Europas größte und artenreichste Tropenhalle 10 Jahre Gondwanaland: Wie der Urwald in die Großstadt kam

Es war eines der kühnsten Bauprojekte Mitteldeutschlands: Auf einer Industriebrache gleich neben dem Leipziger Zoo soll die größte und artenreichste Tropenhalle Europas enstehen. Niemand kann genau sagen, wie gut es gelingt, künstlich einen Lebensraum für fast 170 Tierarten zu simulieren – unter ihnen so seltene wie die Schabrackentapire, Zwergflusspferde oder Ozelots. Nach vier Jahren Bauzeit soll Gondwanaland 2011 eröffnet werden. Ein Wagnis.

Gondwanaland: Ein tropisches Paradies in Leipzig 45 min
Gondwanaland: Ein tropisches Paradies in Leipzig Bildrechte: MDR/Alex Foster

Hin und wieder legt der Herr übers Gondwanaland sogar eine Nachtschicht ein: "Ich wollte mal nach den Tomatenfröschen gucken", sagt Michael Ernst, Bereichsleiter der Tropenhalle, und leuchtet ins Dickicht.

Gondwanaland im Leipziger Zoo
Nachtschicht in der Tropenhalle Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unheimlich viele Amphibien habe man über die vergangenen zehn Jahre ausgesetzt, doch man habe außerdem viele Vögel hier, erklärt er. Im Leipziger Dschungel herrscht also ein "ziemlich fragiles" ökologisches Gleichgewicht. Und wie in der freien Wildbahn sind zum Erhalt auch hier die kleinsten Tiere unverzichtbar, wie Ernst betont.

Ein Frosch
Tomatenfrosch - nur eine der vielen Amphibienarten vor Ort Bildrechte: Der Osten - Entdecke wo du lebst / MDR

Obwohl so ein Tomatenfrosch, der sich wütend aufbläht, weil man ihn anstrahlt, von beachtlicher Größe scheint:

"Tagsüber ist der eingebuddelt und niemand findet ihn – außer der Gärtner", lacht Ernst, der mit zum Team gehörte, als Gondwandaland erfunden wurde.

"Wir wollten nichts kopieren"

Gondwanaland im Leipziger Zoo
Michael Ernst und Direktor Jörg Junhold auf Bootstour Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die größte und artenreichste Tropenhalle Europas soll vor rund einem Jahrzehnt auf einer Industriebrache entstehen, als Herzstück eines neuen "Zoos der Zukunft" mit Themenwelten. Bereits seit 1998 verfolgt Direktor Jörg Junhold diese ambitionierte Idee: "Wir wollten nichts kopieren. Auch nicht hier im Gondwanaland. Diese Art der Tierhaltung, die, so weit es geht, auf Barrieren verzichtet, oder die Bootsfahrt – so etwas hatte noch niemand", erinnert er sich.

