Schulstreit Abrupte Kehrtwende: Keine Evangelische Grundschule in Belgern

Nur wenige Wochen vor Schuljahresbeginn hatten die Schulanfänger der geplanten Evangelischen Grundschule in Belgern-Schildau noch keine Klassenräume. Eltern protestierten, als ein Streit zwischen Stadt und Schulträger ausartete. Danach kam zwar eine Einigung zustande, doch grünes Licht gab es immer noch nicht für die neue Grundschule. Nun hat der Schulträger die Reißleine gezogen, aber aus anderen Gründen.

Leeres Klassenzimmer mit hoch gestellten Stühlen.
In Belgern-Schildau sollte eine Evangelische Grundschule die Stadt bereichern. Der Schulträger betreibt schon mehrere Freie Schulen in Brandenburg. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / imagebroker

In Belgern-Schildau wird es keine Evangelische Grundschule geben. Der Schulträger nimmt wegen der zu erwartenden Kosten nun von seinem Projekt Abstand. Die Stadt Belgern-Schildau und die Evangelische Schulgemeinschaft Niederlausitz hatten wenige Wochen vor Schuljahresbeginn über das Wegerecht und eine Sondergenehmigung gestritten, damit die Grundschüler vorübergehend in der Oberschule unterrichtet werden können. Diesen Genehmigungen hatte der Stadtrat zwar zugestimmt, doch eine Baugenehmigung steht bis heute aus. Nur mit dieser Genehmigung hätte die Grundschule gegründet werden dürfen.

Nun würden die geschätzten Kosten für die Evangelische Grundschule ohnehin den Rahmen des Möglichen sprengen, sagt Stefan Branig von der Evangelischen Schulgemeinschaft Niederlausitz. Die Investitionssumme würde von 700.000 Euro auf 1,6 Millionen Euro steigen. "Das Gebäude ist finanziell zu aufwendig. Wir sind kein Sanierungsunternehmen. Für eine einzügige Schule mit vier Klassen ist der Aufwand unverhältnismäßig", so Branig.

Stefan-Branig
Stefan Branig ist Geschäftsführer der Evangelischen Schulgemeinschaft Niederlausitz gGmbH. Beim Schulprojekt in Belgern-Schildau hat er aus Kostengründen nun die Reißleine gezogen. Bildrechte: Evangelischen Schulgemeinschaft Niederlausitz gGmbH

Für eine einzügige Schule mit vier Klassen ist der Aufwand unverhältnismäßig.

Stefan Branig Geschäftsführer der Evangelischen Schulgemeinschaft Niederlausitz gGmbH

Schulgemeinschaft mit kostenintensiven Projekten

Die Evangelische Schulgemeinschaft Niederlausitz habe aktuell viele finanzielle Baustellen zu stemmen: So wollen Freie Schulen, die finanziell ins Straucheln geraten sind, von dem evangelischen Schulträger übernommen werden, sagt Branig. Das betreffe etwa die Evangelische Grundschule in Groß Kölzig in Brandenburg. Die geplante Gründung einer Grundschule in Lauchhammer habe aus Kostengründen schon auf nächstes Jahr verschoben werden müssen. Der Bauantrag für das Gebäude der ursprünglich geplanten Grundschule in Belgern ist jedoch nicht zurückgezogen worden, so Branig: "Wir wollen schauen, ob wir das Gebäude für ein anderes Projekt nutzen können."

Staatliche Grundschule übernimmt Erstklässler

Doch die Erstklässler mussten nicht ohne Klassenzimmer bleiben. Die ABC-Schützen haben ihren Schulanfang an der staatlichen Grundschule in Belgern-Schildau gefeiert, so Schulleiterin Simone Richter: "Wir haben das organisatorisch in der Kürze der Zeit richtig gut hinbekommen." 23 Schülerinnen und Schüler, die eigentlich an der Evangelischen Grundschule durchstarten sollten, lernen nun in der Grundschule Belgern.

