Mörtitz Wölfe töten fünf Hirsche in Nordsachsen

Nach einem Wolfsangriff in Mörtitz bei Doberschütz wurden am Wochenende in einem Privat-Gehege fünf tote Hirsche entdeckt. Vier Damwildkälber sind verschwunden. Nur der männliche Hirsch überlebte. Erste Untersuchungen durch einen Wolfsexperten hätten den Verdacht auf Isegrim erhärtet, sagt der Gehegebetreiber. Bislang waren in und um Mörtitz noch keine Wölfe gesichtet worden.

Wolf
Nach einem Wolfsriss wurden am Sonntag fünf tote Hirsche entdeckt. Vier Kälber werden vermisst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als Hans-Joachim Kunze am Sonntag sein rund anderthalb Hektar großes Damwild-Gehege betrat, bot sich ihm ein schauriger Anblick. "Dort lagen mehrere Kadaver verstreut", sagt der 72-Jährige. Der männliche Hirsch überlebte. Die übrigen fünf Tiere nicht. Vier Kälber werden vermisst, die von den Wölfen offensichtlich mitgenommen wurden, sagt Kunze.

Vermutlich erster Wolfsriss in der Region

Offensichtlich waren es drei bis vier Wölfe, die rund 30 bis 40 Kilogramm Fleisch erbeutet haben, sagt Kunze. Bisher habe es in seiner Nachbarschaft keine Wolfssichtungen gegeben. In der Nähe läge jedoch ein Wolfsrevier. Seit 25 Jahren betreibt Kunze, der auch als Jäger tätig ist, sein Gehege. In all der Zeit habe er noch keinen derartigen Zwischenfall erlebt.

Ein Wolf im Wildpark Schorfheide trägt 2014 ein Stück Fleisch im Maul.
Wölfe sind streng geschützt und dürfen nur in Ausnahmen geschossen werden. Jäger fordern, dass eine Abschussquote festgelegt werden müsse, um die Wolfspopulation in einem erträglichen Maße zu halten. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Bernd Friedel

Experten untersuchen Fundort

Für Ärger sorgte der erste Anruf beim diensthabenden Veterinär im Landratsamt. "Dort habe ich eine Abfuhr erhalten. Der hat nur einen Jäger angerufen, dass der mal hergucken kommt." Kunze ergriff selbst die Initiative und rief bei der Fachstelle Wolf in Dresden an, die nach anderthalb Stunden am Tatort waren. Die Fachleute nahmen Proben und untersuchten das Gatter.

Der Wolfsbeauftrage hat gesagt, der Zaun ist in Ordnung. Der hat ihn rundherum mehrmals kontrolliert. Der Wolf ist aber unter dem Zaun durch, da muss ich eine Lösung finden.

Hans-Joachim Kunze Jäger

Schaden beträchtlich

Der Schaden durch den Wolfsriss sei beträchtlich, sagt der Betreiber. Er müsse sich nun um neue Tiere kümmern, um für Nachwuchs im Mai zu sorgen. Auch beim Hirsch hat die Begegnung mit den Wölfen Spuren hinterlassen, sagt Kunze. "Man merkt schon, dass der verstört ist."

Quelle: MDR(lt)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 17. Januar 2022 | 14:30 Uhr

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