10 Jahre Gondwanaland: Bewohner im Dschungelcamp

Luftbildaufnahme - Gondwanaland Zoo Leipzig
Blick auf die Gondwanaland-Halle mit dem markanten Wabendach Bildrechte: Jürgen-Michael Schulter
Luftbildaufnahme - Gondwanaland Zoo Leipzig
Blick auf die Gondwanaland-Halle mit dem markanten Wabendach Bildrechte: Jürgen-Michael Schulter
Totenkopfäffchen
Herr Nilsson schläft: Eins der sonst sehr munteren Totenkopfäffchen, nur männliche Tiere werden in so genannten Bachelor Groups im Zoo gehalten. Ein "Genpool" auch für andere Zoos. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Redaktion beschriftet selbst.
Nicht mehr vor Ort sind die Tamanduas, die Kleinen Ameisenbären: Laut Michael Ernst sind ihre Vordergliedmaßen eine "Mischung aus Kombizange und Brecheisen". Als "Meister der Demontage" einfach zu gefährlich in der relativ barrierefreien Umgebung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zehn Jahre Gondwanaland im Leipziger Zoo: Tiere
Auch der Serval verließ Gondwanaland wieder. Ernst zufolge passte er nicht wirklich gut in diesen Lebensraum. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Silberäffchen
Silberäffchen im Asiatischen Dorf Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Redaktion beschriftet selbst.
Hier werden die Komodowaren-Eier wieder ausgebuddelt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Komodowaran-Eier
Es wäre eine Sendation, wenn daraus kleine Urzeit-Echsen schlüpfen würden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Redaktion beschriftet selbst.
Bedroht wie die Frösche ist auch dieser himmelblaue Tag-Gecko, so wird versucht, ihn regelmäßig zu vermehren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gondwanaland im Leipziger Zoo
Von Anfang an dabei: Michael Ernst, heute Bereichsleiter, mit Direktor Jörg Junhold auf Bootstour durch Gondwanaland: "So was hatte damals noch keiner." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gondwanaland: Ein tropisches Paradies in Leipzig
Gondwanaland ist auch ein großer botanischer Garten. Bildrechte: MDR/Alex Foster
Löffelhund
Die Löffelhunde sind auch nicht mehr vor Ort. Mehr als die Ohrenspitzen der Tiere, die sich sehr gern eingraben, sahen die Besucherinnen und Besucher selten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sala-Thai-Häuser im Asiatischen Dorf
Die Schindeln der Sala-Thai-Häuser sind vom Klima in der Halle arg mitgenommen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gondwanaland im Leipziger Zoo
Zu tun gibt es für Bauleiter Johannes Becker immer etwas. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Schäden durch Splintholzkäfer
Vor allem seit der Splintholzkäfer das Holz der Bauten zerbröselt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Komodowaran Kampung als erster Gondwana-Bewohner
Komodowaran Kampung kam aus Gran Canaria Leipzig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Komodowaran-Weibchen vergräbt Eier.
Erst zehn Jahre später gibt es möglicherweise Nachwuchs. Die Kamera fängt ein, wie das Komodowaran-Weibchen Eier vergräbt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Rückblende: Der Urknall

Gondwanaland 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch wer einen Urkontinent erschaffen will, braucht Platz. Um die Uhren auf Gondwanazeit zurückzudrehen, muss erstmal das Denkmal einer anderen Epoche weichen: das ehemalige Gebäude einer Kammgarnspinnerei, später ORSTA-Hydraulik. Der 100 Meter lange edle Industriebau in der Pfaffendorfer Straße wird am 24. Februar 2007 gesprengt. Nach diesem Urknall in Nachbarschaft zu Elefantenhaus und Geier-Voliere beginnen im November die Bauarbeiten für ein 16.500 Quadratmeter großes Stück Regenwald mitten in der Großstadt mit verschlungenen Pfaden, modellierten Felsen, einem 12 Meter hohen Baumwipfelpfad, Baumriesen und einem Fluss namens Gamanil. Wer dort ein Boot besteigt, soll in 15 Minuten multimedial zeitreisen bis zum Beginn der Erdgeschichte zurück.

Zwei Mitarbeiter einer Stahlbaufirma ziehen den Richtkranz auf der Baustelle der Tropenhalle "Gondwanaland" im Zoo Leipzig nach oben
Richtkranz für die Tropenhalle Bildrechte: dpa

Zeitgleich zum nicht unkomplizierten Baugeschehen läuft die Beschaffung der Pflanzen – und Tiere. Im Austausch mit anderen Zoos und mit Blick auf das Europäische Arterhaltungsprogramm. Nur zwei Jahre später werden die Rohre für die frei tragende Dachkonstruktion montiert. Nicht Scheiben, sondern isolierende Folienkissen werden als Waben eingesetzt. Sie sind leichter und filtern das Licht nicht, das die Pflanzen in voller Kraft brauchen.

