Flughafen Leipzig/Halle Sachsens Grüne streiten weiter für Lärmschutz am Flughafen

Der Flughafen Leipzig/Halle ist schon heute der zweitgrößte Frachtflughafen in Deutschland. Nach Plänen des Flughafens soll er aber bald noch größere Kapazitäten bekommen. Entsprechende Unterlagen wurden im vergangenen Jahr eingereicht. Ein neues Gutachten der Fraktion der Grünen im sächsischen Landtag übt deutliche Kritik an den Plänen. Auch Umweltverbände und Bürgerinitiativen befürchten erheblich mehr Lärm.

Luftaufnahme Flughafen Leipzig Halle
Debatte um den Ausbau des Flughafens Leipzig/Halle – zentraler Streitpunkt ist das Thema Lärm. Bildrechte: IMAGO

Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Dulig bezeichnet den Flughafen Leipzig/Halle als Europas modernsten Umschlagplatz für Expressluftfracht. Tatsächlich ist der Flughafen das weltweit größte Luftfrachtdrehkreuz des Paketdienstleisters DHL. In Zukunft möchte der Flughafen noch mehr Frachtflugzeuge zur gleichen Zeit abwickeln – auch in der Nacht. Bisher ist die Zahl auf 60 begrenzt, in Zukunft sollen es 96 sein. Dazu braucht es unter anderem mehr Stellplätze und neue Rollwege. Kosten soll das ganze rund 500 Millionen Euro.

Neuer Fluglärmschutzbeauftragter ab September

Doch mehr Flugzeuge bedeuten auch mehr Lärm. Das räumt auch Wirtschaftsminister Martin Dulig ein: "Nur ist auch klar, dass mit Ausbau und Betrieb von Flughäfen, gerade auch bei internationalen Drehkreuzen, immer auch die Betroffenheit von Anwohnerinnen und Anwohnern wächst und das bezieht sich vor allem auf das ganze große Thema Fluglärm." In Sachsen soll deswegen ab September ein neuer Fluglärmschutzbeauftragter vermitteln. Aber reicht das oder gibt es schlicht grundsätzliche Mängel beim laufenden Verfahren?

Kommunen, Umweltverbände und Bürgerinitiativen jedenfalls äußern erhebliche Kritik am Planfeststellungsverfahren bzw. Planänderungsverfahren. Insbesondere beim Thema Lärm seien die Unterlagen der Mitteldeutschen Flughafen AG nicht ausreichend. Auf Anfrage von MDR AKTUELL weist Konzernpressesprecher Uwe Schuhart diese Kritik zurück. Alle geforderten Unterlagen seien eingereicht. Auch der Lärmschutz habe eine Rolle gespielt. Zudem sei genau vorgeschrieben, was man einreichen müsse, wenn man so ein Planänderungsverfahren starten wolle. "Das haben wir gemacht und die Unterlagen sind von der Landesdirektion als vollständig bewertet worden", sagt Schuhart.

Landesdirektion Sachsen verlangte kein Lärmschutzgutachten

Das bestätigt die Landesdirektion auf Anfrage von MDR AKTUELL und verweist auf die Vorgaben des Luftverkehrsgesetzes. Matthias Zimmermann von der Bürgerinitiative "Gegen die neue Flugroute" weiß zwar von der Zustimmung der Landesbehörde, hält die Unterlagen aber für mangelhaft und fehlerhaft. "Dass man so etwas überhaupt angenommen hat als Diskussionsgrundlage von der Landesdirektion Sachsen, ist schon eigentlich ein Unding."

Ein lärmmedizinisches Gutachten war nicht Teil dieser Unterlagen, wurde aber von der Landesdirektion Sachsen auch nicht verlangt. Mindestens drei Kommunen im Umfeld des Flughafens forderten ein solches Gutachten in Stellungnahmen zum Ausbau. Das geht aus einer Zusammenfassung der Bürgerinitiative "Gegen die neue Flugroute" und Recherchen von MDR AKTUELL hervor.

Gutachten der Grünen: Lärmbelastung schon jetzt zu hoch


Auch deswegen hat die Grünen-Fraktion des Sächsischen Landtags ein lärmmedizinisches Gutachten in Auftrag gegeben und vor kurzem vorgelegt. Es rät von einem Ausbau ab und warnt vor Gesundheitsgefahren durch noch mehr Fluglärm. Schon jetzt sei die Lärmbelastung zu hoch. Gerhard Liebscher ist der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Landtag. Er sagt: "Deswegen ist unsere Position, dass wir einer Ausweitung des Nachtflugverkehrs nicht zustimmen. Das wird weiterhin zu entsprechendem Gesprächsbedarf innerhalb der Koalition führen."

Kommunikationsbedarf gibt es in jedem Fall. Denn angesprochen auf das Gutachten des Koalitionspartners antwortet Martin Dulig in der Kabinettspressekonferenz: "Das Lärmschutzgutachten liegt uns jetzt nicht vor. Das ist jetzt erstmal nur das, was sozusagen presseöffentlich bekannt gemacht wurde." Dabei ist das Gutachten seit mehr als zwei Wochen online und auf der Seite der Grünen Landtagsfraktion leicht zu finden. Auch die Landesdirektion verweist auf das laufende Planfeststellungsverfahren und will sich zum neuen Gutachten nicht äußern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Juni 2021 | 06:00 Uhr

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