Covid-Erkrankung Oberärztin gibt Einblick in Arbeit auf Leipziger Covid-Intensivstation

Seit einem Jahr kämpft das Personal der Intensivstation an der Uniklinik Leipzig um das Leben der Covid-19-Erkrankten. Die Patientinnen und Patienten auf den Stationen sind inzwischen bei ihrer Aufnahme im Schnitt jünger als noch vor einem Jahr. MDR SACHSEN hat die Oberärztin Maren Keller bei ihrer Arbeit begleitet.

Team der Covid-Station im Leipziger Uniklinikum - Frauen und Männer mit Masken und Kitteln stehen in einen großen Raum
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sieben Uhr: Schichtbeginn für Oberärztin Maren Keller. Seit bereits einem Jahr verbringt sie fast jeden Tag auf der Intensivstation im Leipziger Uniklinikum.

Frau mit Mundschutz steht in Patientenzimmer - Oberärztin Dr. Maren Keller, Uniklinik Leipzig
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Herausforderung ist, dass wir 31 Patienten hier auf der Intensivstation haben, von denen viele schwer krank sind. Wir haben auf jeden Fall zwei CTs geplant, eins davon ist mit einer ECMO-Maschine, also quasi mit einer künstlichen Lunge.

Maren Keller Oberärztin an der Leipziger Uniklinik

34 Covid-Intensivbetten gibt es insgesamt im Leipziger Uniklinikum. Derzeit sind noch vier freie Plätze übrig.

Jüngster Patient ist 34 Jahre alt

Das morgendliche Briefing steht an. Der Zustand eines Patienten hat sich deutlich über das Wochenende verschlechtert. "Multiorganversagen, da muss man mit den Angehörigen sprechen." Die Übergabe muss sitzen, jedes noch so kleine Detail zählt und darf nicht ausgelassen werden. Dann folgt auch schon der erste Einsatz für Maren Keller.

Unser jüngster Patient ist 34. Er hat keine Vorerkrankungen, ist auch nicht adipös. Seit elf Tagen ist er bei uns. Sein Zustand ist weiterhin kritisch.

Maren Keller Oberärztin an der Leipziger Uniklinik

Altersdurchschnitt sinkt

Mitten in der dritten Welle sinkt der Altersdurchschnitt auf der Station. "Wir sehen im Vergleich zur zweiten Welle über Weihnachten, dass die Patienten deutlich jünger werden. Damals waren sie so zwischen 70 und 80 Jahren, und jetzt sind sie 50 bis 60 Jahre - zum Großteil ohne Vorerkrankungen. Außer vielleicht Patienten mit Adipositas, also Übergewicht. Der Krankheitsverlauf ist teilweise deutlich rasanter."

Kampf zurück ins Leben

Dann der nächste Anruf, Patient in Bett 8 ruft. Thilo Bule hängt bereits seit 120 Tagen am Schlauch. Die ECMO, eine Herz-Lungenmaschine, die das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff anreichert, hilft ihm dabei, zu atmen. Zuvor lag er im künstlichen Koma.

Mann mit Schlauch im Hals liegt im Bett - Covid-Patient Thilo Buhle
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das ging relativ schnell bergab, mit allem, und dann weiß ich eigentlich fast auch nichts mehr.

Thilo Buhle Covid-19-Patient

Thilo Bule hat Glück, sagt die Oberärztin. Er wird von Tag zu Tag stabiler. Der schlimmste Gedanke für ihn wäre, zu ersticken, sagt er. Sein größter Wunsch nach dem Krankenhaus: alle mal wieder in den Arm zu nehmen. Oberärztin Keller erklärt: "Ihm ging es lange Zeit sehr schlecht. Wir mussten ihn viel auf dem Bauch lagern, er hat viel Muskelmasse verloren, war sehr schwach."

