Bürokratie Fehlender Stempel: Ukrainische Kinder bekommen kein Kita-Essen

Eigentlich soll die Hilfe für die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine schnell und unkompliziert sein. Doch manchmal gerät sie ins Stocken. In Leipzig können drei Kinder nicht in die Kita, weil nicht klar ist, wer das Mittagsessen bezahlt. Alles hängt an einem Formular und einem Stempel.

Kita "Um die Welt" Leipzig-Grünau
In der Kita "Um die Welt" in Leipzig-Grünau werden Kinder aus vielen unterschiedlichen Nationen betreut. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

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Die Welt der ukrainischen Flüchtlingskinder steht Kopf. Strukturen, Ordnung, Verlässlichkeit, Geborgenheit und neue Freunde könnten ihnen Halt geben. Einen Teil dessen könnte eine Kita bieten. Doch scheinbar ist das seitens der Stadt nicht so einfach zu ermöglichen.

Was fehlt, ist ein Stempel

Bei der Kita "Um die Welt" in Leipzig-Grünau ist der Name Programm. Hier werden rund 200 Kinder aus vielen unterschiedlichen Nationen betreut. Nun sollen noch drei Flüchtlingskinder aus der Ukraine den Kita-Alltag bereichern.

Die Kinder sind über das entsprechende Portal der Stadt angemeldet. Die Eltern sind registriert, gemeldet und beziehen bereits Sozialleistungen. Nun fehlt noch der Stempel vom Sozialamt unter dem Antrag für Bildung und Teilhabe, kurz BUT. Erst wenn der drauf ist, dürfen die Kinder in die Kita, denn nur dann ist auch geklärt, dass das Mittagessen bezahlt wird.

Unbürokratische Lösungen gefragt

Kita-Leiter Christoph Wittwer versteht die Welt nicht mehr und mahnt unbürokratische Lösungen an, wenn Ämter in Notsituationen überlastet sind. Eine schnelle Eingliederung dürfe an diesen Fragen nicht scheitern. Deshalb schlägt Witwer vor, den Anträgen im Ankunftszentrum bereits die entsprechenden Formulare beizulegen, denn bereits da werde der Bedarf geprüft.

Mir geht es nicht darum, das Sozialamt hier schlecht zu machen, die sind überlastet, das weiß ich, das ist eine Krisensituation.

Christoph Wittwer Kita-Leiter

Wittwer will dem Sozialamt aber nicht die alleinige Schuld an der Situation geben. "Mir geht es nicht darum, das Sozialamt hier schlecht zu machen, die sind überlastet, das weiß ich, das ist eine Krisensituation", schätzt er die Lage ein. Er wünscht sich, dass eine unbürokratische und schnelle Lösungen gefunden wird. Das Sozialamt Leipzig war bisher nicht für ein Interview zu erreichen.

Flüchtlingsrat kritisiert lange Wartezeiten für Hilfen

Von langsamen Behörden berichtet auch der sächsische Flüchtlingsrat. Das führe bei der Versorgung der ukrainischen Flüchtlinge mancherorts zu Problemen. Es gebe nach Anmeldung bei den Behörden Wartefristen von mehreren Wochen.

Oft dauere es mehrere Wochen, bis die Menschen Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhielten, sagt Dave Schmidtke vom Flüchtlingsrat. Bis dahin seien die Menschen auf die Hilfe Ehrenamtlicher angewiesen, die zum Beispiel die Kosten für die Nahrungsversorgung übernehmen würden.

Mehr als 2.000 Plätze an Schulen benötigt

An sächsischen Schulen sind nach Angaben des Kultusministeriums bisher 599 aus der Ukraine vertriebene oder geflüchtete Kinder und Jugendliche zugewiesen worden. Die meisten von ihnen lernten an Grund- und Oberschulen. Zusätzlich gebe es noch mehr als 1.500 Anmeldungen. Um die Schüler zu integrieren, gebe es Konzepte, die Deutsch als Zweitsprache vermitteln.

Die Situation sei momentan zu bewältigen, sagte Kultusminister Christian Piwarz am Donnerstag. Bei der Essensversorgung könnte es aber zu ähnlichen Problemen kommen, wie an der Kita in Grünau.

MDR (gg)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Der Tag | 30. März 2022 | 17:50 Uhr

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