Wissenschaft Forschungskran untersucht Baumkronen im Leipziger Auwald

Baumkronenforschung ist kein exotisches Hobby, sondern eine wissenschaftliche Disziplin. In Leipzig wurde vor 15 Jahren ein Forschungskran errichtet, mit dem Wissenschaftler das Dach des Auwaldes erkunden können.

Der Auwald durchzieht Leipzig wie ein grünes Band. Zahlreiche Baumarten prägen das Bild des Waldes. Und mitten im Gehölz steht seit 15 Jahren ein Kran. Nicht, weil dort gebaut werden soll. Der Auwaldkran dient den Forschern des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung für die Untersuchungen der Baumkronen und ist europaweit einmalig.

Pioniere der Kronenforschung

Die wissenschaftliche Disziplin der Baumkronenforschung ist noch relativ jung, erklärt Biologe Ronny Richter MDR SACHSEN. Die Pioniere kamen in den 90er-Jahren aus Panama. "Dort wurde 1992 der erste Kran errichtet", so Richter. Der Biologe betont auch, dass die Forschung in den Baumkronen über viele Jahre vernachlässigt wurde. "In den 60-er Jahren waren wir schon auf dem Mond. Aber erst in den 90-er Jahren haben wir begonnen, die Artenvielfalt in den Baumkronen zu erforschen." Seit 15 Jahren sammeln die Biologen nun Daten und Erkenntnisse über das Dach des Auwaldes. Mit dem Kran können sie auf einer Fläche von 1,5 Hektar ihrer Arbeit nachgehen.

Wo die Insekten wohnen

Und was ist nun so interessant an den grünen Wipfeln? Für Richter ist die Baumkrone als dreidimensionale Struktur, ein größerer Lebensraum als der Waldboden. Die Artenvielfalt sei hier viel größer. Um das zu belegen, sammeln die Forscher Erkenntnisse zu den Insekten, die in den Asthöhlen oder auf den Blättern leben. Dabei geht es auch um die Beantwortung der Frage, ob bestimmte Insekten bestimmte Baumarten als Lebensraum bevorzugen. "Unser großes Ziel ist es, zu verstehen, warum Wälder so artenreich sind", erläutert Richter.

Bienensterben im Auwald

Für den Bienenbestand im Auwald hat Richter alarmierende Zahlen."Wir verzeichnen eine dramatische Abnahme der Bienenzahl." Von 2002 bis 2017 habe es einen Rückgang der Arten um 60 Prozent gegeben. Auch wenn die Ergebnisse mit Vorsicht zur Kenntnis genommen werden müssen, zeigen sie laut Richter einen klaren Trend. Die Forschungsarbeit diene hier auch der Zusammenarbeit mit Politik und Naturschutz, um auf das Bienensterben reagieren zu können.

Grüne Kühlung für die Großstadt

Die Wissenschaftler interessieren sich aber nicht nur für die Tiere in den Baumkronen. Auch die klimatischen Bedingungen im Auwald sind Schwerpunkt der Forschung. Denn die 13 verschiedenen Baumarten spenden nicht nur Schatten. Über den Wipfeln verdunstet das Wasser des Baumes und kühlt die Umgebung, erklärt Richter. Und weil der Auwald so nah an Leipzig liegt, erforschen die Wissenschaftler auch die Rolle des Waldes für das Stadtklima. Insbesondere wird der Frage nachgegangen, welche Baumarten eine Kühlung der Stadt - vor allem in den heißen Tagen des Hochsommers - begünstigen können.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 07.07.2018 | 19:00 Uhr

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