Frachtflüge Polizei lässt DHL-Blockierer in Leipzig wieder frei

In der Nacht zu Sonnabend haben 54 Menschen die Hauptzufahrt zum DHL-Gelände auf dem Flughafen Leipzig/Halle blockiert. Sie wollten damit gegen die steigende Lärmbelästigung durch den geplanten Flughafenausbau protestieren. Einigen drohte zwischenzeitlich U-Haft, weil sie ihre Identität nicht preisgeben wollten. Jetzt kommen sie nach und nach frei.

Menschen sitzen auf einer Straße im Regen
Die Blockade soll einen Millionenschaden verursacht haben. Bildrechte: MDR/Thomas Tasler

Zahlreiche DHL-Blockierer vom Leipziger Flughafen kommen am Sonntag wieder auf freien Fuß. Zuvor gab es Streit um die Feststellung der Identität, weshalb auch Untersuchungshaft drohte. Wie der an der Demo beteiligte Linken-Landtagsabgeordnete Marco Böhme via Twitter mitteilte, kam es am Sonntag zu der entsprechenden Anhörung. In dessen Verlauf hätten sich die Beteiligten, nachdem sie es zunächst abgelehnt hatten, am Ende doch entschieden, ihre Personalien anzugeben. Auch die Leipziger Polizei bestätigte auf Anfrage von MDR SACHSEN, dass eine Ermittlungsrichterin im Haus sei. Am Vormittag hätten sich noch 20 Personen im Gewahrsam befunden. Ursprünglich seien es einmal 51 gewesen, hieß es.

Demonstration vor Leipziger Polizeidirektion

Nur zwei Personen gaben laut Polizei gleich vor Ort am Flughafen ihre Personalien preis. Bei der weiteren Person, dem Landtagsabgeordneten, sei das nicht notwendig gewesen, weil dessen Identität ja bekannt sei, so die Polizei. Die Identitätsfeststellung war auf Veranlassung der Leipziger Staatsanwaltschaft erfolgt. Vor der Polizeidirektion in Leipzig versammelten sich bereits am Sonnabend in den Abendstunden Demonstranten, die dagegen protestierten, dass die Bockierer vom Fluhafen in Gewahrsam genommen wurden. Nach Polizeinformationen waren es zwischen 50 und 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Auch am Sonntagvormittag waren sie noch vor Ort. Die Kundgebung war den Angaben zufolge angemeldet.

Zuvor hatte die Post-Tochter DHL nach der nächtlichen Blockade des Frachtflughafens Leipzig/Halle Anzeige erstattet. Ein Sprecher sagte, durch die Blockade seien einige Maschinen erst verspätet abgeflogen. Deshalb sei ein Schaden in Millionenhöhe entstanden. Insgesamt verliefen die Proteste aber friedlich.

Polizei löst Spontandemo auf

Begonnen hatte die Aktion am Freitag kurz vor Mitternacht, als 54 Menschen die Zufahrt zum DHL-Frachtflughafen Leipzig/Halle blockierten und den sofortigen Ausbaustopp des Frachtflughafens forderten. Sie kamen nach MDR-Informationen von verschiedenen Umwelt- und Klimabündnissen aus Leipzig und Halle. Innerhalb kürzester Zeit stauten sich Lkw auf dem Zubringer. Nach etwa einer Stunde öffnete DHL ein zweites Tor und die Lkw wurden dorthin umgeleitet. Die als Spontandemo angemeldete Blockade wurde daraufhin beendet.

Menschen sitzen auf einer Straße im Regen
Vor allem der Fluglärm ist immer wieder Grund für Proteste. Bildrechte: MDR/Thomas Tasler

Die Frachtmaschinen des Paketdienstleisters DHL fliegen vor allem in der Zeit zwischen Mitternacht und 4 Uhr morgens. Denn anders als an den meisten anderen Flughäfen in Deutschland gibt es in Leipzig/Halle kein Nachtflugverbot.

Umstrittene Ausbaupläne

Bislang können so bis zu 60 Maschinen pro Nacht abgefertigt werden. Doch DHL geht davon aus, dass die Anzahl der Frachtflüge in den kommenden Jahren noch einmal um die Hälfte steigen wird. Das würde bedeuten, dass in Spitzenzeiten dann alle vier bis fünf Minuten ein Flugzeug startet bzw. landet. Doch diese Ausbaupläne stoßen auf erheblichen Widerstand. Die Anwohner fürchten vor allem eine Zunahme des nächtlichen Fluglärms.

Der Flughafen Leipzig/Halle ist inzwischen der zweitgrößte Frachtflughafen in Deutschland, hinter Frankfurt/Main. Im vorigen Corona-Jahr hatte der Airport mit 1,38 Millionen Tonnen Fracht ein Rekordergebnis erzielt und rechnet mit einem weiteren Wachstum. In Frankfurt waren es 2020 gut 1,9 Millionen Tonnen.

Quelle: MDR/tt/gh/cnj/sth

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 10. Juli 2021 | 06:00 Uhr

78 Kommentare

Germinator aus dem schoenen Erzgebirge vor 14 Wochen

"Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Ob es einen Zusammenhang mit der Blockade der DHL-Zufahrt am Leipziger Flughafen gibt, die sich am Freitag ereignete und dazu führte, dass 51 Personen in Gewahrsam genommen wurden, kann die Polizei gegenwärtig nicht offiziell bestätigen. "

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/leipzig/leipzig-leipzig-land/brandanschlag-postautos-polizei-100.html

Das wäre ja auch noch schöner, da käme ja wieder mal ein bekannter Stadtbezirk in Verruf.

W.Merseburger vor 14 Wochen

Bruchpilot,
Was Sie hier von sich geben ist eigentlich nur ignorant und empörend. Im Bereich des Flughafens Leipzig Halle leben eben nicht grüne Marsmännchen, sondern eine große Menge ganz normale Bürger, die auch ein Recht auf Nachtruhe und Gesundheit haben. Nun glauben Sie, dass ein Nachtflugverbot ein logistischer Killer für den weltumspannnenden Turbokapitalismus ist. Man kann eben nicht auf
Alle Rücksicht nehmen, meinen Sie zynisch, ein bisschen Schwund gibts ja immer, und das scheint für Sie ganz normal zu sein. Vielleicht sollten Sie es sich anhören, wenn ein mit ca. 50 Tonnen beladenes Frachtflugzeug (entspricht ca 600 Personen) abhhebt und das gegenwärtig schon 60 bis 80 mal am sehr frühen Morgen.

AlexLeipzig vor 14 Wochen

"Nachtflugverbote sind da leider ein logistischer Killer, vor allem, wenn es um den Gütertransport geht" -AHA! Wo befindet sich Fraport nochmal?? Bitte erst informieren, dann kommentieren! Und die "54 Kleingeister" kennen Sie, damit Sie diese Leute so bezeichnen können??

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