Elbhafen Corona, Verkehrsnetz und Niedrigwasser machen Torgauer Elbhafen zu schaffen

Die Corona-Pandemie hat die gesamte Wirtschaft auf den Kopf gestellt. Vor allem in der Logistik gibt es große Verwerfungen. Darunter leiden auch die sächsischen Elbhäfen - vor allem der frisch sanierte Hafen in Togau. Die Bilanz des Jahres 2021: ein einziges abgefertigtes Schiff.

Blick auf die wieder ertüchtigte Kaimauer im Elbhafen Torgau.
Am Elbhafen in Torgau werden bisher nur wenige Schiffe abgefertigt. Bildrechte: dpa

Rund drei Jahre nach der Wiedereröffnung des Torgauer Hafens fällt die Bilanz ernüchternd aus. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind seit der Sanierung im Jahr 2018 etwa ein Dutzend Schiffe entladen worden, teilte die Gesellschaft Sächsische Binnenhäfen Oberelbe (SBO) mit. Im vergangenen Jahr war es sogar nur ein einziges Frachtschiff.

Corona verschiebt Lieferketten

Den Grund für den ausbleibenden Schiffsverkehr sieht die SBO in der Corona-Pandemie. Zwar seien alle von dem Unternehmen betriebenen Häfen permanent betriebsfähig gewesen, dennoch habe die Pandemie die Lieferketten völlig verschoben, teilte die Gesellschaft auf Anfrage von MDR SACHSEN mit.

"Für die Schifffahrt auf der Elbe hieß das, dass es kaum Schiffstransporte im konventionellen Bereich gab, da es nicht mehr um Menge, sondern um Zeit ging", so der Hafenverband. Schließlich brauche ein Schiff fünf Tage, um von Hamburg nach Sachsen zu gelangen, während ein LKW die Strecke in acht Stunden bewältigen könne. Daher sei die Schiffahrt allgemein zurückgegangen.

Hafen nicht ausreichend an Schienennetz angebunden

In Torgau komme erschwerend hinzu, dass die Deutsche Bahn den Hafen Torgau immer noch nicht wieder in ihr Verkehrsnetz als Güterumschlagstelle aufgenommen habe, so wie es vor der Stilllegung der Fall gewesen sei.

Hafenverband blickt optimistisch in die Zukunft

Dennoch sei es ein gutes Geschäftsjahr für das Unternehmen gewesen. Die Häfen in Dresden und Riesa seien fast vollständig ausgelastet und der Hafenverband verzeichne eine hohe Nachfrage für die zukünftige Nutzung des Hafens in Torgau. Es sei bekannt gewesen, dass es nach der vierjährigen Schließungsphase einige Zeit dauern würde, den Hafen "wieder zum Laufen zu bringen". Daher schaue das Unternehmen zuversichtlich in die Zukunft.

Der sächsische Binnenhafen Riesa gehört zur Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH (SBO) - mit sieben Häfen von Tschechien bis Dessau- Roßlau der größte Hafenverbund Deutschlands
Der sächsische Binnenhafen Riesa ist laut der SBO fast voll ausgelastet. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Monika Werner

Entwicklungsreserven an der Oberelbe

Das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie das Landratsamt Nordsachsen betonten auf Nachfrage von MDR SACHSEN das Potential für die Zukunft des Umschlagplatzes. "Der Hafen Torgau hat von allen Häfen der SBO die größten Entwicklungsreserven an der Oberelbe, sowohl von der Fläche als auch von der Infrastruktur", hieß es vom Ministerium. Auch das nordsächsische Amt für Wirtschaftsförderung sieht "mit dem Industriegebiet um Leipzig und Halle ein potentes Hinterland für zahlreiche Gütertransporte über die Wasserstraße".

Klimawandel könnte Probleme verschärfen

Die sächsische Landtagsfraktion der Grünen äußerte sich zurückhaltender. Die Grünen-Politiker fürchten vor allem die langfristigen Folgen des Klimawandels als Hindernis für den künftigen Schiffsverkehr auf der Elbe. Thomas Löser, Sprecher für Stadtentwicklung der Fraktion, sagte MDR SACHSEN, dass sich Wettextreme wie Trocken- und Niedrigwasserperioden und Hochwasserereignisse zukünftig noch verschärfen werden.

Ein neuer Hafen zaubert noch kein Wasser in die Elbe.

Thomas Löser Sprecher für Stadtentwicklung, Grüne Sachsen

Der Domfelsen in der Elbe in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) ist bei Niedrigwasser (55 cm) und an haltener Trockenheit vom Westufer aus betretbar.
Immer wieder kommt es zu Niedrigwasserständen auf der Elbe. Das könnte den Schiffsverkehr in Zukunft weiter einschränken. (Archivbild) Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Sein Parteikollege Gerhard Liebscher, wirtschafts- und verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion, sagte, es sei fraglich, ob es "überhaupt ein Szenario gibt, unter dem die Binnenwasserstraße Elbe wieder mehr als möglicher Transportweg in den Fokus rückt". Bevor neue Investionen in den Hafen getätigt werden, fordern die Grünen daher eine grundlegende Bestandsaufnahme und eine realistische Wirtschaftlichkeitsanalyse des Hafens in Torgau.

Sanierungskosten in Millionenhöhe

Der Torgauer Elbhafen wurde ab 2014 für rund 18,6 Millionen Euro saniert und 2018 wiedereröffnet. Erneuert wurden dabei unter anderem die Kaimauer, Gleise und die Umschlagfläche. Auch zwei alte Kräne wurden gegen einen neuen, leistungsfähigeren Kran getauscht. Die Sanierung war laut SBO notwendig geworden, da es sich bei der Hafenanlage um Altlasten der DDR gehandelt habe, die nicht weiter genutzt werden durften.

Quelle: MDR (ruehle/mar/ps/bj)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 2 | 04. Januar 2022 | 14:00 Uhr

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