Woche des Handwerks Eine haarige Sache - Barbier oder Friseur?

Wer seinem Bart etwas Gutes tun möchte, muss dafür heutzutage nicht zwangsläufig einen Friseur besuchen. Vielmehr haben Männer, ob mit Voll- oder Schnurbart, die Möglichkeit bei einem Barbier vorbeizuschauen. Viele der messerschwingenden Handwerker bieten auch Haarschnitte an. Doch ist das eigentlich erlaubt? Worin liegt der Unterschied zwischen Barbier und Friseur?

Ein Schild auf dem zwei Männerköpfe mit Bart abgebildet sind.
Barber (zu deutsch Barbier) kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Bart. Der Barbier ist erster Linie für den Bartwuchs des Mannes zuständig. Doch in immer mehr Barbier-Läden wird auch zur Schere gegriffen, um das Haupthaar zu stutzen. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Seit über zehn Jahren geht es in Achmed Riahis Barber-Shop im Leipziger Waldstraßenviertel dem Mann an die Gesichtsbehaarung. Hier wird der Bart gepflegt, gestutzt oder rasiert. Werden Augenbrauen mit dem Faden gezupft oder mit Wachs Nasen- und Ohrenhaare entfernt.

Wie viele Barbershops es in Leipzig gibt, weiß keiner so genau. Subjektiv betrachtet hat man den Eindruck, dass es täglich mehr werden. Wie Pilze scheinen sie aus dem Boden zu schießen. Das hat auch Riahi bemerkt. Vor fünf Jahren war er noch Platzhirsch in seiner Straße, mittlerweile haben dort fünf weitere Barbershops aufgemacht.

Mann beim Barbier 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der feine Unterschied

"Der Barbier ist eigentlich kein Begriff, der im Handwerksrecht vorkommt", erklärt Volker Lux, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig MDR SACHSEN. "In der Regel ist es so, dass Barbiere ihr Geschäft als Kosmetiker oder Friseur anmelden." Und da liegt das Haar in der Suppe. Denn laut Lux können Kosmetiker ohne jegliche Zulassungsvoraussetzungen ein Gewerbe aufnehmen.

Bei Friseuren in Deutschland besteht nach wie vor die Meisterpflicht.

Volker Lux Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer zu Leipzig

Heißt, wer keinen Meistertitel hat, darf auch nicht ans Haupthaar, darf keinen Friseurladen eröffnen. Barbiere müssen, wenn sie denn ans Kopfhaar wollen, demnach eine entsprechende Qualifikation nachweisen oder einen Friseurmeister oder -meisterin, einen sogenannten Betriebsleiter, anstellen. Doch davon würden zu wenige Gebrauch machen, weil sie sich nicht im Vorfeld informieren, erklärt Lux.

Barbiere die wirklich nur Bartpflege betreiben, finde man kaum. Die meisten hätten schon zum Ziel, Haare zu schneiden. Das sei dann das Problem der ansässigen Friseurbetriebe, so der Chef der Handwerkskammer. Denn in der Regel seien die Leistungen der Barber-Shops nicht so teuer wie beim Friseur.

Volker Lux, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig
Für Volker Lux fehlt es an Anerkennung für den Friseurberuf. "Viele Menschen glauben, Haare schneiden kann eigentlich jeder und es ist nichts Besonderes. So sehen dann manche Leute eben auch aus." Bildrechte: Handwerkskammer zu Leipzig

Wettbewerbsverzerrung vorprogrammiert?

Bei Achmed Riahi kostet ein Haarschnitt zwischen 15 und 17 Euro, die Bartpflege kostet nicht wesentlich mehr. Er darf das, hat er doch einen Friseurmeister in seinem Team. Das bei ihm der Haarschnitt für das männliche Haupthaar so günstig ist, findet er richtig. Immerhin kommen fast alle seine Kunden einmal pro Woche zum Schön machen.

Wenn meine Kunden 25 Euro oder mehr zahlen müsste, würden sie nicht mehr kommen.

Achmed Riahi Betreiber Barber-Shop

Für Volker Lux ist das nicht nachvollziehbar, wie jemand für 12 Euro oder etwas mehr einen Haarschnitt anbieten kann und dann auch noch in der Lage ist, seine Verpflichtungen wie Steuern und Sozialversicherung nachzukommen. "Für Friseure ist es deshalb besonders ärgerlich, da sie, um sich selbstständig machen zu können, die Meisterschule besuchen müssen, in der Summe mehr als 10.000 Euro ausgeben, um diese Qualifikation zu bekommen", so Lux.

Auch die Bezahlung der Angestellten bei Friseur und Barbier sei unterschiedlich. Viele Friseure arbeiteten für den Mindestlohn, die unterste Grenze dessen, was man als Arbeitgeber zahlen kann. Laut Handwerkskammer gibt es aber auch viele Friseurbetriebe die im Hochpreissegment arbeiten und bei denen die Angestellten auch ordentlich verdienen. Für die sind Barbershops weniger das Problem. Riahi zahlt seinen Leuten 15 Euro die Stunde. Wie viele Stunden seine fünf Mitarbeiter pro Tag im Laden stehen, sagt er aber nicht.

