Coronaschutzverordnung Per Formular: Erfolgter Coronatest kann selbst bezeugt werden

Am Donnerstag ist in Sachsen wieder einmal ein Update der Coronaschutzverordnung in Kraft getreten. Neu ist unter anderem, dass sich Kunden sogenannter körpernaher Dienstleistungen wie Haareschneiden oder Fußpflege jetzt vorher testen lassen müssen. Sie können aber auch zu Hause einen Selbsttest machen und dann ein Formular ausfüllen und mitbringen. Ähnliche Regelungen gab es bereits für Schulen und Fahrschulen. Aber wie wird dann überhaupt kontrolliert, ob es wirklich einen Test gab?

Mit Munschutz schneidet eine Frisörin einem Kunden die Haare.
Vor dem Friseurbesuch gilt ab sofort: Selbsttest machen oder testen lassen. Bildrechte: imago images/Jörg Halisch

Wer ab heute bei Sylvia Reimann den Friseursalon betritt, braucht dafür eine Art Eintrittskarte. Darauf muss in etwa stehen: Ich habe mich heute auf Corona getestet, Ergebnis negativ. Und das muss Sylvia Reimann, Obermeisterin der Friseurinnung in Leipzig, dann glauben. "Also ich kann natürlich nicht kontrollieren, ob die Kundin sich heute Morgen getestet hat, ich vertraue auf die Aussage der Kundin, was anderes kann man da nicht machen – das betrifft aber jeden, der so ein Formular vorgesetzt kriegt."

Sozialministerium setzt auf Ehrlichkeit

Das passende Formular gibt es seit Mittwoch auf der Seite des Sächsischen Sozialministeriums zum Download. Darauf trägt man nach dem Selbsttest die persönlichen Kontaktdaten ein sowie die Informationen zum Test: Name, Hersteller, Zeitpunkt der Durchführung und natürlich das Ergebnis.

Was dagegen nicht auf dem Formular steht, ist beispielsweise eine genaue Zuordnung zum Test-Kit. Die Angaben der Anwenderinnen und Anwender lassen sich also nicht nachverfolgen oder kontrollieren. Aus dem Sozialministerium Sachsen heißt es dazu: "Wir gehen davon aus, dass wir diese Pandemie gemeinsam bewältigen wollen und dass diejenigen, die sich zu Hause selbst testen und das Formular ausfüllen, dann auch ehrlich sind. Die Hoffnung ist, dass die Menschen dies auch anerkennen, weil es zum eigenen Schutz und zum Schutz der Friseurin ist."

Dienstleister zeigen Vertrauen in Kundschaft

Andere Dienstleister haben schon Erfahrung mit dem System: Zum Beispiel bei Musik-, Flug- oder Fahrschulen. Dort müssen Schülerinnen und Schüler schon seit Anfang März vor jedem Unterricht einen tagesaktuellen Coronatest nachweisen, erzählt Andreas Grünewald, Vorsitzender des Landesverbands sächsischer Fahrlehrer. "Deshalb hatten wir ein Formblatt erstellt, welches die Fahrschulen dann auch genutzt und den Bewerberinnen und Bewerbern übergeben hatten. Damit lag die Verantwortung über den durchgeführten und auch negativen Test dann allein beim Bewerber oder bei der Bewerberin."

Die Gefahr, dass dabei Falschangaben gemacht werden – also dass Menschen ins Auto steigen, ohne überhaupt einen Test gemacht zu haben – gebe es aber nicht, sagt er: "Ich glaube, durch die wiederholte Inanspruchnahme unserer Dienstleistung, durch die Fahrschultätigkeit, ist ja doch ein anderes Vertrauensverhältnis oder ein persönlicheres Verhältnis zum Fahrlehrer oder zur Fahrlehrerin gegeben." Grünewald sieht da einen Unterschied zum Friseurbesuch, wenn man nach "einer halben Stunde wieder weg" sei und nach sechs Wochen vielleicht wieder vorstellig werde."

Friseurin bietet selber Selbsttests an

Dass ihre Kundinnen und Kunden schummeln, darüber macht sich Sylvia Reimann von der Friseurinnung Leipzig ebenfalls keine Sorgen. Sie fürchtet eher, dass sie wegen des zusätzlichen Aufwandes gar nicht mehr kommen. Sie sei nicht für die Maßnahme, da sie, wie sie befürchtet, "künstlich Zahlen in die Höhe" treibe, wodurch Unsicherheit in der Bevölkerung entstehe. Der ein oder andere Kunde sage dann ab, weil es ihm nicht wichtig genug sei – "was für uns als Berufsgruppe schwere wirtschaftliche Folgen hat", sagt Reimann. Sie hat sich deshalb auf eigene Faust einige Selbsttests besorgt und will diese in ihrem Salon anbieten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. April 2021 | 06:21 Uhr

32 Kommentare

Critica vor 10 Wochen

Cherry, Friseure werden sich daran halten, aus Angst vor erneuten Schließungen. Ich vermute aber, dass die orientalischen Barber-Shops das eher lax nehmen. In meiner Stadt gibt es viele davon, und durchs Fenster kann man sehen, dass weder der Friseur noch der Kunde Maske trägt.

Critica vor 10 Wochen

Kritische, wenn man einfach von allem weg bleibt (Zoo etc.), dann wird sich alsbald eine neue, andere Lösung seitens der Regierung ergeben.
Was das stundenlange Masketragen anbelangt, gebe ich Ihnen Recht.
FFP2-Masken sind Arbeitsschutzmasken (keine medizinischen Masken), die nur 60 Minutan am Stück getragen werden dürfen, danach 30 Minuten Pause. Das Procedere darf viermal in 24 Stunden wiederholt werden, und es sind regelmäßige Lungenfunktionstests notwendig, sagt das "Allgemeine Arbeitsschutzgesetz".
Und im Übrigen ist Atmen im Freien ohne Maske gesünder.

Critica vor 10 Wochen

Leipzscher,
wenn man der Regierung glaubt, dann ist man nach zwei Impfungen "clean". (Ich weiß, dass es nicht so ist, aber mit diesen Argument wird für die Impfung geworben.)
Folglich müsste es ausreichen, wenn man den Impfausweis vorzeigt und muss sich nicht fortwährend testen lassen.
Oder könnte es sein, dass es bald neue "Affären" gibt, Teststäbchenaffären? (Hinweis für den mdr: Dies ist eine Vermutung von mir)

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