Komodowaran Kampung als erster Gondwana-Bewohner
Der erste Bewohner: Komodowaran Kampung Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nochmal zwei Jahre später kommt im Mai 2011 Komodowaran Kampung als erster Gondwana-Bewohner aus Gran Canaria in Leipzig an. Kein anderer deutscher Zoo hat eine solche Urzeitechse. Doch zum weltberühmten Star "Made in Gondwana" wird mit der Eröffnung im Juni erstmal ein Opposum, die unvergessen schielende "Heidi". Ein echter Marketing-Coup.

Gondwana: Zahlen und Fakten

In Leipzig steht die größte und artenreichste Tropenhalle Europas. 35 Meter ist sie hoch.

Unter dem 18.000 Quadratmeter großen Dach, einer Stahlkonstruktion mit Luftkissen, leben rund 170 Tierarten aus Asien, Afrika, Südamerika und Australien.

Sie stammen somit aus Erdteilen, deren Landmassen vor rund 180 Millionen Jahren noch zusammengehörten. Diesem Großkontinent gab die Wissenschaft den Namen Gondwana.

Gondwana ist auch ein riesiger botanischer Garten mit rund 24.000 Pflanzen aus rund 500 Arten. Rund 130 Großbäume, teilweise mehr als sechs Meter hoch wurden aus Baumschulen in Asien und den USA geholt.

Sie gedeihen bei minimal 26 Grad und einer Luftfeuchtigkeit bei 60 bis 80 Prozent, während dieses Klima bis heute eine Herausforderung für die Bauten ist.

Baustart ist im November 2007.

Nur zwei Jahre später werden die Rohre für die frei tragende Dachkonstruktion montiert. 2.200 Tonnen Stahl fügen sich zu einem filigranen Netz zusammen, darin eingebaut werden nicht Scheiben, sondern isolierende Folienkissen. Da die Stahlpreise in der Zeit des Baus heftig steigen, wachsen die Kosten für das Projekt am Ende auf 69 Millionen Euro. Der Freistaat trägt den größen Teil.

