19.02.2020 | 16:39 Uhr Wieder Baustopp am Leipziger Astoria-Hotel

Seit Freitag stehen die Bauarbeiten am Hotel Astoria still. Grund ist eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Bautzen, wonach die Genehmigung für den Umbau planungsrechtlich unzulässig sei. Nun hat sich auch die Stadt Leipzig zum Fall geäußert und will schnell handeln.

Das Hotel Astoria wurde 1915 in Leipzig eröffnet und bis 1996/97 u.a. von der Interhotel-Kette betrieben.
Seit über 20 Jahren steht das Astoria-Hotel in Leipzig leer - trotz bester Lage. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Die Stadt Leipzig hat sich zum einstweiligen Baustopp am Hotel Astoria geäußert. In einer Mitteilung aus dem Rathaus hieß es, man habe den Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) Bautzen zur Kenntnis genommen. Aktuell liege am Amt für Bauordnung und Denkmalpflege bereits ein Änderungsbauantrag des Bauherren vor. Dieser setze sich unter anderem mit den beanstandeten Themen, wie der Lärmimmissionen, der Gästeanzahl und dem Lieferverkehr, auseinander. Die Prüfung dauere noch an.

Hintergrund der Mitteilung ist eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Bautzen. Das hatte bereits am vergangenen Donnerstag entschieden, dass die Bauarbeiten am Hotel Astoria beim Leipziger Hauptbahnhof vorerst ruhen müssen. Als Grund nannte ein Gerichtssprecher eine planungsrechtlich unzulässige Baugenehmigung. Konkret geht es um ein Schallschutzgutachten, das das Gericht als fehlerhaft einstuft. Es entspreche nicht der geplanten Dimension des Hotels.

Streit um Betreiberkonzept und Schallschutz mit Nachbarhotel

Getränkelieferung
Getränke, Wäsche, Lebensmittel - für den Hotelbetrieb sind Lkw-Lieferungen unumgänglich. Doch die sorgen auch für Lärm. Bildrechte: imago/Joko

Die Baugenehmigung vom 20. Juli 2018 sieht vor, dass es nach der Fertigstellung des Astoria-Hotels täglich zwischen 6 und 22 Uhr vier Anlieferungen mittels Lkw und eine durch einen Kleintransporter geben soll. Bei einer geplanten Auslastung des Hotels mit bis zu 500 Übernachtungsgästen und 1.400 Veranstaltungsteilnehmern erschien dem Gericht dies unrealistisch. Auch neuere Gutachten kämen zu dem Ergebnis, dass mit deutlich mehr Lieferverkehr zu rechnen sei. Mit mehr Lieferverkehr sei aber der Immissionswert von tagsüber 60 dB(A) nicht einzuhalten.

Das Nachbarhotel Best Western war unter anderem wegen des aus seiner Sicht unschlüssigen Schallschutzgutachtens vor Gericht gezogen. In erster Instanz hatte das Verwaltungsgericht Leipzig den Antrag abgelehnt. Das Oberverwaltungsgericht entschied nun zugunsten den Nachbarhotels.

Stadt will zeitnah zu Klärung beitragen

Nach Angaben der Stadt soll sich zeitnah klären, ob der aktuelle Unterlagen "den Widerspruch des Mitbewerbers Best Western ausräumen können, um ein Nebeneinander der beiden Hotels zu ermöglichen." Die Stadt unterstütze dieses Bemühen ausdrücklich.

Bereits vor der Eilentscheidung des Gerichts hatte es Kritik an der erteilten Baugenehmigung gegeben. Die Stadt Leipzig wies in ihrer Mitteilung die Schuld von sich: Das Schallschutzgutachten sei geprüft und als nachvollziehbar eingestuft worden. Für die Schlüssigkeit des Betreiberkonzeptes, also etwa wie oft an- und abgeliefert wird, sei der Bauherr selbst verantwortlich.

Zeitplan zur Eröffnung gerät ins Wanken

"Die Stadt Leipzig muss jetzt in der Sache entscheiden", sagte OVG-Sprecher Thomas Tischer. Solange dürfe der Bauherr keinen Gebrauch von der Baugenehmigung machen. Der Baustopp bleibt also für unbestimmte Zeit bestehen.

Zunächst war die Wiedereröffnung des Luxushotels Astoria bis Ende des Jahres geplant. Investor Vivion rechnet mittlerweile mit der Eröffnung im kommenden Jahr. Dass die Bauarbeiten am Astoria ins Stocken geraten, ist nicht das erste Mal. Bereits im Sommer 2019 hatte das Bauordnungsamt einen Stopp der Bauarbeiten angeordnet mit der Begründung, von der Baustelle gingen Gefahren aus. Daraufhin habe Vivion ein Sicherheitskonzept vorgelegt und umgesetzt. Die Arbeiten durften daraufhin fortgesetzt werden.

Hotel Astoria
So soll das Astoria nach Ende der Umbauarbeiten aussehen. Bildrechte: wolff:architekten

Hintergrund Das Hotel Astoria war 1915 mit mehr als 300 Zimmern eröffnet worden. Zu DDR-Zeiten wohnten dort während der Frühjahrs- und Herbstmessen SED-Größen wie Walter Ulbricht und Alexander Schalck-Golodkowski. Ende 1996 wurde das Hotel direkt neben dem Hauptbahnhof geschlossen.

 Quelle: MDR/kp/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.02.2020 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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