Welt-Aids-Tag Aidshilfe Leipzig befürchtet Versorgungslücken

Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Zum 32. Mal. Auch HIV ist ein Virus. Doch viele Infizierte fühlen sich im Corona-Pandemie-Alltag vergessen. Die Deutsche Aidshilfe warnt gar vor Versorgungslücken.

Blaue Pille mit Schriftzug PREP
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Die Beratungsstelle der Aidshilfe Leipzig ist in diesem Jahr gut besucht und hat deutlich mehr zu tun als in anderen Jahren. Das liege nicht daran, dass die Zahl der HIV-Infizierten so stark steigt, das liege an der Corona-Pandemie, sagt Mitarbeiterin Sandra Bischoff.

Unfreiwillige Amtshilfe

Viele Menschen mit HIV haben befristete Beschäftigungsverhältnisse, sind in Zeitarbeitsfirmen angestellt oder geringfügig beschäftigt. Sie sind von dem Lockdown im Frühjahr und jetzt wieder besonders betroffen. Wichtige Anlaufstellen in den Arbeitsagenturen haben jedoch ihre direkten Beratungen und Hilfen derzeit sehr eingeschränkt. Nun berate die Aidshilfe Leipzig nicht nur zu gesundheitlichen Fragen, sondern übernehme auch noch die Arbeit anderer Ämter, ist Sozialarbeiterin Sandra Bischoff verärgert.

Einsame werden noch einsamer

War die Aidshilfe vor Corona auch verlässliche Anlaufstelle, sich in Gruppen zu treffen und auszutauschen, gibt es nun nur noch Einzelgespräche und Einzelberatungen. Ohnehin schon Isolierte würden so nun noch mehr vereinsamen, so Sandra Bischoff, weil es keine Treffen mehr gibt.

Gesundheitsamt Leipzig kapituliert

Normalerweise ist die Beratungsstelle der Aidshilfe Leipzig nicht die einzige Anlaufstelle in der Stadt, für Ratsuchende. Ein ganz wichtiger Anker in der Prävention und Früherkennung ist auch das Gesundheitsamt der Stadt. Die Beratungsstelle für sexuell übertragbare Infektionen und AIDS ist jedoch derzeit geschlossen – coronabedingt, wie es heißt. Das aber hat schwerwiegende Folgen. Einen anonymen Aidstest, der bereits sechs Wochen nach einer vermuteten Ansteckung verlässlich Auskunft gibt, gibt es nämlich nur dort. Zwar bietet auch die Aidshilfe anonyme Selbst-Tests. Diese funktionieren aber erst, wenn die mögliche Ansteckung mindestens ein viertel Jahr zurückliegt. Und Tests bei Ärzten sind nicht anonym.

Wichtige Medikamente fehlen

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Durch Reisebeschränkungen und Quarantäneauflagen während der Pandemie sind auch zahlreiche HIV-Infizierte ohne deutsche Krankenversicherung hier gestrandet. Meist seien davon Studenten, Künstler und andere Beschäftigte der Veranstaltungsbranche aus anderen Ländern betroffen, sagt Sandra Bischoff. Sie würden sich bei regelmäßigen Reisen in ihre Heimat mit den dringend notwendigen Medikamenten zur Unterdrückung der chronischen Infektion ausstatten. Fehlt das tägliche Medikament, kann die Krankheit ausbrechen. Ein Zustand, der unhaltbar sei, so die Sozialarbeiterin.

Aufklärung ruht - Infektionen steigen

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Deutschlandweit und auch in Sachsen steigt die Zahl der HIV-Infizierten seit den 2000er Jahren an. Aktuell leben nach Schätzungen des Robert-Koch-Institutes etwa 3.000 Menschen mit HIV in Sachsen. 2019 haben sich etwa 150 neu angesteckt.
Das Robert-Koch-Institut schreibt dazu: "Dieser leichte Anstieg der Infektionszahlen zeigt, dass weitere Anstrengungen notwendig sind, insbesondere um die Testangebote zu verbessern und den Zugang zur Therapie für alle in Deutschland mit HIV lebenden Menschen zu gewährleisten".
Die Aidshilfe Leipzig geht normalerweise zu Beratungen ab Klasse 7 in die Schulen. Diese Beratung ruht ebenfalls seit einigen Wochen, weil die Schulen mit Blick auf die steigenden Coronazahlen Angebote schulfremder Institutionen gestrichen haben.

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.12.2020 | 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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