Schutzsuchende als Lebensretter Johanniter bilden Geflüchtete zu Sanitätern aus

Seit zwei Jahren bildet die Johanniter Unfallhilfe in Leipzig Geflüchtete und Menschen mit migrantischem Hintergrund zu Rettungssanitätern aus. Während der erste Jahrgang bereits Menschen in Not rettet, sitzt der zweite noch auf der Schulbank. MDR SACHSEN hat mit zwei von ihnen gesprochen.

Ausbildung Geflüchtete Rettungssanitäter Joahnniter Leipzig
Khalil Salimi absolviert bei den Johannitern in Leipzig die Ausbildung zum Rettungssanitäter. Bildrechte: Johanniter-Akademie Mitteldeutschland

In der Pragerstraße in Leipzig bildet die Johanniter Unfallhilfe Geflüchtete zu Rettungssanitätern aus. Zwei von ihnen sind Muntaser Khudor Fallaha aus Syrien und Khalil Salimi aus Iran. Die beiden Männer sind aus ihrer Heimat geflüchtet und haben sich entschieden, Menschen in Not zu helfen.

"Menschen zu helfen bedeutet mir viel"

Beim 34-jährigen Fallaha liegt die Neigung zu medizinischen Berufen in der Familie. "Einer meiner Brüder ist Chirurg, ein anderer Apotheker", erzählt er im Gespräch mit MDR SACHSEN. Er selbst habe in Syrien englische Literatur studiert. In Deutschland habe er bereits eine Ausbildung zum Krankenpfleger begonnen und im Krankenhaus gearbeitet. "Menschen zu helfen, bedeutet mir viel", betont er.

Salimis Motivation, Rettungssanitäter zu werden, beruht auf einer Erfahrung in seiner Heimat. "Im Iran hatte ich einen Freund, der wegen der schlechten ersten Hilfe nach einem Unfall vier Jahre nicht richtig laufen konnte", erzählt Salimi, der seit vier Jahren in Deutschland wohnt.

Ausbildung Geflüchtete Rettungssanitäter Joahnniter Leipzig
Muntaser Khudor Fallaha ist aus Syrien geflohen und möchte jetzt Menschen in Not helfen. Bildrechte: Johanniter-Akademie Mitteldeutschland

Fachkräftemangel und ein Sprachvorteil

Auf die Idee, die Kurse anzubieten, kamen die Johanniter aus mehreren Gründen, erklärt Jana Goldberg. "Wir haben damals überlegt, was wir tun können, um Geflüchteten die Möglichkeit zu geben, wieder zu arbeiten", erklärt die Leiterin des Fachbereichs Internationale Bildung und Integration.

Zudem werde durch den Fachkräftemangel immer Personal gesucht, ergänzt sie. Die Versorgungslage in Leipzig sei im Moment nicht optimal. Die geplanten Rettungswachen, die entstehen sollen, müssten auch besetzt werden. "Und es ist ein unglaublicher Vorteil, wenn ein Muttersprachler beispielsweise mit auf der Eisenbahnstraße im Einsatz ist", fügt Goldberg hinzu.

Der Schriftzug "Die Johanniter" steht in der Rudi-Dutschke-Straße an einem Fahrzeug.
In Leipzig bilden die Johanniter seit zwei Jahren Geflüchtete zu Rettungssanitätern aus. Bildrechte: dpa

Soziale Kompetenz und stabiles Umfeld

Dass die Geflüchteten eine Bereicherung sind, kann auch Ausbilder Dominik bestätigen. Der 38-Jährige ist seit zwölf Jahren als Sanitäter tätig und weiß, was die Auszubildenden mitbringen müssen. "Engagement ist wichtig und der Wille, mit Menschen zu arbeiten", sagt der Dozent. Hinzu komme die Fähigkeit, sich in Menschen hineinversetzten zu können. "Wir fahren keine Küchenutensilien rum, wir arbeiten mit Menschen", betont Dominik.

Neben den sozialen Kompetenzen sei auch ein stabiles soziales Umfeld wichtig. "Wenn der Rettungswagen gerufen wird, sind wir nicht auf der Sonnenseite des Lebens unterwegs. Wir werden mit viel sozialem Elend konfrontiert. Darüber mit Freunden oder der Familie zu reden ist wichtig", meint Dominik.

Auf das, was auf Fallaha und Salimi zukommt, scheinen beide vorbereitet zu sein. "Am Anfang soll es schwer sein. Aber danach gewöhnt man sich daran, hat mir ein befreundeter Sanitäter gesagt", sagt Khalil, der im Iran bei einem Unfall schon viele tote Menschen gesehen hat. "Ich konnte vier Tage nicht schlafen."

Ein Ausbilder und eine Schülerin knieen neben einer Puppe und üben Wiederbelebung
Leben retten: Die Auszubildenden lernen, wie sie Menschen in Not helfen können. Bildrechte: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Landesverband Sachsen

Zwei Module und ein Deutschkurs

Doch bevor beide eingesetzt werden können, müssen sie die zwei Module der neunmonatigen Ausbildung absolvieren. Der erste Teil ist Theorie. Heute steht Einsatzorganisation auf dem Programm. Danach schließt sich ein Praktikum im Krankenhaus und auf einer Rettungswache an. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit einer Prüfung.

Zusätzlich wird den Teilnehmenden auch ein Deutschkurs angeboten. Sprachbarrieren gebe es aber kaum welche, meint Ausbilder Dominik. Auch Fallaha und Salimi verstehen eigenen Angaben zufolge den sächsischen Dialekt. Fachbereichsleiterin Goldberg ist da etwas skeptisch und meint, sie sollten warten, bis sie auf "echte Ureinwohner" treffen.

Sprachliche Vielfalt als Gewinn

"Sprachbarrieren gibt es eher zwischen dem Rheinländischen und dem Dialekt der Menschen aus dem Erzgebirge. Wir haben hier auch eine innerdeutsche Interkulturalität", witzelt Dozent Dominik. Auch er lerne viel dazu. Die sprachliche Vielfalt sei für den Beruf eine große Bereicherung. "Gern mehr davon", betont er. Denn so könne die Sprachbarriere auf der Eisenbahnstraße wegfallen. Und das sei sehr wichtig um herauszufinden, was den Menschen fehlt.

Quelle: MDR SACHSEN

12 Kommentare

Steffen1978 vor 6 Wochen

hier stellte Firma am Wochenende Gerüst vor Mietskaserne und als gefragt wurde bekam niemand Antwort weil ohne Sprchkenntnisse des Anderen Kommunikation fast unmöglich war
den Ausbildern Respekt zollend 3-5 verschiedene Nationen an einem Gerüst deutsche Gründlichkeit geduldig beizubringen 👍 Daumen hoch

Denkender vor 6 Wochen

Und wieder denken Sie nur daran, es müsse ein Shitstorm hereinbrechen.
Können Sie denn überhaupt nicht einfach mal ganz normal reagieren?
Niemand, auch nicht die von Ihnen so gehasste Partei, hat was gegen Migranten, die sich um Integration bemühen, aber das wollen Sie nicht wahrhaben.

der Vielfaltige vor 6 Wochen

Unsere Flüchtlinge sind ein Segen für unser Land. Über 90% haben schon einen Job, wie dieser wunderbare Artikel beweißt. Wir brauchen einfach mehr von diesen fleißigen Menschen.

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen