Pandemie Uniklinik Leipzig: Einblicke in die Arbeit auf der Corona-Intensivstation

In Sachsen steigt die Zahl bestätigter Corona-Neuinfektionen weiter an - ebenso die Zahl der Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern. Mehr als 300 Menschen sind so schwer an Covid-19 erkrankt, dass sie auf der Intensivstation liegen. Doch wie sieht es dort aus und wie geht das Krankenhauspersonal mit der aktuellen Situation um? Die Universitätsklinik Leipzig hat MDR SACHSEN einen Einblick gewährt.

Monitore blinken und es piepst in allen Ecken. Als Sylvia Köppen, die Pflegebereichsleiterin der Intensivstation am Universitätsklinikum Leipzig, heute morgen die Station für Covid-19-Patienten betritt. Am Morgen liegen 18 schwererkrankte Menschen auf der Station. Wenig später sind es nur noch 17.

Der Patient war älter, hatte einen langen Aufenthalt und Vorerkrankungen, die hier tatsächlich eine Rolle gespielt haben. Er ist im Rahmen der intensivmedizinischen Behandlung heute Morgen gestorben.

Sylvia Köppen Pflegebereichsleiterin der Intensivstation am Universitätsklinikum Leipzig

Uniklinik: Erweiterung der Bettenzahl jederzeit möglich

22 Betten stehen derzeit für die schwersten Covid-19-Fälle zur Verfügung. Eine Aufstockung sei aber jederzeit möglich, so Köppen. Wenn alle der aktuellen Stations-Betten belegt sind, werde ein neuer Bereich mit elf zusätzlichen Betten eröffnet. "Und wenn die dann auch belegt wären, hätten wir noch 36 Betten auf unseren beiden anderen Stationen, die dann als nächstes eröffnet werden würden", berichtet Köppen weiter.

Alle Patienten und Patientinnen der Station müssen beatmet werden. Bei manchen geschieht das invasiv, das heißt sie sind sediert und intubiert. Die Atmung wird durch eine Herz-Lungen-Maschine unterstützt. Andere Covid-19-Erkrankte benötigen Sauerstoffmasken oder -helme. 53 Pflegende versuchen im Drei-Schicht-System den Menschen so gut wie möglich zu helfen. Dabei ist eine Pflegekraft für zwei Menschen verantwortlich.

Mediziner: Patienten Zeit verschaffen

Spezifische Medikamente, um das Coronavirus zu bekämpfen, gibt es noch nicht, erklärt der leitende Oberarzt der Station Sven Laudi: "Ein Medikament, das versucht worden ist, ist Remdesivir. Da hat die WHO jetzt festgestellt, dass es im Prinzip wirkungslos ist. Man kann versuchen, mit Dexamethason zu behandeln. Das kommt aus einer britischen Studie - das ist das, was momentan am besten belegt ist."

Wir hoffen, dass die Patienten irgendwie mit dem Virus selber zurechtkommen und wir ihnen die Zeit verschaffen, das hinzukriegen.

Sven Laudi Oberarzt am Universitätsklinikum Leipzig

Patientenkontakt bündelt viel Zeit

Und Zeit brauchen nicht nur die Patientinnen und Patienten, sondern auch das Personal. Denn einfach so ein Zimmer auf der Intensivstation betreten, geht nicht mehr. Erst muss die Schutzausrüstung angelegt werden, erklärt Pflegebereichsleiterin Köppen: "Der Aufenthalt im Zimmer ist auch deutlich länger, weil sie immer überlegen: Schutzkleidung ablegen und austreten. Das würde bedeuten, wenn sie etwas vergessen haben, dass Sie sich wieder ankleiden und ins Zimmer zurücktreten müssen."

Der Aufwand macht uns zu schaffen und natürlich auch, dass die Patienten schwer krank sind, und unsere ganze Aufmerksamkeit benötigen.

Sylvia Köppen Pflegebereichsleiterin der Intensivstation am Universitätsklinikum Leipzig

Eine Entlastung ist erstmal nicht in Sicht. Zwei Covid-19-Patienten sollten noch am Dienstag auf die Intensivstation verlegt werden.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.11.2020 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

MDR SACHSENSPIEGEL | 24.11.2020 | 19:00

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