Krieg in der Ukraine Neues Ankommenszentrum für Ukraine-Geflüchtete in Leipzig vor der Eröffnung

Rund 4.200 Kriegsgeflüchtete aus der Ukraine sind bislang in den sächsischen Aufnahmeeinrichtungen angekommen. Laut der Landesdirektion Sachsen, kamen die meisten von ihnen in Leipzig unter. Seit Tagen bilden sich lange Schlangen vor dem Ankommenszentrum im Neuen Rathaus. Rund 2.500 Geflüchtete sind dort registriert worden. Doch die Einrichtung ist längst an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. Ein neues Ankommenszentrum soll die Situation verbessern.

Ankommenszentrum in der Turnhalle der Gerda-Taro-Schule.
Das Ankommenszentrum an der Gerda-Taro-Schule ist auf rund 180 Neuregistrierungen ausgerichtet. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Am Mittwoch nimmt das neue Ankommenszentrum der Stadt Leipzig in der Turnhalle der Gerda-Taro-Schule seinen Betrieb auf. Mit diesem Schritt will die Stadt die Erstaufnahme der Ukraine-Geflüchteten beschleunigen. Nach Angaben der Stadt wurde mehr Personal eingestellt. Mitarbeiter des Jobcenters und aus verschiedenen Ämtern der Verwaltung sollen jetzt mit bei der Registrierung der Neuankömmlinge helfen. Außerdem stünden dreimal so viele Arbeitsplätze wie noch im Rathaus zur Verfügung.

Ankommenszentrum in der Turnhalle der Gerda-Taro-Schule.
Der Eingangsbereich bietet überdachte Wartemöglichkeiten, die es bisher am Neuen Rathaus nicht gab. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Kostenfreie Corona-Tests

Die Stadt reagiert damit auf Kritik auf die bisherigen Zustände im Neuen Rathaus. Am neuen Standort gibt es jetzt einen deutlich größeren und auch überdachten Wartebereich, zudem eine Kinderspielecke und die Geflüchteten können sich dort kostenfrei auf Corona testen lassen. Am Neuen Rathaus mussten die Schutzsuchenden zuletzt bei Wind und Wetter stundenlang ausharren. Einige von ihnen blieben sogar über Nacht dort stehen.

Menschenschlange vor dem Rathaus zu Leipzig.
Vor dem Neuen Rathaus bildeten sich in den vergangenen Tagen lange Schlangen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Alles an einem Ort

In dem Ankommenszentrum werden die Geflüchteten registriert, stellen Anträge auf eine vorläufige Arbeitsbescheinigung, sowie beantragen Sozialleistungen wie etwa finanzielle Unterstützung. Außerdem können die Geflüchteten Beratungen durch das Amt für Jugend und Familie in Anspruch nehmen und erhalten eine Erstorientierung in der Stadt.

Wir planen mit täglich 180 Neuregistrierungen. Das Ziel ist es, alles an einem Ort zu haben, um die Dinge möglichst auf dem kurzen Dienstweg zu klären.

Ulrich Hörning Bürgermeister und Beauftragter für Allgemeine Verwaltung

Sparkasse bietet kostenfreies Konto

Da ein Großteil der ankommenden Ukrainer nicht über ein deutsches Konto verfügt, will die Leipziger Sparkasse Geflüchteten ab sofort unbürokratisch und für ein halbes Jahr kostenfrei ein Girokonto inklusive Haftpflichtversicherung anbieten. So soll vermieden werden, dass sich neue Schlangen bilden, wenn die Sozialleistung monatlich in bar abgeholt werden müssen.

Ankommenszentrum in der Turnhalle der Gerda-Taro-Schule.
Auch eine Kinderspielecke wurde im neuen Ankommenszentrum eingerichtet. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Kritik an Verwaltung

In den vergangenen Tagen war Kritik an der Erstaufnahme der Stadt Leipzig laut geworden. So war der Vorwurf zu lesen, ein Grund für die Verzögerungen bei der Anmeldung der Geflüchteten sei, dass das bisherige Ankommenszentrum im Neuen Rathaus nur bis 15:30 Uhr geöffnet war. Diese Kritik wies Bürgermeister Ulrich Hörning, Beauftragter für Allgemeine Verwaltung der Stadt Leipzig, entschieden zurück. "Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben jeden Tag bis 21 Uhr gearbeitet." Die Auszahlung von Hilfeleistungen sei zudem bereits vielfach geschehen. Auch seien die Ankommenden weder unterversorgt noch obdachlos.

Niemand muss in Leipzig hungern, niemand steht auf der Straße. In den Notschlafstellen an der Arena und am Hauptbahnhof gibt es Essensversorgung, 24 Stunden lang.

Ulrich Hörning Bürgermeister und Beauftragter für Allgemeine Verwaltung

Engagementzentrum für private Hilfe

Hörning hob die große Hilfsbereitschaft der Leipziger hervor. Die Stadt unterstütze sie mit einem eigenen Engagementzentrum im Stadtbüro. Die Einrichtung diene als Anlauf- und Koordinierungspunkt für Initiativen, die in Leipzig helfen wollen oder bereits helfen. Darüber hinaus sagte Hörning finanzielle Unterstützung aus dem Crowdfunding der "Leipzig Crowd" und den entsprechenden Fördertöpfen zu.

MDR (lt/bb)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 22. März 2022 | 16:30 Uhr

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