Kriminalität Polizei hilflos bei Bekämpfung von Drogenhandel

Am vergangenen Wochenende gab es vor dem Leipziger Hauptbahnhof eine Auseinandersetzung, bei der ein Mann starb. Die Polizei ermittelt noch, worum es bei dem Streit ging – die Vermutung liegt aber nahe, dass es etwas mit Drogen zu tun hat. Denn in der Gegend um den Leipziger Hauptbahnhof wird trotz der vielen Polizeikontrollen viel gedealt. Die Bekämpfung der Drogenszene stellt die Polizei vor eine große Herausforderung – auch in weiteren Städten in Sachsen und Thüringen.

Polizeiwagen in einem Park
Trotz häufiger Polizeikontrollen am Leipziger Hauptbahnhof, gibt es dort viel Drogendealer. Bildrechte: MDR/Barbara Meesmann

Viele Rückzugsmöglichkeiten, viel Publikumsverkehr zum Untertauchen und dann noch die angrenzenden Parkanlagen – das alles macht die Gegend um den Hauptbahnhof zu einem idealen Ort für Drogengeschäfte. So beschreibt es Matthias Lukat von der Polizeidirektion Leipzig, der auch örtlicher Vorstand der Gewerkschaft ist. Deshalb führe eine gemeinsame Ermittlungsgruppe mit der Bundes- und Landespolizei dort massive Kontrollen durch, ebenso Einsatzzüge in den Nacht- und Spätzeiten und auch die Hundestaffel sei dort viel im Einsatz.

Eine Kontrolle rund um die Uhr sei aber nicht möglich – und das merkten auch die Kriminellen. Außerdem würden dort immer neue Dealer aus der Szene gewonnen werden: "Die werden auch immer jünger, die sich dort locken lassen mit irgendwelchen Mitteln. Es ist wirklich ein Katze-Maus-Spiel", erklärt Lukat.

Mehr Personal bei Polizei nötig, um Drogenhandel zu bekämpfen

Den Drogenhandel dort ganz zu unterbinden, sei utopisch, sagt der Gewerkschaftssprecher. Mehr Präventionsarbeit wäre aber einerseits nötig. Und auf der anderen Seite: Das Personal aufstocken. "Dass die Einstellungszahlen noch höher gehen, dass wir dort unsere Kontrolldichte erhöhen können, dass wir den Dealern diese ganze Szene unmöglich erschweren, sodass das alles gen null gedrückt wird – das wäre natürlich das i-Tüpfelchen", sagt Lukat.

In Sachsen wird nicht nur in Leipzig mit Drogen gehandelt, berichtet Pascal Ziehm, Leiter der Stabstelle Kommunikation bei der Polizei Sachsen. Auch im Alaunpark in Dresden und im Chemnitzer Stadthallenpark spielten sich solche Geschäfte ab.

Drogenszene auch in Erfurt

Mit Polizeiarbeit allein könne man das Problem nicht bewältigen, sagt Ziehm. Er sieht die gesamte Gesellschaft in der Verantwortung – auch die Kommunen, die Gewerbetreibenden vor Ort und die Immobilienbesitzer. "All diese Player sitzen hier in einem Boot und müssen zusammenarbeiten, um dieser jeweiligen Drogenszene Herr zu werden", erklärt Ziehm.

In Thüringen liegt der Hotspot ebenfalls in der größten Stadt des Landes: in Erfurt. Patrick Martin von der Landespolizeidirektion Thüringen verortet ihn wie in Leipzig im Bereich des Hauptbahnhofs. Vor allem mit Crystal Meth und Cannabis werde gehandelt.

Bekämpfung von Drogenhandel sei schwierig

Das Geschäft sei lukrativ und deshalb die Bekämpfung so schwierig. "Deshalb werden diese Lücken sobald die Polizei da irgendwo einer Truppe habhaft geworden ist sehr schnell wieder geschlossen, weil es einfach den großen Markt dafür gibt, der immer wieder neue Produkte will und da finden sich dann auch immer wieder Personen, die bereit sind das zu verkaufen", sagt Martin.

In den aktuellen Kriminalstatistiken der Länder, die sich auf das Jahr 2020 beziehen, verzeichnet Mitteldeutschland einen Anstieg an Rauschgiftdelikten. In Sachsen und Thüringen um jeweils rund neun Prozent, in Sachsen-Anhalt um drei Prozent. Die meisten Tatverdächtigen sind dabei Deutsche: neun von zehn in Thüringen und acht von zehn in Sachsen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. August 2021 | 06:00 Uhr

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