Gebäude einer Grundschule mit Schulhof
In der Staatlichen Grundschule in Belgern lernen nun insgesamt 37 Erstklässlerinnen und Erstklässler. Vor dem Aus der Evangelischen Grundschule wären es nur 14 gewesen. Bildrechte: Grundschule Belgern-Schildau

Bis kurz vor Schuljahresbeginn sei die Schulleitung noch davon ausgegangen, dass sich die Evangelische Grundschule gründet, erklärt Simone Richter: "Die offizielle Absage wurde uns erst eine Woche vor der Vorbereitungswoche mitgeteilt." In nur zwei Wochen vor Beginn des neuen Schuljahres musste viel organisiert werden, sagt Schulleiterin Richter. Das hieß Stunden- und Raumpläne umkrempeln. Eine neue Klasse wurde organisiert und ein neuer Lehrer für diese Klasse gefunden. "Das war schon eine Hausnummer. Aber wir haben es zusammen mit den Eltern und im Interesse der Kinder regeln können", so Richter.

Das war schon eine Hausnummer. Aber wir haben es zusammen mit den Eltern und im Interesse der Kinder regeln können.

Simone Richter Schulleiterin der Grundschule Belgern

Bürgermeister und Stadträte in Belgern-Schildau ärgern sich

Der Bürgermeister von Belgern-Schildau, Ingolf Gläser (CDU), bedauert den Rückzug der Evangelischen Grundschule: "Ich habe mich nie gegen diese Evangelische Grundschule ausgesprochen. Eine Schulvielfalt an dieser Stelle hätte unsere Stadt belebt und bereichert." Die Entscheidung des Schulträgers sei jedoch nachvollziehbar, sagt Gläser. Das Gebäude, das zur Evangelischen Grundschule ausgebaut werden sollte, liege mitten in einem Gewerbegebiet. Dort fehlten Versorgungsanschlüsse und Straßenbeleuchtung, ein Fußweg hätte zusätzlich gebaut werden müssen.

Das Stadtoberhaupt hätte sich von der Schulgemeinschaft jedoch eine bessere Zusammenarbeit gewünscht. Sie hätte früher auf die Stadt zugehen und ihre Anträge früher stellen müssen. Die Stadt war im Sommer laut Gläser enorm unter Druck geraten, um die Genehmigungen für die Grundschule zu erteilen. "Im Nachgang ärgern sich nun die Stadträte, dass man uns hier in gewisser Weise vorgeführt und an den Pranger gestellt hat und jetzt sagt: 'Wir bauen nicht.'"

Ingolf Gläser
Der Bürgermeister von Belgern-Schildau, Ingolf Gläser (CDU), bedauert den Rückzug der Evangelischen Grundschule. Er kritisiert dabei das Verhalten des Schulträgers. Bildrechte: CDU Belgern-Schildau

Im Nachgang ärgern sich nun die Stadträte, dass man uns hier in gewisser Weise vorgeführt und an den Pranger gestellt hat und jetzt sagt: 'Wir bauen nicht.'

Ingolf Gläser Bürgermeister von Belgern-Schildau

Die Enttäuschung bleibt

Alexandra Krug hatte es sich für ihren Sohn sehr gewünscht, dass er in die Evangelische Grundschule gehen kann: "Aber man wusste schon, dass es knapp mit der Zeit ist. Man konnte sich deswegen darauf einstellen." Sie ließ es gegenüber ihrem Sohn offen, ob er die staatliche oder die Evangelische Grundschule besucht. "Die Enttäuschung war natürlich trotzdem groß, dass es am Ende mit der Evangelischen Grundschule nicht gepasst hat. Aber ich habe mich mit der Sache abgefunden."

Blick auf das Rathaus der über 1.000-jährigen sächsischen Stadt Belgern
In Belgern-Schildau war in den Sommermonaten ein Streit zwischen der Stadtverwaltung und dem Evangelischen Schulträger entbrannt. Eltern demonstrierten vor dem Rathaus der Stadt, damit der Streit beigelegt wird. Bildrechte: dpa

Die Enttäuschung war trotzdem groß, dass es am Ende mit der Evangelischen Grundschule nicht gepasst hat. Aber ich habe mich mit der Sache abgefunden.

Alexandra Krug Mutter eines betroffenen Erstklässlers

Die staatliche Grundschule habe sich gut um die Eltern und die neuen ABC-Schützen gekümmert, sagt Alexandra Krug: "Mein Sohn hat sich gut eingelebt und geht gerne in die Schule."

Kind läuft auf Straße 1 min
Bildrechte: MDR JUMP

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