Eröffnung ist im Juni 2011

Gondwanaland: Zeitreise in der Tropenhalle

Gondwanaland im Bau
In Leipzig steht die größte und artenreichste Tropenhalle Europas. Unter dem 18.000 Quadratmeter großen Dach, einer Stahlkonstruktion mit Luftkissen, leben Tierarten aus Asien, Afrika, Südamerika und Australien. Sie stammen somit aus Erdteilen, deren Landmassen vor rund 180 Millionen Jahren noch zusammengehörten. Diesem Großkontinent gab die Wissenschaft den Namen Gondwana. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Gondwanaland im Bau
In Leipzig steht die größte und artenreichste Tropenhalle Europas. Unter dem 18.000 Quadratmeter großen Dach, einer Stahlkonstruktion mit Luftkissen, leben Tierarten aus Asien, Afrika, Südamerika und Australien. Sie stammen somit aus Erdteilen, deren Landmassen vor rund 180 Millionen Jahren noch zusammengehörten. Diesem Großkontinent gab die Wissenschaft den Namen Gondwana. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Gondwanaland im Bau
2011 eröffnete das Leipziger Gondwanaland, das auch ein riesiger botanischer Garten mit heute rund 24.000 Pflanzen aus rund 500 Arten ist. Sie gedeihen in einem tropischen Klima, die Temperatur liegt bei minimal 26 Grad und die Luftfeuchtigkeit bei 60 bis 80 Prozent. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Tiere im Gondwanaland
Entwickelt wurde die Idee zu einer Tropenhalle allerdings schon seit 1998, als Jörg Junhold - gerade frisch im Amt als Direktor - mit seinen Mitarbeitern an einem Masterplan für einen "Zoo der Zukunft" mit Themenwelten zu arbeiten begann. Im Herzen sollte die Tropenhalle liegen mit Tieren, Pflanzen, aber auch einer Simulation, die das Auseinanderdriften der Kontinente erlebbbar machen sollte. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Gondwanaland im Bau
Um die Uhren auf die Gondwanazeit zurückzudrehen ... Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Gondwanaland im Bau
... musste ein Denkmal, das bis dahin nicht zum Zoo gehörte, weichen: Das ehemalige Gebäude einer Kammgarnspinnerei - später der ORSTA-Hydraulik in der Pfaffendorfer Straße - stand den ehrgeizigen Plänen des Zoodirektors im Wege. Der etwa 100 Meter lange edle Industriebau der Moderne mit den eindrucksvollen Fensterbändern ließ sich nach Ansicht der Macher nicht integrieren. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Gondwanaland im Bau
"Drei, zwei, eins, Zündung." An einem diesigen Morgen am 24. Februar 2007 gab der Sprengmeister das Kommando. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Gondwanaland
Die alte Fabrikruine in unmittelbarer Nachbarschaft zum Elefantenhaus und der Geiervoliere krachte in sich zusammen. Die Tiere überstanden den Schrecken ohne Schaden zu nehmen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gondwanaland im Bau
"Es gingen die Kirchenglocken von der Kirche vom Nordplatz, fast zeitgleich kam dann das Kommando zum Sprengen", erinnert sich Zoodirektor Jörg Junhold, "alles ging ziemlich schnell ... dann rollte eine riesige Staubwolke durch den Zoo." Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Gondwanaland im Bau
Kurze Zeit später war das Gelände eine Riesenbaustelle. Der erste Spatenstich erfolgte am 28. November 2007. In vier Jahren wurde die Tropenhalle hochgezogen. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Gondwanaland im Bau
Als Michael Ernst, Chef-Tierpfleger im Zoo und einer der künftigen Bereichsleiter, damals über die Baustelle schwebte, ließ sich das alles nur erahnen: "Da hinten Südamerika, da Afrika und da Asien. Da, wo der Polier langläuft, der läuft grad von Asien nach Afrika über", stellte er sich vor. Und er bekam einen Eindruck von der geplanten Höhe - 35 Meter. Allerdings begann schon zu diesem Zeitpunkt die Beschaffung der Tiere. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Zwei Mitarbeiter einer Stahlbaufirma ziehen den Richtkranz auf der Baustelle der Tropenhalle "Gondwanaland" im Zoo Leipzig nach oben
Nur zwei Jahre später wurden die Rohre für die frei tragende Dachkonstruktion montiert. 2.200 Tonnen Stahl fügten sich zu einem filigranen Netz zusammen - darin eingebaut wurden später die isolierenden Folienkissen. Die Architekten Klaus Reuter und Martin Henchion (Berlin/Dublin) zeichneten für den Entwurf verantwortlich, beteiligt waren an der nicht unkomplizierten Umsetzung auch andere Firmen. Da die Stahlpreise in der Zeit des Baus heftig stiegen, wuchsen die Kosten für das Projekt am Ende auf 69 Millionen Euro an. Der Freistaat trug den größen Teil. Bildrechte: dpa
Gondwanaland im Bau
In der Halle eine tropische Landschaft, in der gerade Felswände aus Gips modelliert werden, dahinter die Silhouette der Stadt. 2,7 Hektar groß ist das Gelände mit der Halle und den Nebenflächen, zu denen ein Gastronomiebereich, Außengehege, die Quarantäne und nicht zu besichtigende Gehege Bauarbeiten gehören sollten. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Tiere im Gondwanaland
Klar ist, die Tiere sollten die Hauptdarsteller sein im Gondwanaland. Im Mai 2011 kam Komodowaran Kampung in Leipzig an - als einzige derartige Echse in einem deutschen Zoo später eine der Attraktionen. Andere Mieter waren da schon längst da, etwa die afrikanischen Lungenfische, die Zwischenquartiere bezogen, bis die Behausung im Gondwanaland fertig war. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Gondwanaland im Bau
Doch auch die Flora sollte spektakulär werden. 130 Großbäume mehr als sechs Meter hoch wurden in Baumschulen in Asien und den USA ausgesucht und dann etwa mit schwarzen Netzen, die die geringere Lichtintensität in Europa imitierten, für den Transport vorbereitet. Nach der Schiffspassage kamen sie in Rotterdam in eine mehrmonatige Quarantäne und dann in klimatisierten Containern nach Sachsen. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Gondwanaland im Bau
Immer mit dabei war der damalige Projektleiter der Tropenhalle Rasem Baban. Er kannte jeden Baum. Etwa diese Geigenfeige, die er persönlich aus einem Dschungel in Malaysia holte. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Gondwanaland im Bau
Mitten in der Halle stehen am Ende zwei künstliche Baumriesen aus Beton. Im Durchschnitt sind sie vier bis fünf Metern dick, sie verbergen einen Treppenaufgang, über den der Besucher auf den Hängebrückenpfad durch die Wipfel gelangen soll. Doch nicht nur das: Der vordere Kunstbaum versteckt auch eine Anlage, die zur Klimatierrung der Halle dient: Wenn es zu warm wird, wird oben die heiße Luft angesaugt, gespeichert und in kühlen Nächten wieder abgegeben, um die Tropenhalle zu beheizen. Die Computer gesteuerte Klimaanlage in der Halle reagiert auch auf die Signale von Windmeldern. So können beispielsweise Lüftungsklappen im Dach auf- und zugefahren sowie Ventilatoren eingesetzt werden. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
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Ein Wagnis

