Anonymer Brief Stadtgespräch: Bürgermeisterin von Bad Düben gegen Corona geimpft

Bad Dübens Bürgermeisterin Astrid Münster ist gegen Corona geimpft. Dass sie nicht zur Priorisierungsgruppe gehört, nimmt man ihr weniger übel. Eine Geschmäckle hat der Fall aber deshalb, weil die Impfung durch einen anonymen Brief bekannt wurde. Am Sonntag ist in der Kleinstadt Bürgermeisterwahl - einzige Kandidatin ist die amtierende Astrid Münster, die es nun bedauert, sich impfen lassen zu haben.

Rathaus am Markt von Bad Düben
In Bad Düben ist die Bürgermeisterin gerade Stadtgespräch - wegen ihrer Corona-Impfung. (Archivbild) Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

In Bad Düben ist am Sonntag Bügermeisterwahl. Einzige Kandidatin ist die amtierende Bürgermeisterin Astrid Münster (Freie Wählergemeinschaft). Kurz vor der Wahl ist die Kommunalpolitikerin in die Kritik geraten. Der Verwurf: Sie habe zu spät eingeräumt, dass sie im Januar und Anfang Februar eine Impfung gegen Corona erhalten hat - obgleich sie nicht zur Priorisierungsgruppe 1 gehört.

Pflegeheim-Mitarbeiter macht Impfung publik

Erst als ein anonymer Brief von Mitarbeitern eines Pflegeheims, in denen die Impfung stattfand, die Sache ans Licht brachte, geht die Bürgermeisterin in die Offensive - zumindest auf ihrer Facebook-Seite. Dem MDR stand sie für ein Gespräch nicht zur Verfügung.

Astrid Münster habe sich nicht vorgedrängelt, aber das sei es eben, was hängenbleibt, konstatiert Stadtrat Torsten Gaber. Auch seine Stadtratsfraktion, die Wählervereinigung Bürgerkreis, steht nun vor einem Dilemma. Zur Wahl am Sonntag ist Münster einzige Kandidatin, alle Fraktionen unterstützen ihre Bemühungen um eine dritte Amtszeit. Auch Stadtrat Jens Findeisen, Vorsitzender der CDU-Fraktion, glaubt, dass die Impfung ihr das Amtieren im Falle ihrer Wiederwahl nicht leichter mache, wenngleich die Bürgermeisterin für ihre bisherige Arbeit durchweg gute Noten erhält.

Nicht aller Bürger von Bad Düben finden es richtig, dass sich ihre Bürgermeisterin hat impfen lassen, wie die Umfrage eines MDR SACHSEN-Reporters zeigt.

Bürgermeisterin bedauert, Impfangebot angenommen zu haben

Auf ihrer Facebook-Seite schreibt Astrid Münster, sie sei am 18. Januar nachmittags angerufen und gefragt worden, ob sie sich impfen lassen wolle. Andernfalls würde Impfstoff vernichtet werden. Sie habe sich vor der Impfung erkundigt, ob "wirklich alle Berechtigten des Pflegeheimes, das Personal und Bewohner des Betreuten Wohnens, die die Impfung wollten, auch wirklich geimpft worden sind." Das habe man ihr bestätigt und erklärt, dass eine Impfschwester wohl aufgrund ihres "Geschicks" oft sieben statt nur sechs Impfdosen aufgezogen habe.

Damit kein Impfstoff vernichtet werden muss, seien niedergelassene Ärzte, Physiotherapeuten und eben sie als Bürgermeisterin angerufen worden und hätten die Impfung angeboten bekommen. Rückblickend tue es ihr leid, dass sie das Angebot angenommen habe. Es sei ein Fehler gewesen, für den sie sich schäme. Aber Fakt bleibe auch: Sie habe sich nicht vorgedrängelt.

Quelle: MDR/lam/dh

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.02.2021 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

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