Lockdown Gastronomie und Einzelhandel: Stiller Protest in Bad Düben

Einzelhändler und Einzelhändlerinnen sowie Gastronominnen und Gastronomen gehören zu den Menschen, die den harten Lockdown wohl am meisten spüren. Etliche von ihnen sind durch Corona plötzlich in Existenznöte geraten. In Bad Düben machen deshalb einige Geschäfte seit dieser Woche mit großen Protestplakaten in den Schaufenstern auf ihre prekäre Lage aufmerksam. Raja Kraus war dort und hat mit Betroffenen gesprochen.

Schaufenster-Protest gegen Lockdown
Der Markt in Bad Düben hat sich in den vergangenen Tagen deutlich verändert. Trotz schön dekorierter Schaufenster blicken Fußgänger auf Forderungen an die und Zitate aus der Politik. Bildrechte: Stefanie Peschel

"Ich habe zum Beispiel das Zitat von Jens Spahn aufgeschrieben, dass mit dem Wissen von heute kein Einzelhandel mehr geschlossen wird. Es sind Zitate vom Herrn Scholz und Herrn Altmaier zu lesen. Dass der Einzelhandel nicht im Stich gelassen wird, dass es umfassende Hilfen geben wird." Daniela Peschel-Droske betreibt ein Strickatelier in Bad Düben am Markt. Ihr Geschäft ist eines von etwa sechs Ladengeschäften hier, die ihre Schaufenster zum stillen Protest umdekoriert haben. Statt schöner Auslage sehen die wenigen Passanten verhangene Fenster und Plakate. "Das ist so ein bisschen unsere Art zu zeigen: Hier läuft was falsch", erklärt die Einzelhändlerin.

Unverständnis wegen geschlossener Läden

Peschel-Droske will wieder öffnen dürfen. Sie ist überzeugt, dass es mit den Hygienekonzepten gerade in den kleinen Läden vorher gut funktioniert hat. Auch Thorsten Rasenberger fühlt sich in seiner Existenz bedroht. Er betreibt das Café Paradeplatz in Bad Düben. Seine Schaufenster hat er allerdings nicht verhängt. Das sei gar nicht nötig gewesen, erzählt er: "Wenn man an einer Gastronomie vorbeiläuft und reinblickt, ist es trostlos. Es sind keine Blumen, keine Speisekarten, keine Deko, die Tische sind zusammengestellt."

Rasenberger beschreibt vor allem die große psychische Belastung als Problem, das Hin und Her. Erst auf, dann wieder zu. Abwarten, sich nicht mehr gebraucht fühlen. Dazu kämen die Geldsorgen: "Man hat uns zum Beispiel voriges Jahr eine Mehrwertsteuerentlastung versprochen, wo man dachte: Mensch, da können wir Verluste wieder einfahren. Und dann hat man uns November und Dezember weggenommen. Was ist diese vorgegebene Hilfe gewesen? Nichts! Wir konnten uns das Weihnachtsgeschäft nicht erarbeiten."

Schaufenster-Protest gegen Lockdown
Wo sonst Wolle und Gestricktes zu sehen ist, hängt heute ein Plakat im Schaufenster. Landeninhaberin Daniela Peschel-Droske darf seit Wochen ihren Laden nicht mehr öffenen - trotz funktionierendem Hygienekonzept, wie sie sagt. Bildrechte: Stefanie Peschel

Öffnungen trotz Verbots?

Auch für seine Kranken- oder Rentenversicherung muss er als Selbstständiger weiter allein aufkommen. Bad Dübens Bürgermeisterin Astrid Münster versteht, dass der Unmut bei den Geschäftsleuten wächst. Dennoch sagt sie: "Ich hoffe nicht, dass man sich dieser bundesweiten Aktion 'Wir machen auf' anschließt. Denn dann müsste ich als Stadt eingreifen. Aber grundsätzlich kann ich schon verstehen, dass man Existenzängste hat als Geschäftsinhaber."

Inzwischen kursieren deutschlandweit Aufrufe, trotz des Verbotes am kommenden Montag Geschäfte zu öffnen. Daniela Peschel-Droske will ihr Strickatelier aber geschlossen halten - schon allein, weil sie sich ein Bußgeld derzeit wirklich nicht leisten kann.

Quelle: MDR/rk/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.01.2021 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

Mehr aus Torgau, Halle und Wittenberg

Mehr aus Sachsen