Tiere im Gondwanaland
Presserummel zur Eröffnung Bildrechte: MDR FERNSEHEN

Doch niemand kann damals genau voraussehen, wie gut es gelingt, künstlich einen Lebensraum für fast 170 Tierarten zu simulieren – unter ihnen so seltene wie die Schabrackentapire, Zwergflusspferde oder Ozelots.

Tiere im Gondwanaland
Unvergessen: Opposum Heidi Bildrechte: MDR FERNSEHEN

Fast zehn Jahre sind seit der Eröffnung vergangen. Der Dschungel ist mittlerweile so dicht, dass Gondwana-Gärtner Christian Ludwig regelmäßig mit der Machete ran muss. Sehr zur Freude der Tapire, die Gummibaumgrün lieben.

Zehn Jahre Warten auf kleine Urzeit-Echsen

Komodowaran-Weibchen vergräbt Eier.
Das Komodowaran-Weibchen vergräbt Eier. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neue Tiere sind eingezogen, andere haben die Tropenhalle wieder verlassen. Etwa der Serval, der eigentlich nie zu sehen ist und "nicht wirklich perfekt in diesen Lebensraum gepasst hat", wie Michael Ernst feststellt. Oder die sehr nachtaktiven Löffelhunde, die sich immer wieder eingraben. Als zu gefährlich erweist sich die Haltung der Tamanduas in dieser Umgebung. Ernst beschreibt ihre Vordergliedmaßen als Mischung aus Kombizange und Brecheisen, was sie zu "Meistern der Demontage" mache: "Die können böse Löcher machen."

Wenn man so eine Halle plant, mit so einem großen, wirklich auch exquisiten Tierbestand, macht man Fehler. Das ist so. Und jetzt, nach zehn Jahren, können wir da auch mit einem Lächeln zurückgucken.

Michael Ernst Bereichsleiter Gondwanaland
Komodowaran-Eier
Ausgebuddelte Komodowaran-Eier Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch manchen Bewohnern geht es offenbar so gut, dass sie regelmäßig für Nachwuchs sorgen: Riesenotter, Dikdiks und vor allem die Quolls. Eigentlich stammt der Tüpfelbeutelmarder aus Tasmanien. In ganz Europa gibt es in den Zoos kein einziges dieser Tiere, in dessen Ahnenreihe nicht ein Leipziger steht.

