Bildung Lernschub durch Corona-Aufholprogramm in Bad Lausick

Kinder und Jugendliche in Sachsen lernen seit fünf Wochen statt vor dem heimischen Computer wieder in ihren Klassenzimmern. Davor waren sie und ihre Eltern coronabedingt oft auf sich allein gestellt. Nun brauchen einige einen Lernschub. Der Bund und das Land Sachsen haben dafür das Aktionsprogramm "Aufholen nach Corona" aufgelegt.

Schüler
Seit fünf Wochen sind Kinder und Jugendliche in Sachsen wieder auf dem Weg in die Schule (Symbolbild). Bildrechte: imago images/Georg Ulrich Dostmann

Zum gezielten Abbau von individuellen Lernrückstanden können Schulen in Sachsen seit diesem Schuljahr Gelder aus dem Aktionsprogramm "Aufholen nach Corona" beantragen. An einer Oberschule in Bad Lausick im Landkreis Leipzig wird das Angebot bereits genutzt.

"Kinder und Jugendliche hat die Isolation durch Schulschließungen besonders hart getroffen. Mit dem Programm wollen wir sicherstellen, dass diejenigen Schülerinnen und Schüler Unterstützung bekommen, die Hilfe am dringendsten benötigen", so Kultusminister Christian Piwarz zum Bund-Länder-Programm.

Bescheid innerhalb von wenigen Stunden

Unbürokratisch und schnell, so lautet das Urteil von Anke Schneider, Rektorin der Walter-Seelenbinder-Schule in Bad Lausick über das Förderprogramm. "Innerhalb von Stunden hatte ich den Bescheid, dass ich das Geld ausgeben kann", sagte Schneider im Gespräch mit MDR SACHSEN. Sie hatte um zusätzliche Gelder für eine Englischlehrerin gebeten.

Hilfe bei der schulischen Aufholjagd

Insgesamt 47,5 Millionen Euro stellt der Bund für "Aufholen nach Corona" zur Verfügung, die gleiche Summe kommt aus dem sächsischen Haushalt. Davon sollen unter anderem externe Dienstleister, ehemalige Lehrkräfte, ältere Schülerinnen und Schüler sowie Studierende bezahlt werden, um denen, die es nötig haben, bei der schulischen Aufholjagd zu helfen.

Jedoch fehlt es auf dem Land an Lehrpersonal, vor allem für Physik und Mathematik. Ihre Oberschule in Bad Lausick habe diesen Mangel noch relativ gut abdecken können, so Rektorin Schneider: "Aber wir mussten auch Unterrichtsverkürzung vornehmen, weil wir einfach zu wenig Lehrer haben".

ein Vater gibt seinem Sohn Nachhilfe
"Aufholen nach Corona" soll helfen, Rückstände im Lernen und Leben durch Nachhilfe und soziale Angebote abzubauen. Bildrechte: Colourbox.de

Programm kann besonders integrativ wirken

Schneider hat bereits die Elternschaft aktiviert, um aus diesen Reihen vielleicht geeignete Nachhilfelehrerinnen und Nachhilfelehrer zu finden. Bislang wurde sie eben nur für Englisch fündig. Von 340 Schülerinnen und Schüler der Oberschule brauchen aber rund 48 Hilfe - und das nicht nur in der Fremdsprache. Welche Angebote gemacht werden und wie, bleibe jeder Schule selbst überlassen, teilte das Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB) Sachsen mit.

Eine Besonderheit ist bei diesem Programm, dass es integrativ im Unterricht passieren darf. Wir haben ganz viele Lehramtsstudierende, die jetzt in den Schulen sind und die direkt neben dem Kind sitzen können und dem Kind während des Unterrichts Hilfe geben können.

Birgit Willhöft Leiterin der Servicestelle "Aufholen nach Corona" LaSuB Sachsen

Nicht nur Nachhilfe wird gefördert

An der Walter-Seelenbinder-Schule in Bad Lausick wird so eine Kraft ab November eingesetzt. Neben den Wissenslücken die gefüllt werden müssen, sieht Anke Schneider noch eine weitere Corona-Baustelle bei ihren Kindern: die soziale Komponente.

Das Aktionsprogramm beinhaltet auch eine Budgetzuweisung für Projekte zur Gewalt, Drogen- und Suchtprävention sowie Theater, Musik, kunstpädagogische Angebote. So können die Schülerinnen und Schüler nicht nur fachlich aufholen, sondern auch die soziale Ebene, ist Schneider überzeugt.

Das Aktionsprogramm "Aufholen nach Corona" Um die Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche abzumildern, hatten Bund und Länder das Aktionsprogramm "Aufholen nach Corona" in Höhe von insgesamt rund zwei Milliarden Euro vereinbart. Das sächsische Kultusministerium verantwortet dabei Maßnahmen zum gezielten Abbau von individuellen Lernrückstanden. Das Sozialministerium wiederum mögliche Unterstützungs- und Fördermaßnahmen im Rahmen von Schulsozialarbeit sowie Ganztagesangebote und außerschulische Kinder- und Jugendhilfe. Zwei Jahre wird das Programm laufen.

Quelle: MDR/bb/sm

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 07. Oktober 2021 | 16:30 Uhr

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