Kalenderblatt Vor 15 Jahren brach die Vogelgrippe in Sachsen aus

Jan Bräuer
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Ein Dorf in Westsachsen ist durch den ersten Vogelgrippe-Fall bei deutschen Nutztieren zu trauriger Berühmtheit gelangt. Im April 2006 traten in Wermsdorf die ersten Fälle auf. Einwohner und Bekannte des betroffenen Züchters sagen, dass es gerade hier nicht hätte passieren dürfen und fürchten die wirtschaftlichen Folgen.

Hühner hinter einem Maschendrahtzaun
Im April 2006 erlangte das sächsische Dorf Wermsdorf traurige Berühmtheit, da hier die Vogelgrippe auf einem Geflügelhof ausbrach. Bildrechte: imago/Christian Schroth

Es ist ein Anblick, den Andreas Sachse niemals vergessen wird: "Als wir in den Stall gekommen sind und die toten Tiere gesehen haben. Das ist ein niederschmetternder Anblick."

Vogelgrippe führt Wermsdorf zu trauriger Berühmtheit

2006 war Sachse Leiter des Geflügelhofs im sächsischen Wermsdorf. Sein Betrieb kommt zu trauriger Berühmtheit in diesen April-Tagen. Denn ein Virus hat sich eingeschlichen, das Angst und Schrecken verbreitet: H5N1 – die Vogelgrippe.

Die Menschen rund um Wermsdorf sind ungläubig: Es sei bedrückend, wenn sowas in der Nähe stattfinde, aber man solle die Leute auch nicht verrückt machen. "Wir hatten früher doch auch die Schweinepest. Ich glaube, die Vogelgrippe gab es schon früher", sagten Anwohner damals.

Erste Fälle an Nord- und Ostsee

Offiziell ist die Vogelgrippe seit Februar 2006 in Deutschland. Zunächst im Norden. An Nord- und Ostsee werden tote Schwäne und Enten gefunden. Untersuchungen am Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riem weisen das Virus nach: den Asientyp, der ansteckend und tödlich ist.

Auch das Überspringen des Virus auf den Menschen wird nicht ausgeschlossen und so keimt die Angst vor einer Pandemie auf. Deshalb entstehen Sperrgebiete rund um jeden Fund, und die Nutztiere müssen im Stall bleiben.

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Vielversprechende Versuche mit Tabakpflanzen in Gatersleben

MDR AKTUELL Do 21.03.2019 10:48Uhr 03:07 min

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Notschlachtungen und Sperrbezirk in Wermsdorf

Doch das Virus wandert weiter und ist plötzlich in Wermsdorf. Dort beginnt es mit einigen toten Truthühnern im Stall. Auch sie werden vom Friedrich-Löffler-Institut untersucht und auch hier lautet die Diagnose H5N1.

Der gesamte Tierbestand muss gekeult werden: 16.000 Puten, Gänse und Hühner. Zudem wird ein Gelände im Umkreis von drei Kilometern um den Tierhof zum Sperrbezirk erklärt.

Es gibt Polizeikontrollen auf den Zufahrtsstraßen. Die Beamten erfragen, ob Geflügel oder Geflügelprodukte an Bord sind, und es darf auch nichts raus aus dem Sperrbezirk.

RKI erarbeitet Pandemie-Plan

Auch die Politik beobachtet das Geschehen in Wermsdorf. In Berlin äußert sich sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Ich kann nur sagen, dass die Konsequenz sein muss, dass wir uns an dieser Stelle strikt an die Vorgaben der EU halten müssen, um eine Weiterverbreitung des Virus zu verhindern."

Bund und Länder denken noch weiter und erstellen einen Pandemie-Plan unter Federführung des Robert Koch-Instituts. Dessen Leiter war damals der Virologe Reinhard Kurth. Er plädierte dafür, dass Patienten, wenn sie denn kämen, zu Hause statt im Krankenhaus behandelt werden sollten, um die Krankenhaus-Kapazitäten zu schonen. Außerdem sollte "jede Stadt und jeder Landkreis wissen, welche Krankenhäuser aufnahmebereit sind und öffentliche Veranstaltungen stark eingeschränkt und zurückgefahren werden".

Sommer 2006 kehrt wieder Ruhe ein

Der Plan bleibt in der Schublade, denn das Virus springt nicht auf den Menschen über. Die Vogelgrippe grassiert aber noch bis Sommer 2006 in Deutschland. Dann kehrt Ruhe ein und eine Bilanz kann gezogen werden. Neben den Tieren in Wermsdorf sterben an H5N1 im Jahr 2006 noch 344 Wildvögel sowie ein Steinmarder und drei streunende Katzen.

Die Vogelgrippe Die Vogelgrippe, auch Geflügelpest, ist eine grippale Erkrankung bei Vögeln. Sie befällt vor allem Hühner, Puten, Enten und Gänse, aber auch wildlebende Wasservögel. Die Krankheit ist für Vögel tödlich.

Es gibt verschiedene Formen der Vogelgrippe, je nachdem wie ansteckend die Krankheit ist. Die meisten Varianten sind für den Menschen unbedenklich, einige können aber gefährlich werden. Dazu gehört u.a. die Vogelgrippe, die durch das Virus H5N1 ausgelöst wird.

H5N1 kam zu ersten Mal 1997 in Hongkong vor. Um die Krankheit zu bekämpfen, wurden insgesamt 1,5 Millionen Hühner getötet. Ab 2003 waren dann China und Indonesien im größeren Ausmaß von diesem besonderen Grippe-Virus betroffen. Mehr als 400 Menschen starben.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 05. April 2021 | 06:52 Uhr

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