Auf die ersten Eier der Komodowarane haben die Pfleger allerdings zehn Jahre warten müssen. Sollten daraus kleine Urzeit-Echsen schlüpfen, es wäre eine Sensation, wie Michael Ernst erklärt.

Zehn Millionen Besucher in zehn Jahren

Sala-Thai-Häuser im Asiatischen Dorf
Die hohe Luftfeuchtigkeit macht den Bauten zu schaffen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Um dieses Stück Dschungel in der Großstadt zu erhalten, betreibt der Zoo einen enormen Aufwand: Dazu gehören eine bis ins kleinste Detail ausgeklügelte Klimatechnik, eine Beregnungsanlage, die vornehmlich nachts ergiebige Regenschauer auf Gondwana niedergehen lässt oder eine hocheffiziente Filteranlage, die die künstlichen Flussläufe klärt. 69 Millionen Euro wurden in das Unternehmen Gondwanaland gesteckt. Bis zu 12.000 Euro kostet der Unterhalt täglich. Zoodirektor Jörg Junhold zieht die Bilanz, dass sich all die Invesitionen lohnen.

Durchs Gondwanaland sind in den zehn Jahren etwa zehn Millionen Besucherinnen und Besucher gegangen. Der Leipziger Zoo ist mit diesem neuen Magneten überregional sichtbar geblieben.

Jörg Junhold Direktor Zoo Leipzig

Immer was zu tun

Schäden durch Splintholzkäfer
Splintholzkäfer-Larven sorgen für zusätzliche Schäden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Erhalt bleibt eine tägliche Herausforderung. Damit der Leipziger Dschungel gedeiht, herrschen durchweg um die 26 Grad. Die Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 60 bis 80 Prozent, was die Bauten angreift, wie an den Dächern der Sala-Thai-Häuser im Asiatischen Dorf sichtbar wird.

Und noch etwas bereitet Bauleiter Johannes Becker Sorgen: der Splintholzkäfer, dessen Larven das Holz von innen zerstören, teilweise bis in die Stützkonstruktion, ohne dass es von außen sichtbar ist: "Wir verfolgen ihn und tauschen aus, rechtzeitig, er wird aber immer da sein."

Systemrelevant

Während andere Schädlinge einfach gefressen werden, scheint am Splintholzkäfer keiner im Gondwanaland Geschmack zu finden. "Ich sehe das sportlich. Mal sehen, wer besser ist", sagt Michael Ernst. Er hat ja betont, dass nicht nur die großen Berühmtheiten das Gondwanaland ausmachen. Im Guten wie im Schlechten. Beim Erzählen über die eher verborgenen Schätze kommt er nicht umhin zu bemerken, dass es der weltweiten Frosch-Population aufgrund eines aggressiven Pilzes wirklich "beschissen" gehe.

Frösche sind nicht die Hauptdarsteller im Gondwanaland, hier und in der Natur spielen sie eine riesige Rolle als Schädlingsvertilger und Nahrungsgrundlage. Wenn solche Arten verschwinden, dann bricht ganz schnell das Ökosystem zusammen. Nicht, weil der große Panda stirbt, sondern ein kleiner Frosch!

Michael Ernst Bereichsleiter Gondwanaland

Deswegen macht Michael Ernst weiter gern mal die Nacht zum Tag; für die Winkerfrösche, Baumsteiger – oder Tomatenfrösche. Schließlich sind sie systemrelevant.

Programmtipp

Eingang zum Leipziger Zoo
Eingang zum Leipziger Zoo Bildrechte: MDR/Axel Berger
MDR FERNSEHEN Di, 13.04.2021 21:00 21:45
  • Stereo
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  • 16:9 Format
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MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Fr 09.04.2021 06:50Uhr 02:08 min

https://www.mdr.de/sachsenradio/audio-1710086.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke wo du lebst | 13. April 2021 | 21:00 Uhr

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