Tagebau Ausstellung in Torgau erinnert an weggebaggerte Orte im Kohlerevier

Sie sind dreckig und verwandeln ehemals blühende Orte in Mondlandschaften: Braunkohletagebaue. In Sachsen haben sie an verschiedenen Stellen ihre Spuren hinterlassen. Gleichzeitig gibt es jedoch Spuren, die keiner mehr sieht. Denn vielen Menschen haben die Tagebaue ihre Heimat genommen. Daran erinnert ab sofort eine Ausstellung in Schloss Hartenfels in Torgau. Zur Eröffnung war auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer vor Ort. Der hat einen persönlichen Bezug zu dem Thema.

Im nordsächsischen Torgau wurde am Freitag in Anwesenheit von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) die Ausstellung "Verlorene Orte. Braunkohleabbau und Strukturwandel im Delitzscher Revier" eröffnet. Sie widmet sich bis zum 31. Oktober dem Schicksal von sieben Dörfern, die dem Braunkohletagebau weichen mussten.

Früheres Dorf als 3D-Modell

Zum Auftakt waren auch die Eheleute Ursula und Klaus-Peter Röber dabei. Gemeinsam mit Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer standen sie vor einem 3D-Modell ihres ehemaligen Heimatdorfes Paupitzsch. Wo sie denn früher gewohnt haben, wollte der CDU-Politiker von den beiden 77-Jährigen wissen. "Hier", sagte Klaus-Peter Röber und tippte mit dem Zeigefinger zielsicher auf ein kleines graues Haus. Das ist lange her, denn Paupitzsch wurde schon 1976 für den heranrückenden Braunkohletagebau Holzweißig-West aufgegeben.

Erinnerungen ehemaliger Bewohner einbezogen

Im Schloss Hartenfels sind Paupitzsch, Seelhausen, Werbelin, Lössen, Grabschütz, Kattersnaundorf und Schladitz in Modellen nachgebaut worden. Dafür seien auch die Erinnerungen der ehemaligen, heute meist hochbetagten Bewohner genutzt worden, sagte Projektleiterin Uta Schladitz vom Landkreis Nordsachsen. Die Dorfmodelle waren ein Projekt für den sächsischen Mitmach-Fonds, mit dem das Land Ideen zum Strukturwandel im Zuge des Kohle-Ausstiegs fördert.

Männer mit Blaumann und Industriehelm 10 min
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Kretschmer selbst mit Tagebau groß geworden

Kretschmer sagt, dies sei ein wichtiges und schönes Projekt. Er selbst sei in Ostsachsen in einem kleinen Ort am Tagebau Berzdorf groß geworden. Er habe erlebt, wie Dörfer für die Braunkohle aufgegeben wurden.

Ich habe gesehen, wie zum Teil unwürdig die Ortschaften ausgeräumt wurden.

Michael Kretschmer Sächsischer Ministerpräsident

Kretschmer: Kohle war wichtig für Energiesicherheit

Der CDU-Politiker betonte aber auch, dass die Kohle für die Energiesicherheit in der DDR unverzichtbar gewesen sei. Es sei "eine große Leistung" der Bewohner gewesen, diese Orte aufzugeben. "Es war nie populär, aber es war zum Teil notwendig", sagte Kretschmer. Die Ausstellung in Torgau würdige die Leistung der Menschen, die in diesen Orten gewohnt haben und sich teils gegen ihren Willen eine neue Heimat aufbauen mussten.

Urkunde über Leistungen der Viehzüchter

Außer den 3D-Modellen haben die Ausstellungsmacher auch historische Fotos und Dokumente zusammengetragen. Zu sehen ist etwa eine Urkunde, die den Viehzüchtern in Kattersnaundorf 1956 "hervorragende Leistungen" bescheinigte. Auch das Taufbecken, in dem Klaus-Peter Röber 1944 in der Paupitzscher Kirche getauft wurde, ist ausgestellt.

Erst Neubauwohnung, dann Eigenheim

Nachdem die Röbers ihr Heimatdorf verlassen mussten, zogen sie acht Jahre lang in eine Neubauwohnung in Delitzsch. Das sei alles in Ordnung gewesen. "Wir können nicht meckern", sagte Ursula Röber. Später bauten sie sich wieder ein Eigenheim. Auch wenn sie ohne Bitterkeit zurückblicken, ist Klaus-Peter Röber froh, dass die Erinnerung an Paupitzsch wachgehalten wird. "Man hat uns etwas genommen, das niemand ersetzen kann", sagte er.

Quelle: MDR/sth/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 02. Juli 2021 | 09:30 Uhr

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