Fotoausstellung Gerhard Webers Bilderschatz aus der Provinz ganz groß in Grimma

Viele Menschen haben ihre Familienfotos noch fein säuberlich in Alben aufbewahrt. Bei Feiern werden sie herausgeholt, um gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen. In Grimma hängen solche Fotos jetzt an einer langen Mauer, damit sie jeder bewundern kann. Gefertigt hat sie der Fotograf Gerhard Weber. Seit mehr als 60 Jahren dokumentiert der Grimmaer vor allem das Leben auf den Dörfern rings um seine Heimatstadt und bei Leipzig.

Ein Radfahrer betrachtet ausgestellte Fotos von Muldehochwasser im Jahr 2002 von Gerhard Weber
Gerhard Webers großformatige Fotos regen zum Nachdenken an - aber auch zum Schmunzeln und Erinnern an Menschen und deren Hoffnungen. Bildrechte: dpa

Immer wieder bleiben Menschen an der langen Mauer am Polizeigebäude in Grimma stehen. Ihre Blicke richten sich auf Schwarz-Weiß-Fotos im großen Format. Zu sehen sind überwiegend Milieu-Porträts von Frauen, Männern und Familien auf dem Land. Sie zeigen die Menschen bei der Arbeit, in ihrer Freizeit und dort, wo sie zu Hause sind. Sofort fällt dem Betrachter auf, dass diese Fotos nicht gestellt sind. Sie wirken ehrlich und ungeschminkt und berührend. Die Fotos stammen aus den Jahren 1960 bis 2020.

Gerhard Weber
Bildrechte: dpa

Im Alltagsmoment hat man das wahre Leben der Menschen. Ich wollte die Menschen so fotografieren, wie sie zu Hause sind, ganz natürlich, ganz normal.

Gerhard Weber Fotograf

Egal, ob beim gemeinsamen Biertrinken auf der Wiese, während der Ernte auf dem Salatfeld oder beim gemeinsamen Frühsport im volkseigenen Betrieb: Zu sehen sind Bilder, die von den großen Problemen und kleinen Freuden des Lebens berichten. Der Mensch steht beim Grimmaer Fotografen Gerhard Weber immer im Mittelpunkt.

Empathie für sein Gegenüber

Weber lässt den Menschen in all ihrem harten Alltag Würde und Stolz. Er zeigt, dass er sein Handwerk beherrscht. Von seinen Kollegen wird er achtungsvoll der "Provinzfotograf" genannt. Fans nennen ihn liebevoll den "Fotografen vom Land". Der Grimmaer war vor 1989 viele Jahre lang als Pressefotograf für die Leipziger Volkszeitung unterwegs. Neben den Pressebildern machte Gerhard Weber unzählige freie Aufnahmen, auf denen er einen nüchternen und ungeschönten Einblick in das Leben der Menschen in der DDR gewährte. 

Gerhard Weber Fotoausstellung in Grimma
Der Grimmaer Kunst- und Fotoverein zeigt ausgewählte Werke von Gerhard Weber im Rahmen einer Freilichtausstellung mitten in der Stadt. Bildrechte: MDR/Alexandra Heine

Besonders beeindruckt war er damals von den Frauen in der DDR, von ihrem Leben und der Arbeit in der damals sozialistischen Landwirtschaft und in den Volkseigenen Betrieben (VEB). Webers Bilder gehören zu den wichtigsten Zeitzeugen des Lebens im kleinstädtischen Raum der DDR, schreiben die Organisatoren in der Ausstellungsankündigung. Aber auch nach dem Mauerfall blieb Weber den Menschen und seiner Gegend treu.

Gerhard Weber Fotoausstellung in Grimma
Zu sehen sind Fotografien von 1960-2020. Bildrechte: MDR/Alexandra Heine

Die Freilicht-Fotoausstellung am Grimmaer Floßplatz ist rings um das Polizeirevier noch bis Oktober zu sehen.

Quelle: MDR/jc/kk

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