Ein Schild auf dem zwei Männerköpfe mit Bart abgebildet sind. Ein Mann mit Bart steht in einem Geschäft und schaut in die Kamera. Eine Hand hält ein Frisiermesser.
Achmed Riahi hat 1996 in Tunesien seine Ausbildung als Barbier absolviert. Seit über zehn Jahren hat er in Leipzig einen Barbershop mit fünf Angestellten. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Achtung Kontrolle!

Wer als Barbier doch ans Kopfhaar geht, ohne eine entsprechende Qualifikation vorweisen zu können, der bewegt sich im Bereich der Schwarzarbeit und das kann teuer werden. Riahi kennt das aus seinem Umfeld. Dort hätten einige ohne Meisterbrief Haareschneiden angeboten mit dem Ergebnis, dass ihr Laden von den Behörden wieder geschlossen wurde. Bis zu 5.000 Euro können da als Strafe fällig werden, erzählt der Tunesier.

Die Handwerkskammer sowie die Gewerbeämter der Kommunen schauen ganz genau hin, wenn ein Barbershop aufmacht, vor allem wenn es im Gewerbe Kosmetik ist. "Das weckt bei uns dann natürlich sofort den Verdacht, dass der möglicherweise auch Haare schneidet", erklärt Lux. Sollte bei der Kontrolle kein Meisterbrief vorgelegt werden können, kommt es zur "behördlichen Schließung".

30 bis 40 solcher Fälle handwerklicher Schwarzarbeit bearbeitet die Kammer pro Jahr im Bezirk Leipzig. Viele der Personen, meist mit Migrationshintergrund, hätten da aber schon immense Investitionen geleistet. Er empfiehlt daher künftigen Barber-Shop-Betreibern, sich vorher bei der Handwerkskammer beraten zu lassen. Dann wüssten sie, dass Haareschneiden ohne Meisterbrief in der Regel nicht funktioniert.

Eine Hand hält ein Frisiermesser.
Das Hauptwerkzeug eines Barbiers ist das Messer, ob bei den Bart- oder den Kopfhaaren. Der Friseur ist meist mit der Schere unterwegs, die wenigsten schneiden die Kopfhaare mit dem Messer. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 18. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

goffman vor 5 Wochen

Früher habe ich auch so gedacht, dass der Meisterbrief ja lediglich ein Stück Papier ist, dass das Bestehen einer Prüfung bescheinigt, das aber wenig mit den Fähigkeiten im Alltag zu tun hat.

Mittlerweile denke ich anders.
1. Vom Gesellen zum Meister dauert es meist einige Jahre, in denen man im Beruf Erfahrungen sammelt, dazulernt (Früher musste man sogar einige Zeit als Geselle tätig sein, bevor man überhaupt den Meister machen durfte).
2. Der Meister ist zudem eine weitere Hürde. Wer es nur halbherzig macht, wird diese Hürde nicht nehmen. Zudem wird bei der Zulassung zum Meister geprüft, ob man Geselle ist oder z.B. durch langjährige Tätigkeit die benötigten Fähigkeiten erworben hat. D.h. wenn man den Meister macht, dann möchte man den Beruf auch wirklich machen.
Motivation verbessert die Qualität.
3. Man lernt im Meisterkurs auch dazu: sowohl Fachliches, als auch Rechtliches (deutlich mehr als in der Lehre). Der Meisterzwang sichert somit auch die Einhaltung der Gesetze.

goffman vor 5 Wochen

Ich bin für den Meisterzwang.
1. In Handwerksberufen, bei denen das Angebot größer ist als die Nachfrage: hier wirkt der Meisterzwang regulierend und sichert den Gesellen und Meistern eine faire Bezahlung. Z.B. im Geigenbau (kein Meisterzwang) können wir beobachten, dass viele Betriebe an der Existenzgrenze stehen und viele Gesellen ohne Anstellung bleiben oder für den Lohn eines Ungelernten arbeiten (auch aufgrund der Konkurrenz aus Osteuropa und China).
2. In Berufen, in denen Personalmangel besteht: Warum ergreift man einen Beruf? Warum möchten immer mehr studieren? Ich denke das der Stand, das Image/ Ansehen in der Gesellschaft da durchaus auch eine Rolle spielt. Wenn ein Beruf mit niedriger Qualifikation, "Ungebildetheit" assoziiert wird, dann sinkt das Interesse diesen Beruf zu erlernen. Der Meisterzwang erhöht das Ansehen.
3. Der Meisterzwang erhöht die Qualität der Arbeit und sichert das Einhalten gesetzlicher Bestimmungen - da diese beim Meisterlehrgang vermittelt werden.

part vor 5 Wochen

Ein Meisterbrief macht noch keinen Meister seines Fachs, das kommt entweder mit dem in die Wiege gelegten Talent oder mit viel Übung, was aber nichts mit dem verwaltungstechnischen Bürokratismus eines Meisterbetriebs zu hat. Was heute mit Verselbstständigung des Berufes einhergeht, erinnert oft noch sehr an das alte Zunftwesen im Mittelalter. Für viele Berufe sollte der Meisterzwang deshalb aufgehoben werden, es passt einfach nicht mehr in unsere heutige Zeit. Wenn Unternehmer aber statistisch gesehen nur alle paar tausend Jahre Besuch vom Finanzamt erhalten und große Unternehmen gänzlich verschont werden, dann hat dies andere Ursachen.

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