Bergsport Deutscher Alpenverein will Berg bei Böhlitz kaufen

Die Hohburger Berge mit ihren Steinbrüchen sind seit Jahren ein beliebtes Klettergebiet im nördlichen Teil des Landkreises Leipzig. Vor allem der Holzberg mit seinem artenreichen Felsbiotop ist für Bergsportler nicht nur aus Mitteldeutschland ein beliebtes Ziel. Doch immer wieder gibt es Probleme mit dem Eigentümer. Mal wurde das Klettern untersagt und die Nutzungsrechte gekündigt, mal wurde dem Eigentümer vorgeworfen, illegal Wasser aus dem Biotop zu pumpen. Nun scheint die Causa Holzberg ein glückliches Ende zu finden. Der Deutsche Alpenverein will den Steinbruch kaufen.

Ein Steinbruch
Im Holzberg-Areal hat sich trotz Bergsport eine große Artenvielfalt entwickelt. Knapp 260 Pflanzen- und Tierarten haben sich dort angesiedelt. Auch bedrohte Arten wie die Mopsfledermaus, Mehlschwalbe oder Knoblauchkröte wohnen mittlerweile in dem ehemaligen Steinbruch. Bildrechte: DAV Sektion Leipzig/ Manuel Osburg

Der Deutsche Alpenverein (DAV) will im Landkreis Leipzig den Holzberg, einen Steinbruch in den Hohburger Bergen, kaufen. Es wäre das erste Felsbiotop in Sachsen, das die Alpinisten zum Zwecke des Umweltschutzes bzw. des naturverträglichen Bergsports erwerben wollen. Um den Kauf zu finanzieren, hat sich die Sektion Leipzig des DAV bei der von Sachsen ausgerufenen Mehrwert-Initiative "Nachhaltig aus der Krise" beworben. Nun kam der Bescheid aus Dresden. Das Projekt "Natur- und Bergsportregion Holzberg" wurde aus über 690 Anträgen ausgewählt.

DAV Leipzig erhält knapp eine halbe Million Euro

Toni Werner, erster Vorsitzender der Sektion Leipzig des Deutschen Alpenvereins, kann es noch gar nicht fassen. Für das Projekt am Holzberg und dem Nachbarsteinbruch Köppelschen Berg wurden knapp 500.000 Euro aus dem Topf der Mehrwert-Initiative beantragt, erzählt er im Gespräch mit MDR SACHSEN. Davon wurden 90 Prozent bewilligt. Die restlichen zehn Prozent müssen aus Eigenmitteln gestemmt werden.

Mit dem Geld wollen die Leipziger Alpinisten, zusammen mit der Bürgerinitiative Böhlitz und der BUND-Ortsgruppe Böhlitz, dem jetzigen Eigentümer, der Kafril Gruppe, ein Kaufangebot unterbreiten. Das Ziel: Das gut 50 Hektar große Areal soll sanft weiterentwickelt und die Artenvielfalt dort geschützt werden.

50 Hektar sanfter Tourismus und Naturschutz

Geplant sind laut Werner zahlreiche Teilprojekte, die sanften Tourismus mit Naturschutz vereinen.

Wir sprechen bewusst von entwickeln und nicht nur schützen. Wir wollen das Areal zugänglich machen über Bildungsmaßnahmen, über Lehrpfade.

Toni Werner DAV Sektion Leipzig

Das Areal soll also nicht nur für die Bergsportler, sondern allen Interessierten zugänglich gemacht werden. Und die Natur dort ist gewaltig. In den letzten Jahren haben sich in dem ehemaligen Steinbruch über 250 Tier- und Pflanzenarten angesiedelt. Uhu, Mehlschwalbe, Mopsfledermaus und Knoblauchkröte fühlen sich wohl, während in der Wand des Steinbruchs geklettert wird. Der Holzberg gilt als einer der artenreichsten Plätze in der gesamten Leipziger Region.

