensamen.

BUND fordert Ende der Materialschlacht

Auch CDU, FDP und AfD haben in Leipzig flächendeckend plakatiert, zusammen sind das noch einmal etwa 30.000 Plakate.

Wirklich nachhaltig sei das alles nicht, kritisiert Martin Hilbrecht vom BUND Sachsen. Um diese Materialschlacht deutschlandweit in Zukunft zu vermeiden, müsse grundlegend umgedacht werden. Doch keine Partei wolle zuerst verzichten, die hätten natürlich Angst, dass sie dann Wählerstimmen verlieren könnten.

Es müsste übergreifende Lösungen geben, wie zum Beispiel eine freiwillige Selbstverpflichtung der Parteien untereinander, oder dass man die Orte, an denen Plakate aufgehängt werden, einfach beschränkt.

Martin Hilbrecht | BUND Sachsen

Eine Alternative wären Hilbrecht zufolge auch digitale Plakate.

Knapp drei Jahre kann, zumindest in Sachsen, nun darüber nachgedacht werden. Denn dann stehen, mit der Kommunal- und der Landtagswahl, die nächsten Urnengänge an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. September 2021 | 06:26 Uhr

31 Kommentare

Niemann vor 3 Wochen

Das Thema ist halt unangenehm, oder würden sie gern öffentlich machen wenn wenns an einer bestimmten Stelle juckt. Ich spreche gern mit Menschen über Probleme, andere lassen halt nur sprechen.

Niemann vor 3 Wochen

Sie müssen aber zugeben das bestimmte Wahlplakate ziemlichen Aufruhr verursachen und von den Medien, wenn auch nur lokal plakatiert, bundesweit als Kriminalfall bekanntgemacht werden, besonders die welche sich gegen grün richten. Auch was mir auffällt ist das besonders die Plakate der AfD besonderer Zerstörungswut ausgesetzt sind. Ich bin auch kein Freund der AfD aber das geht in einer Demokratie entschieden zu weit und macht mich eher neugierig welcher Ideologie diese Zerstörer anhängen, denn das was sie tun läßt eher auf undemokratische Gesinnung schließen. Dieser quer durch die Gesellschaft gehenden Spaltung müssen wir entgegentreten, aber nicht mit Gewalt und Diskriminierung, denn die machen alles nur noch viel schlimmer. Und das bitte in den Gehörgang der abgehobener Politiker. Wir können es, doch wir müssen es auch wollen.

Niemann vor 3 Wochen

Sie decken den größten Mangel des Wahlkampfes auf, nämlich das er hauptsächlich nur noch digital stattfindet und damit absolut unpersönlich wird. Die Wahlkämpfer sollten viel mehr mit den Wählern in persönlichen Kontakt sein als nichtssagende digitale Botschaften zu verbreiten. Wie soll ich denn erkennen ob jemand Unbekanntes tatsächlich meine Interessen vertritt? Werden wir doch wieder menschlicher, das hilft auch Kritikern wieder Vertrauen zu fassen. Wie ich mir immer wieder anhören muß zerstört der Rückzug der Politiker auf Botschaften anstatt Bürgernähe immer mehr das Vertrauen.

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