Russland-Sanktionen Flughafen Leipzig kassiert Parkgebühr für gestrandete Antonow-Flugzeuge

Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine sind drei Antonow-Frachter in Leipzig/Halle gestrandet. Sie gehören der russischen Volga-Dnepr-Gruppe. Am Flughafen Leipzig/Halle stören die abgestellten Frachtmaschinen aber nicht. Der Airport kassiert Parkgebühren, welche von den Russen auch beglichen werden. Nur zur Höhe will der Flughafen in öffentlicher Hand keine Angaben machen.

Antonovs AN 124 der russischen Volga-Dnepr-Gruppe
Für die drei beschlagnahmten Frachtflugzeuge vom Typ Antonow AN 124 der russischen Volga-Dnepr-Gruppe zahlt der Eigentümer für jeden Tag eine Parkgebühr. Bildrechte: MDR/Lars Müller

  • Flughafen kassiert täglich vierstellige Parkgebühren von russischem Flugzeugeigentümer.
  • Deutsche Frachtgesellschaft ist insolvent wegen Russland-Sanktionen.
  • Die Zukunft der gestrandeten Antonows ist ungeklärt.

Die drei in Leipzig/Halle gestrandeten Antonows AN 124 der russischen Volga-Dnepr-Gruppe bringen dem Flughafen trotz gekappter Kontakte zu Russland zuverlässig Parkgebühren. Weil die Frachtmaschinen wegen EU-Sanktionen im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg von Russland gegen die Ukraine nicht abheben, werden nach der Entgeltordnung des Flughafens Abstellgebühren fällig.

Die Parkgebühren für die drei russischen AN 124 werden erhoben und durch den Betreiber auch beglichen.

Pressesprecher Flughafen Leipzig/Halle

Regulär gut 1.000 Euro pro Tag für Frachter fällig

Ein Sprecher des Flughafens teilte auf Anfrage mit: "Die Parkgebühren für die drei russischen AN 124 werden erhoben und durch den Betreiber auch beglichen." Weitere Maschinen seien nicht betroffen. "Zur Höhe der Gebühren machen wir keine Angaben und bitten hierfür um Verständnis", erklärte der Sprecher des Flughafenbetreibers in öffentlicher Hand weiter.

Laut Entgeltordnung werden Parkgebühren fällig, wenn ein Flugzeug länger als drei Stunden am Flughafen in Leipzig/Halle am Boden ist. Pro angefangenen 24 Stunden bekommen Betreiber der Maschinen dann 2,67 Euro je Tonne maximaler Startmasse (MTOW) in Rechnung gestellt. Volga-Dnepr gibt das zulässige maximale Abfluggewicht seiner Antonows je nach Ausführung mit 392 bis 402 Tonnen an.

Antonov AN 124 der russischen Volga-Dnepr-Gruppe
Die Zukunft der gestrandeten Maschinen ist weiterhin unklar. Bildrechte: MDR/Lars Müller

Damit kostet das Parken einer Antonow regulär bis zu 1.073 Euro je Tag. Allerdings sind Ausnahmen möglich. So heißt es in der Entgeltordnung des Flughafens Leipzig/Halle: "Für die Abstellung von Luftfahrzeugen, die voraussichtlich eine Dauer von mehr als 30 aufeinander folgenden Tagen umfasst, kann zwischen den Luftfahrzeughaltern und dem Flughafen vor Beginn der Abstellung ein Mietvertrag geschlossen werden." Ferner könnten in "Havariefällen (...) gesonderte Vereinbarungen mit dem Flughafen" getroffen werden.

Westliche Aktivitäten von Volga-Dnepr ruhen mit ungewisser Zukunft

Als Folge der Russland-Sanktionen ist die in Schkeuditz ansässige Cargologic Germany inzwischen insolvent. Sie war seit 2019 mit bis zu vier Boeing 737-Frachtern unterwegs und Anfang März mit einem behördlichen Flugverbot belegt worden. Cargologic war eine deutsche Frachtgesellschaft mit einem russischem Mehrheitseigner, der Anfang der 1990er- Jahre auch die Volga-Dnepr-Gruppe gegründet hatte. Ehemalige Frachter des sowjetischen Militärs wurden fortan für zivile Transporte weltweit eingesetzt. In Russland ist Volga-Dnepr noch aktiv und fliegt unter anderem im staatlichen Auftrag überwiegend mit Maschinen sowjetischer Herkunft.

Medienberichten zufolge will sich der Geschäftsmann selbst aus der Luftfahrt zurückziehen. Ob die in Großbritannien ansässige Tochtergesellschaft damit wieder in die Luft kommen kann, halten Luftfahrtexperten jedoch für fraglich. Ebenso unklar ist die Zukunft der drei gestrandeten Antonow-Frachter.

Flughafen Leipzig/Halle 45 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Flughafen Leipzig/Halle 45 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | Nachrichten | 06. April 2022 | 15:30 Uhr

1 Kommentar

AlexLeipzig vor 10 Wochen

Bei dem Lärm, den diese Oldtimer verursachen, bin ich froh, daß sie am Boden bleiben, auch wenn es beeindruckende Flugzeuge sind. Als Museumsstücke können sie gern stehenbleiben und bei Besichtigungen die Parkgebühren wieder reinholen:-)

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