Notbremse außer Kraft Leipziger Gastronomen öffnen draußen: So haben sie sich vorbereitet

Astrid Wulf, Moderatorin und Autorin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Als erste Stadt in Sachsen darf Leipzig die Notbremse lockern und wieder die Außengastronomie öffnen. Wie sind die Gaststätten vorbereitet und machen alle mit? Weitere Städte und Landkreise in Mitteldeutschland könnten in den nächsten Tagen folgen: Bedingung ist, dass die Inzidenz an fünf Werktagen in Folge unter 100 liegt.

Eingeklappte Schirme stehen vor geschlossenen Gaststätten
Vor den Kneipen in der Leipziger Innenstadt kehrt bald wieder Leben ein. Bildrechte: dpa

Eine Limo oder ein Bier in – oder besser gesagt vor – einer Kneipe genießen: Das können ab Freitag wieder mehr Menschen in Mitteldeutschland. Nach Magdeburg ist Leipzig die zweite Stadt in der Region, in der Freisitze und Biergärten wieder öffnen dürfen. Aber wollen die Betreiber und Betreiberinnen auch direkt wieder aufmachen? Und was müssen sie vorbereiten?

Logistischer Kraftakt

Leipzigs berühmte Kneipenmeile, das Barfußgässchen mitten in der Innenstadt, wirkt zunächst trist: zusammengeklappte Schirme, übereinandergestapelte Stühle, stillgelegte Heizstrahler. Doch die Ersten beginnen trotz Regens, Tische und Stühle aufzustellen. Auch im Restaurant "Barfusz" laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Das Team programmiert die Kasse neu, putzt, schreibt die Spargelgerichte auf eine Tafel.

Wir freuen uns drauf, jetzt loszulegen zu können.

Andreas Knabe, der Betriebsleiter des Barfusz

Doch bei aller Euphorie: Die Öffnung der Außengastronomie erfordert viel Planung. Der Restaurantbesuch im Freien ist nur mit Termin möglich, die Kontakte müssen nachverfolgt werden und ein negativer Test, die komplette Impfung oder eine Genesung müssen nachgewiesen werden.

In der Nähe gebe es mehrere Testzentren, aber zur Not könne auch in der Bar noch ein Test durchgeführt werden, sagt Knabe. Eine Person werde am Eingang stehen und nur für die Kontrollen zuständig sein.

Kellner gesucht

Das alles allerdings bei einer dünnen Personaldecke. Knabe zufolge haben im Lockdown etwa zehn Kellner, festangestellt sowie teilzeitangestellt, das "Barfusz" verlassen. Die werden auch nicht zurückkommen, haben andere Jobs gefunden oder Umschulungen gemacht. Es sei gerade schwer, Personal zu finden.

Für den reduzierten Freisitz reicht es, sagt Sebastian Seifert, unter anderem Geschäftsführer des Restaurant "Micello's". In den ersten Tagen rechnet er noch nicht mit viel Andrang, erwartet aber auch Menschen aus dem Leipziger Umland, die mal wieder essen gehen wollen.

Das geht ab Samstag auch in den Lokalen, die Michael Baumgart leitet, unter anderem Kneipen mit Biergarten auf der beliebten Karl-Liebknecht-Straße. Er meint, bei der Umsetzung der Vorgaben sei man aber auch auf die Ehrlichkeit der Gäste angewiesen. Laut sächsischer Corona-Schutz-Verordnung muss eine Familie eigentlich keinen Negativ-Test vorzeigen, zwei Freundinnen aus zwei Haushalten hingegen schon.

Andere warten ab

Dagegen will Bea Wolf, Chefin der Bar "Barcelona", bis Juni weiter eingelegte Tapas verkaufen und nicht sofort öffnen.

Alles ist sehr diffus, wenn man’s mal vorsichtig sagt. Einfach erst mal nur die Auslegung der wirklich geltenden Verordnung für unsere Branche: Das allein ist schon herausfordernd.

Barcelona-Chefin Bea Wolf

Außerdem muss man Wolf zufolge auch erstmal schauen, wie sich die Infektionszahlen entwickeln. Steige die Inzidenz wieder über 100, sei ja "zack – alles wieder zu". Weil gerade noch Umbauarbeiten laufen, könnte Wolf aber sowieso nicht vor Juni öffnen.

Schnelle Öffnung rechnet sich kaum

Wolf ist nicht die Einzige, die erstmal abwartet, bestätigt Axel Klein, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Sachsen. Ein wirtschaftlicher Faktor sei eine Öffnung der Außenbereiche jetzt weniger, das werde sich finanziell kaum lohnen. Aber für viele sei jetzt ausschlaggebend, endlich wieder Gastgeber sein zu dürfen.

Ich kenne einige Gastronomen, die sagen, ich beginne erst am 1. Juni, muss erst Ware einkaufen, mich vorbereiten. Das ist sehr, sehr gemischt.

Axel Klein, Dehoga Sachsen

Klein hofft, dass die Inzidenzen weiter sinken und zeitnah in weiteren Teilen Sachsens Freisitze und Biergärten und dann auch bald Innengastronomie und Hotels öffnen können. Die Gastgeber seien vorbereitet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 14. Mai 2021 | 08:20 Uhr

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