Interview Uniklinik Leipzig sucht dringend Blutspender: "Alles wird gebraucht"

Ob wegen eines Unfalls, einer OP oder aufgrund einer Krebserkrankung - auf eine Blutspende kann jede und jeder mal angewiesen sein. Um die Blutversorgung sicher zu stellen, gibt es mehrere Blutspendedienste in Deutschland. Auch in Krankenhäusern wie dem Universitätsklinikum Leipzig können Menschen Blut spenden. Aktuell ist das besonders wichtig, sagt Prof. Reinhard Henschler vom Institut für Transfusionsmedizin. MDR SACHSEN erklärt er, warum Corona und der Ukraine-Krieg zu Engpässen führen.

Eine Ärztin hält einen Beutel mit Erythrozyten-Konzentrat.
In Deutschland können Menschen in einem Alter zwischen 18 und 65 Jahren Blut spenden - mit einigen Ausnahmen. Die Spende retten vor allem Krebspatienten und bei Operationen Leben (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Frage: Herr Henschler, in der Gesellschaft hat sich der Gedanke verfestigt, dass die Pandemie so gut wie vorbei sei. Kommen wieder mehr Spender zu Ihnen? Oder läuten die Alarmglocken, weil Blut knapp wird?

Reinhard Henschler: Nicht nur langsam, die läuten schon ganz kräftig. Im Moment können Sie sich vorstellen, dass ein Teil unserer Blutspender nicht kommen kann. Sie haben zum Teil Covid, einige sind in Quarantäne. Sie können oder dürfen nicht aus dem Haus, oder sie müssen sich erst noch testen lassen. All diese Geschichten spielen da rein, sodass wir weniger Blutspender als normalerweise haben. Auf der anderen Seite haben wir mehr Patienten: Wir hatten Covid, Operationen müssen nachgeholt werden, Krebspatienten werden behandelt. Auch aus der Ukraine haben wir auch schon die ersten Krebspatienten. Wenn wir in die Zukunft gucken, machen sich die Krankenhäuser in Deutschland auch dafür bereit. Dafür brauchen wir Blut.

Ein Mann lächelt in die Kamera.
Prof. Reinhard Henschler leitet das Institut für Transfusionsmedizin an der Uniklinik Leipzig. Bildrechte: MDR/K.Pritzkow

Inwiefern spielt Covid-19 beim Blutbedarf eine Rolle?

Wir hatten in Leipzig viele Covid-Patienten - auch viele Schwerkranke. 2021 brauchten wir 15 Prozent mehr Blutkonserven, vor allem für Covid-Patienten, die auf Intensivstationen lagen. Sie brauchen häufiger Blut als übrige.

Viele OPs wurden während der Pandemie verschoben, etliche werden nachgeholt. Wir wissen aus dem Klinikum in Chemnitz, dass dort schon wieder ein gegenteiliger Effekt eingetreten ist, dass also Operationen verschoben werden müssen. Ist das auch an der Uniklinik Thema?

Ja, wir haben hier beobachtet, dass OPs zurückgefahren wurden. Aber wir haben auch gemerkt, dass 70 Prozent der Operationen gar nicht verschoben werden können. Die sind dringend. Momentan sind wir wieder bei 80 Prozent. In der Tat beobachten wir das auch. Man muss sich danach richten: Wie viele Covid-Patienten hat man? Hier sind wir im Moment in der glücklichen Lage, dass die noch nicht wieder stärker zugenommen haben. Zum anderen brauchen sie Personal. Wir haben viele Personalausfälle in allen Bereichen - auch in der Pflege und im Operationsbereich. Das alles zusammengenommen, schränkt ein. Wir tun, was wir können.

Einer Frau wird Blut abgenommen.
Für Irene Born (links) ist das Blutspenden seit 15 Jahren selbstverständlich. Sie arbeitet als Krankenschwester und spendet aus Solidarität. Krankenschwester Christine Heinemann (rechts) freut sich über das Engagement. Bildrechte: MDR/K.Pritzkow

In Leipzig liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei mehr als 2.000 Wie lange müsste ich mit der Blutspende warten, wenn ich mich gerade infiziert habe?

Nach einer Corona-Infektion gibt es eine einheitliche Regel: Sicherheitsabstand vier Wochen. Dann kann man wieder spenden. Übrigens, wenn man Kontakt mit jemandem hatte, der covid-positiv war, dann geht es auf zwei Wochen zurück. Da gibt es klare Vorschriften. Das kann man machen, weil man weiß, dass das Corona-Virus über das Blut nicht übertragen wird.

Warum sind die Vorschriften bei einer Corona-Infektion andere als wenn ich mich beispielsweise mit der Grippe infiziert habe?

Es zählt auch etwas, ob der Spender als Person fit ist. Das Coronavirus kann einen schon beeinträchtigen - etwas stärker als andere Viren. Da berücksichtigt man eine etwas längere Zeit, damit man sicher ist, dass Kreislaufkomplikationen, die man schon mal haben kann, auch wenn man Covid hatte, nicht auftreten. Deswegen der Sicherheitsabstand.

Gibt es eine Blutgruppe, die besonders dringend gebraucht wird?

Alle sind prinzipiell gleich nötig. Genauso wie die Blutgruppen verteilt sind unter den Patienten, so sind sie auch unter den Blutspendern verteilt. Man versucht, jedem Patienten mit Blutbedarf zu geben, was er auch selber hat. Nur in wenigen Ausnahmefällen braucht man tatsächlich die Blutgruppe 0. Das ist nur ein ganz kleiner Prozentsatz. Jede Blutspende in jeder Blutgruppe ist gleich willkommen und notwendig. Alles wird gebraucht.

Vielen Dank für das Gespräch.

"Blutgruppen Kompatibilität" steht in der Überschrift, darunter ist aufgelistet, welche Blutgruppen miteinander kompatibel sind.
Nicht jedes Blut passt für jeden Empfänger - nur die Blutgruppe 0 negativ ist für alle Menschen geeignet. Darum werden Bluttransfusionen dieser Blutgruppe für Notoperationen vorgehalten, bei denen eine vorherige Blutgruppenbestimmung des Patienten nicht möglich ist. Bildrechte: DRK Blutspendedienst/Panthermedia

MDR (kp)

3 Kommentare

ElBuffo vor 21 Wochen

Wie jetzt, für Covid-Patienten wurde gespendetes Blut verwendet? Hat man da wenigstens vorher die Patienten gefragt, ob sie es nicht lieber der Natur überlassen wollen?

Tom0815 vor 21 Wochen

Hält die Maskenpflicht Sie vom Spenden davon ab?

Lotrecht vor 21 Wochen

Ich war vor der Maskenpflicht auf der Pritsche 6x im Jahr Blut spenden. Ich hoffe, dass ich bald wieder vorbeikommen kann.

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