Operationen werden aufgeschoben

Oberärztin Keller und Stationsleiterin Sylvia Köppen beraten sich. Ihnen bleibt kaum eine Pause zum Durchatmen. Noch reichen die Intensiv Betten aus. "Für uns als sehr große Intensivstation, sehen wir den Mangel jetzt nicht", erklärt Stationsleiterin Köppen, "weil wir erweitern könnten. Aber man darf natürlich nicht vergessen, dass es immer zu Lasten der Non-Covid-Patienten geht. Das heißt, es müssen OPs abgesagt werden, die Patienten warten hier auch schon lange."

Kraftakt fürs Team

Es bleibt keine Zeit: Weiter geht es zum nächsten Patienten. Er muss gedreht werden, ein kritischer Moment. Ein Kraftakt, für den vier Personen nicht ausreichen. Verstärkung kommt. Der Patient wird erfolgreich gedreht. Um 20 Uhr erfolgt die letzte Übergabe. Dann ist Dienstende für Oberärztin Keller. Nach 13 Stunden Dienst hat sich Maren Keller den Feierabend mehr als verdient.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 24. April 2021 | 19:00 Uhr

30 Kommentare

Kritische vor 38 Wochen

Die einen nehmen es schon immer Ernst, Vereinzelung und Homeoffice seit einem Jahr, Kinder Monate zu Hause, jedes Treffen mit einem Freund fast ein Verbrechen. Von morgens bis abends nur Abstand und Maske. Die anderen nehmen es nicht ernst und deshalb infizieren sich noch so viele. Bestraft werden die, die das nicht verursacht haben. Die Regelmissachter gehen weiter auf die Baustelle, ins Büro oder zur Garagenparty, die gehen ja nicht mehr in Kita und Schule und starren jeden Morgen auf die Inzidenz, ob sie morgen noch gehen dürfen. Nein, DAS wird nur von den Familien verlangt, die sowieso schon die meisten Einschränkungen haben. Branchen sind auch extrem unterschiedlich betroffen. Die einen existieren praktisch nicht mehr, die anderen machen die Gewinne ihres Lebens, ohne dass sie dafür mehr abgeben müssten. Es IST NICHT SOLIDARISCH. Nicht solidarisch ist auch, dass Kinder nicht geimpft werden, die meisten Einschränkungen haben, obwohl am wenigsten betroffen.

Kritische vor 38 Wochen

Ich finde das auch alles schlimm und krass. Aber die Menschen haben schon genug Angst und kaum einer schläft noch durch. Es können auch Kita- und Schulschließungen nicht damit gerechtfertigt werden, wenn in den betroffenen Einrichtungen keine oder wenig Infektionen vorkommen. Es sollte höchstens mal beschlossen werden, dass es eine Testpflicht in den Unternehmen und Homeofficepflicht auch in kleineren Firmen gibt. Oft genug beordert der Chef die Leute zurück und da passieren doch die Ansteckungen. Ich sehe hier täglich vor den kleinen Firmen Gruppen von Leuten dicht zusammen stehen und rauchen, während die Kinder zu Hause bleiben müssen. Da platzt dem Friedfertigsten irgendwann der Kragen. Auch könnten statt Berichte von den Intensivstationen mal Berichte über den Alltag von Familien kommen, die vielleicht mehrere Kinder, wenig Geld und auch Homeschooling und Berufe vereinbaren müssen. Ich kenne Mütter, die um 10 Jahre gealtert sind, die nur (noch) funktionieren.

wwdd vor 38 Wochen

Ist doch egal und es ist außerdem diesmal nach der langen gemeinsamen Zeit in der Kellerkneipe (ohne Coronaerkrankte) draußen. Denn lebe ständig, du bist länger tot als lebendig.

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Wildschwein 1 min
Bildrechte: MDR/Andreas Müller
1 min 20.01.2022 | 14:24 Uhr

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Mi 19.01.2022 15:00Uhr 00:46 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/halle/audio-1937114.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Mehr aus Sachsen

SSP_RB-Hansa 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK