Leipzig Demonstranten stürmen auf Klinikgelände - Polizei ermittelt

Aus einer unangemeldeten Versammlung heraus haben am Sonnabend laut Polizeiangaben etwa 50 Menschen eine Polizeikette durchbrochen und sind auf das Gelände der Uniklinik Leipzig gestürmt. Bei dem Protest waren bekannte Rechtsextreme federführend. Der angemeldete Gegenprotest von "Leipzig nimmt Platz" verlief friedlich. Deren Organisatoren übten heftige Kritik am Agieren der Behörden.

Corona-Demonstranten stürmen auf Klinikgelände
Teilnehmer der "Querdenken"-Demonstration sind am Sonnabend auf das Gelände der Psychiatrie der Uniklinik Leipzig gestürmt. Bildrechte: René Loch

Bei einer unangemeldeten Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Leipzig ist es am Sonnabend zu Ausschreitungen gekommen. Teilnehmer der Demonstration haben eine Polizeikette durchbrochen und waren auf das Gelände der Uniklinik gelangt. Wie die Polizei am späten Abend mitteilte, wurden Ermittlungen wegen des Verdachts auf Land- und Hausfriedensbruch eingeleitet. Zudem werde wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz, die Sächsische Corona-Notfallverordnung sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Sachbeschädigung ermittelt. Von 50 Teilnehmern wurden die Personalien aufgenommen.

Polizeibeamte sichern das Uniklinik-Gelände in Leipzig. Etwa 50 Teilnehmende eines unangemeldeten Protests sind eingekesselt.
Mehrere Polizeibeamte sichern das Uniklinik-Gelände in Leipzig. Etwa 50 Teilnehmende eines unangemeldeten Protests sind eingekesselt. Bildrechte: Thomas Datt

Demonstranten durchbrechen mehrfach die Polizeikette

Am Nachmittag hatten Hunderte Menschen gegen die Corona-Politik demonstriert, darunter auch bekannte Anhänger und Mitglieder rechtsextremer Parteien. Die Polizei beobachtete zunächst einen regen Zulauf im Wilhelm-Külz-Park. Als sich der nicht angemeldete Aufzug Richtung Innenstadt in Bewegung setzte, wurde dieser im Bereich Prager Straße/Güntzstraße gestoppt und aufgefordert, einen Versammlungsleiter zu benennen. Dieser fand sich auch und erklärte, man wolle zum Markt ziehen. "Bereits hier kam es zu einem ersten Versuch die polizeiliche Sperrung zu umgehen", so die Polizei.

Der Aufzug bog schließlich in die Philipp-Rosenthal-Straße ein und wurde von der Polizei erneut gestoppt, weil gegen die Auflagen verstoßen wurde. Aus dieser Versammlung heraus durchbrachen mehrere Dutzend Menschen die Polizeikette vor dem Klinikgelände und drangen auf das Gelände der Uniklinik auf der Semmelweisstraße ein. Dort ist die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie beherbergt.

Polizei kesselt "Spaziergänger-Versammlung" ein

Wie die Polizei auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, wurden die einer "Spaziergänger-Versammlung" zuzurechnenden Menschen auf dem Klinikgelände festgestellt und eingekesselt. Laut Angaben eines MDR-Reporters wurde unter anderem Steffen Thiel, Vorstandsmitglied der NPD Sachsen-Anhalt, während der Einkesselung gesichtet. Der Rechtsextremist Reinhard Rade gab sich als Versammlungsleiter zu erkennen und wollte eine Demonstration anmelden. Diese wurde nicht genehmigt.

Nach Einschätzung des Reporters fühlten sich die Demonstrationsteilnehmer, die auf das Klinikgelände stürmten, offenbar bedrängt und wollten sich eine andere Route suchen, um zur Prager Straße zu gelangen. Ihr Ziel sei nicht die Stürmung der Uni-Klinik gewesen.

"Leipzig nimmt Platz" kritisiert Polizei und Versammlungsbehörde

Der Vorfall wird in den sozialen Medien scharf kritisiert. So bezeichnete Daniela Kolbe, stellvertretende Vorsitzende des DGB Sachsen, die Teilnehmenden als Faschisten, die eine klare Ansage bräuchten. Der Leipziger Stadtrat Jürgen Kasek twitterte, auch der ehemalige NPD-Funktionär Volker Beiser sei als "Dirigent vor Ort" in Erscheinung getreten.

Ein angemeldeter Gegenprotest der Initiative "Leipzig nimmt Platz" am Völkerschlachtdenkmal verlief dagegen friedlich. Deren Organisatoren übten allerdings heftige Kritik am Vorgehen der Behörden. Man habe Polizei und Versammlungsbehörde im Vorfeld explizit darauf hingewiesen, dass es sich weniger um eine Demonstration von "Bürger:innen" handle, sondern mit der Teilnahme von "organisierten und zum Teil gewaltbereiten Neonazis zu rechnen" sei. Unter ihnen seien auch viele Auswärtige gewesen.

Bereits vor einer Woche war ein ähnlich gelagerter unangemeldeter Aufzug Richtung Universitätsklinikum gelaufen. Es kann daher nicht verwundern, wenn diesmal sogar eine Stürmung des Geländes erfolgte. Fraglich ist daher, warum die Polizei das Universitätsklinikum nicht stärker absicherte und damit den Durchbruch ermöglichte.

Bündnis "Leipzig nimmt Platz"

MDR (bb/sm/dk/thd)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 29. Januar 2022 | 18:00 Uhr

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