Ein Steinbruch
Die Sektion Leipzig des DAV hat knapp 5.000 Mitglieder. Wenn alles klappt, sind diese bald Besitzer des Holzberges. Bildrechte: DAV Sektion Leipzig/ Manuel Osburg

Um der Nachhaltigkeit gerecht zu werden, seien keine Neubauten geplant, erklärt Werner. Vielmehr setze man auf Kooperation mit Partnern aus der Region. Regionale Vernetzung lautet da das Zauberwort. Voraussetzung, um Gelder aus der Mehrwert-Initiative zu bekommen. Toni Werner kann sich unter anderem Kooperationen mit Jugendherbergen oder Zeltplätzen in der Region vorstellen.

Das finden wir unheimlich wichtig in der Nachhaltigkeit: erstmal das Vorhandene effektiv nutzen.

Toni Werner DAV-Sektion Leipzig

Thallwitzs Bürgermeister Thomas Pöge, zu dessen Gemeindegebiet der Holzberg in Böhlitz gehört, habe ebenfalls Unterstützung signalisiert, erzählt Werner. Seien es finanzielle Mittel aus der Gemeinde oder die Hilfe bei der Suche nach weiteren Fördermöglichkeiten. Bis Oktober kommenden Jahres muss das Projekt angefangen und die finanziellen Mittel abgerufen werden. Sonst verfallen sie.

Ein Steinbruch aus verschiedenen Blickrichtungen.
Aktuell dürfen nur Mitglieder des Deutschen Alpenvereins und der IG Klettern am Holzberg den Klettersport ausüben. Bildrechte: Olaf Rieck

Zeitnah Gespräche geplant

Doch bevor das Projekt losgehen kann, muss das Holzberg-Areal den Besitzer wechseln. Wie das Umweltministerium auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, ist der Kauf des Grundstückes wesentlicher Bestandteil des Projektes und Förderinhalt. Heißt, ohne Kaufmöglichkeit gibt es auch kein Geld von der Sächsischen Aufbaubank.

Der jetzige Besitzer, die Kafril Gruppe, weiß um das Vorhaben der Leipziger Sektion. So wurde bereits die Bereitschaft signalisiert, den Holzberg zu verkaufen. Allerdings unter bestimmten Voraussetzungen. Neben der noch unbekannten Kaufsumme soll ein alternativer Standort für anfallenden Erdaushub von Baustellen mit angeboten werden. Schon seit Monaten suchen die Alpinisten nach geeigneten Flächen. Mit dem Steinbruch Zinkenberg, knapp vier Kilometer südlich vom Holzberg gelegen, gebe es eine perfekte Alternative, die nah am Standort von Kafril liege und auch zeitnah verfüllt werden könnte, erzählt Werner. Die Crux: Dieser Steinbruch gehört der Basalt AG und noch ist rechtlich nicht ganz klar, ob dort mit Baustellen-Aushub verfüllt werden darf.

Das ist jetzt die Herausforderung. Die Firma Kafril und die Basalt AG an einen Tisch und unter einen Hut zu bringen.

Toni Werner DAV Sektion Leipzig

Einen Trumpf haben die Bergsportler noch. Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte sich vor Monaten als Moderator für die Verhandlungen zwischen den Alpinisten und den beiden Bauunternehmen ins Spiel gebracht. In einem offenen Brief wollen sie ihn nun daran erinnern, denn die Gespräche sollen noch im August geführt werden.

Ein Steinbruch
Über 130 Routen bietet der Holzberg. Geeignet sind diese sowohl für Anfänger als auch für Profis. Bildrechte: DAV Sektion Leipzig/ Manuel Osburg

Mehrwert-Initiative "Nachhaltig aus der Krise" Ist ein Konjunkturprogramm des Sächsischen Staatsministeriums für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft und wird aus Mitteln des Corona-Bewältigungsfonds finanziert. Insgesamt stehen 26,5 Millionen Euro dafür zur Verfügung. Ziel der Initiative ist es, einen Mehrwert für Sachsen zu schaffen. Die Wirtschaft zu stärken, Arbeitsplätze zu sichern und gleichzeitig Ressourcen, Umwelt und Klima zu schonen. Gesucht wurden bei der ersten Ausschreibung Projekte, welche insbesondere die nachhaltige Land-, Forst und Fischereiwirtschaft stärken, Klimafolgen bewältigen oder in die zukunftsfähige Energieversorgung investieren. Quelle: Sächsisches Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 14. Juli 2021 | 14:30 Uhr

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