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Staatsanwaltschaft Leipzig bekommt Stelle für Gewalt gegen sexuelle Minderheiten

Stand: 31. Januar 2021, 07:00 Uhr

Gewalt gegen Menschen sexueller Minderheiten werden in Sachsen nur selten angezeigt. Um Betroffenen die Angst zu nehmen und Vertrauen aufzubauen, gibt es in Leipzig jetzt eine Ansprechstelle für LSBTTIQ*-Menschen. Verbände und Interessengemeinschaften begrüßen das Pilotprojekt und fordern eine Erweiterung in Sachsen.

Bildrechte: Colourbox.de

Bei der Staatsanwaltschaft in Leipzig gibt es ab Montag eine Ansprechstelle für LSBTTIQ*. Staatsanwältin Mareen Klenke soll als Ansprechperson für Menschen zur Verfügung stehen, die wegen ihrer sexuellen Identität angegriffen wurden. Die Stelle ist die erste dieser Art bei einer Staatsanwaltschaft in Sachsen. Bisher gab es eine zentrale Ansprechstelle für LSBTTIQ* bei der sächsischen Landespolizei.

Betroffene betreuen und ermutigen

Mareen Klenke soll Betroffene betreuen, Fragen zu Strafverfahren beantworten und Hilfesuchende an die zuständige Ermittlungsbehörde der Polizeidirektion Leipzig vermitteln. Darüber hinaus sollen Betroffene auch ermutigt werden, Anzeige zu erstatten. "Nur jeder 20. Übergriff soll einer Berliner Studie zufolge angezeigt worden sein", erklärte Klenke MDR SACHSEN. Gründe dafür seine neben mangelndem Vertrauen gegenüber den Behörden auch Angst.

Wo kann ich mich als Opfer von Hasskriminalität hinwenden?Betroffene sowie Zeuginnen und Zeugen vorurteilsmotivierter Hasskriminalität gegen LSBTTIQ* können sich telefonisch unter der Nummer 0341 2136 183 oder per E-Mail unter der Adresse gemeinsam-gegen-hass@stal.justiz.sachsen.de direkt und persönlich an die Ansprechperson der Staatsanwaltschaft Leipzig wenden.

Nur wenige Anzeigen in Sachsen

Auch die Anzeigebereitschaft in Sachsen ist laut einer Studie der Landesarbeitsgemeinschaft Queeres Netzwerk Sachsen e.V. sehr gering. Von 267 Betroffenen zeigten nur 30 Personen einen oder mehrere Fälle an. Nur 72 der 1.672 Taten sind demnach bei der Polizei bekannt. Das sind 4,3 Prozent. Nur wenn sich Betroffene sowie Zeuginnen und Zeugen an die Polizei oder Staatsanwaltschaft wenden, können Straftaten aufgeklärt werden, so Klenke. Gegenwärtig gebe es bei der Staatsanwaltschaft in Leipzig nur wenige Fälle.

LSBTTIQ* - Was ist das?LSBTTIQ* steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgeschlechtliche, Transgender, Intersexuelle und queere Menschen - der Stern berücksichtigt Menschen, die sich nicht ausschließlich auf einen der Begriffe festlegen lassen möchten.

"Meilenstein in Sachsen"

Klenke soll aber nicht nur Strafanzeigen aufnehmen, sondern auch mit Vereinen und Interessenvertretungen zusammenarbeiten. Neben dem RosaLinde Leipzig e.V. und dem RAA Leipzig zählt auch die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Queeres Netzwerk Sachsen dazu. Sprecher Martin Wunderlich begrüßte die Einführung der Ansprechstelle: "Dass ab sofort eine Staatsanwältin als Ansprechperson in Leipzig für queere Menschen zur Verfügung steht, ist ein Riesenerfolg und ein absoluter Meilenstein in Sachsen", sagt er MDR SACHSEN.

Vertrauen aufbauen

Auch Vera Ohlendorf von der LAG freut sich über das Pilotprojekt in Leipzig. "Damit bekommt das Thema Hasskriminalität die Aufmerksamkeit, die sie verdient", erklärt Ohlendorf MDR SACHSEN. Zudem hofft sie, dass durch die Ansprechstelle die Anzeigebereitschaft erhöht wird. Schnellen Erfolge erwarte sie jedoch nicht. "Das Vertrauen muss langsam aufgebaut werden", so Ohlendorf.

Wissen an Polizei und Staatsanwaltschaft vermitteln

Auch bei der Polizei sieht die LAG weiterhin Handlungsbedarf. Aus diesem Grund will das Netzwerk Wissen über die Lebenswirklichkeit von LSBTTIQ*-Menschen an Polizei und Staatsanwaltschaft vermitteln. "Weiterbildungsformate sind geplant. Wir hoffen, dass das Thema sexuelle Vielfalt und Hasskriminalität generell bei den Aus- und Weiterbildungen bei der Polizei stärker berücksichtigt wird", so Ohlendorf. Zudem sei es notwendig, die zentrale Ansprechstelle bei der Landespolizei auszubauen, ergänzt Sabine Schanzmann-Wey vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Sachsen. Auch die polizeilichen Erfassungsmethoden zu LSBTTIQ*-feindlicher Hasskriminalität müssten verbessert werden, "um endlich verlässliche Zahlen über das Ausmaß zu bekommen", so Schanzmann-Wey weiter.

Pilotprojekt auf ganz Sachsen ausweiten

Auf politischer Ebene will sich die LAG dafür einsetzen, dass das Pilotprojekt in Leipzig auch auf alle anderen Staatsanwaltschaft in Leipzig erweitert wird. Auch der LSVD Sachsen schließt sich dieser Forderung an. In Städten wie Dresden, Chemnitz oder Zwickau müssten ebenfalls Ansprechpersonen benannt werden, fordert der Verband.

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Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSENMDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.01.2021 | 16:20 Uhr

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