Hörer machen Programm Gemeinschaftliche Wohnprojekte: Wenn viele miteinander bauen

Grundstückspreise und Eigentumswohnungen werden in Leipzig immer teurer. Die Stadt steuert mit sogenannten Konzeptvergaben gegen. Leipzig vergibt Grundstücke teilweise an Bau- und Wohnprojekte. MDR AKTUELL-Hörer Manuel Berger fragt sich, wie das funktioniert und wer die Konzeptvergabe finanziert?

Bagger auf Baustelle
In Leipzig wurden schon neun Hausprojekte von der Stadt gefördert, die nun auf den entsprechenden Grundstücken bauen können. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Baustellenbegehung im Leipziger Westen: Annett Slaby und Marcus Herget schauen sich die Fortschritte an, die ihr Hausbau macht. Noch ist nicht allzu viel zu sehen, aber es geht voran. "Die haben erst mal angefangen, den Aushub zu machen und Zisternen reinzulegen. Hier liegt eine große Regenwasserzisterne und dann wurde hier hinten weitergegraben", erzählen die Hausbauer.

Knapp 500 Quadratmeter für Wohngemeinschaft

Bau im Leipziger Westen für Wohngemeinschaft Klinge10
Im Leipziger Westen wird fleißig gebaut – 2023 soll alles fertig sein. Bildrechte: Ronny Arnold

Seit vier Jahren schon plant die Wohngemeinschaft der Klinge10, so der Name des Hausprojekts, diesen Bau. Bekommen haben sie das Grundstück Ende 2017 von der Stadt Leipzig – nicht geschenkt, auch nicht verkauft, sondern für 99 Jahre über einen Erbpachtvertrag. Etwa 3.400 Euro müssen sie nun pro Jahr an die Stadt zahlen.

Bekommen hätten sie dafür diese knapp 500 Quadratmeter, sagt Marcus Herget, weil die Stadt ihr kreatives Konzept gut fand. Laut ihm sind städtische, unbebaute Grundstücke, die nicht mehr zum Höchstpreis auf dem Markt verkauft werden, an ein Konzept gebunden: "Man muss verschiedene inhaltliche Angaben zur Art des Gebäudes machen. Außerdem sich als Gruppe zusammenfinden und alles niederschreiben. Das Konzept wird eingereicht und dann von einer Jury bewertet."

12 Erwachsene und 15 Kinder werden hier einziehen. Im Frühjahr 2023 soll es so weit sein. Das Projekt hat wenig von klassischen Eigentumswohnungen, wie sie in Leipzig mittlerweile zumeist teuer gebaut und verkauft werden. In der Klinge10 gehe es vielmehr darum, solidarisch zusammenzuleben, mit vielen Gemeinschaftsräumen – ökologisch und nachhaltig.

Spannungen auf dem Leipziger Wohnungsmarkt

Mit diesem Entwurf konnten sie bei der Stadt punkten. Nach der Vergabe ging die eigentliche Arbeit erst richtig los – doch die habe sich gelohnt, meint Anett Slaby. "Das wird richtig gut und es ist nötig, so etwas zu machen, weil wohnungspolitisch geht es gerade voll ab. Hier in Leipzig Wohnungen zu finden, die auch konstant bezahlbar sind und wo man sicher sein kann, dass man da in 15 Jahren noch okay drinnen wohnen kann, das ist keine Selbstverständlichkeit mehr."

Etwa zwei Millionen Euro wird der Hausbau kosten. 1,5 Millionen kommen von der Bank, der Rest über viele kleine Direktkredite, die die Gemeinschaft bis heute einwirbt.

Weitere Grundstücke ausgeschrieben

Genau für solche Hausprojekte habe die Stadt Leipzig 2015 ein wohnungspolitisches Konzept beschlossen, sagt Heike Will vom Leipziger Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung. Dort stehe unter anderem drin, dass die Stadt Leipzig bezahlbaren Wohnraum schaffen möchte: "Und das ist eine Form des bezahlbaren Wohnraums: Der kooperative Ansatz, eben nicht zum Höchstpreis zu veräußern, sondern nach Konzept. Es gibt einen angespannten Wohnungsmarkt und dem versucht man entgegenzuwirken mit solchen Angeboten", sagt Will.

Insgesamt neun Leipziger Hausprojekte konnten so schon gefördert werden, bei sieben sind die Vertragsverhandlungen allerdings noch nicht abgeschlossen. Zehn weitere Grundstücke sind bereits ausgeschrieben – die Bewerbungsfrist endet im Mai.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Januar 2022 | 06:27 Uhr

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