Corona-Lockerungen Waschen, schneiden, Abstand halten - Friseure in Sachsen öffnen wieder

Kurz vor Weihnachten mussten die Friseursalons im Land schließen. Zehn Wochen lang keine Tönung, kein Haarschnitt, keine Dauerwelle - so wollte es die Corona-Schutzverordnung. Seit dem 1. März dürfen die Friseurinnen und Friseure wieder den Kampf gegen Spliss und graues Haar aufnehmen und sind restlos ausgebucht. MDR SACHSEN durfte den Friseuren in einem Leipziger Salon für eine Stunde über die Schulter schauen.

Ein Leipziger Friseursalon
Zutritt nur mit medizinischer Maske, gilt im Salon Hair by Fauth im Leipziger Stadtteil Plagwitz. Seit Montag wird hier wieder geschnitten, gefärbt und geföhnt. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

"Nein, ich habe keinen Termin diese Woche mehr, tut mir leid." Friseurmeister Stefan Erbe blättert in seinem dicken schwarzen Terminbuch. Links hält er das Telefon. "Ja, schon seit letzter Woche haben wir Termine vergeben. In drei Wochen? Ja, 10 Uhr, ich trage es ein. Danke, tschüss!" So geht es nun alle paar Minuten im Friseursalon Hair by Fauth im Leipziger Südwesten. Es ist Montagmorgen und der erste Tag, an dem Friseursalons seit dem Lockdown im Dezember wieder öffnen dürfen.

Längere Öffnungszeiten nach wochenlangen Ladenschließungen

Geschäftsführer eines Leipziger Friseursalons: Ein Mann schwarz gekleideter Mann mit Vollbart, Brille und schwarzer Schirmmütze
Friseurmeister Stefan Erbe ist Geschäftsführer des Salons in Plagwitz. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Weil der Ansturm so groß ist, haben Geschäftsführer Stefan und seine Kolleginnen die Öffnungszeiten deutlich ausgeweitet. Über Terminversteigerungen oder Salonöffnungen ab 0 Uhr, wie es mancher Konkurrent handhabt, kann Stefan nur den Kopf schütteln: "450 Euro für den ersten Termin. So nötig kann man es doch gar nicht haben. Und wer um Mitternacht den Laden öffnet, der verheizt sein Personal. Wir freuen uns alle, dass es wieder losgeht. Aber das hat auch Grenzen, finde ich."

Statt von 9 bis 19 Uhr können sich die Kunden in den ersten Wochen zwischen 8 und 21 Uhr von Stefan und seinen Kolleginnen die Haare machen lassen. "Ich bin gespannt, was mich erwartet", erzählt der Friseurmeister, aber er gehe entspannt in den Tag. "Wenn jemand selbst geschnitten hat und es ist daneben gegangen, dann bessern wir eben aus. Übrigens halten sich Anfragen von Kundinnen und Kunden die Waage. Von Männern und Frauen bekommen wir etwa gleich viele Anfragen." Zusammen mit den Friseurinnen Manja und Maria bildet er heute die Vorhut gegen graue Ansätze und aus der Form geratene Faconschnitte.

"Wer heute anruft, ist ein bisschen spät dran"

Zwei Herren nehmen gleich zu Beginn des Tages in sicherem Abstand zueinander ihre Plätze ein. Sie haben sich die begehrten ersten Termine gesichert. Einer von ihnen ist Gert Lammler - seit zwei Jahren Kunde im Salon. Während Maria ihm das graue Haar einschäumt, erzählt er von seinem kleinen Erfolg. "Ich arbeite hier um die Ecke und habe vor ein paar Tagen den Aushang gesehen, dass es jetzt wieder Termine gibt. War dann gar kein Problem. Wer natürlich erst heute anruft, ist ein bisschen spät dran." Wie auf Kommando klingelt im Empfangsbereich wieder das Telefon.

Herr Lammler trägt medizinische Maske während seines Termins - eine Vorschrift im Salon. Die Maskenpflicht gilt für alle, sogar für Kinder unter sechs Jahren. Kaffee oder Wasser gibt es weiterhin nicht beim Friseurbesuch. Stattdessen Abstand halten, Hände beim Betreten des Ladens desinfizieren und am Platz einen Kontaktbogen ausfüllen, falls eine Nachverfolgung doch noch nötig werden sollte.

Strenge Regeln für Personal und Kunden

Damit der Laden überhaupt öffnen kann, gibt es vonseiten des Salons aber noch deutlich mehr Regeln: Nur sechs Menschen gleichzeitig dürfen sich im Salon aufhalten - drei Friseure und drei Kunden. Abstand halten, ist das oberste Gebot. Wer zu früh zum Termin erscheint, muss draußen warten. Außerdem ist das Desinfektionsspray immer griffbereit. "Nach jedem Kunden wird bei uns der Platz abgewischt, Scheren und Maschinen werden desinfiziert. Handtücher und Umhänge werden natürlich nach jedem Kunden gewaschen. Das EC-Karten-Gerät ist eine Keimschleuder, da wischen wir sehr regelmäßig drüber. Und wir selbst versuchen, unsere Pausen zu staffeln, sodass sich nicht zu viele Leute im Aufenthaltsraum befinden", zählt Stefan die Maßnahmen der Salonleitung auf.  

Hinzu kommen die wöchentlichen Corona-Tests des Personals, die in der sächsischen Allgemeinverfügung vorgeschrieben sind. Zwei Kolleginnen sind für die Testungen aller Mitarbeiter der drei Filialen verantwortlich. Sie haben die Zeit des Lockdowns genutzt und eine entsprechende Schulung beim Deutschen Roten Kreuz gemacht.

Über Schwarzarbeit spricht man nicht

Obwohl das aktuelle Haarschneiden nicht mehr vergleichbar ist mit dem Friseurbesuch von früher, gibt es für Herrn Lammler keinen Grund zur Klage: "Das ist doch alles kein Problem. Ich muss ja auch nicht lange die Maske tragen. Die Friseure und Friseurinnen haben sie den ganzen Tag auf - das stelle ich mir viel anstrengender vor." Er freut sich sichtlich auf den Haarschnitt. Am 9. Oktober sei er das letzte Mal da gewesen. "Das sieht man auch. Ich sehe aus wie Guildo Horn. Aber wenigstens weiß meine Friseurin jetzt, dass ich nicht bei der Konkurrenz war", lacht er, während sein Haar Zentimeter um Zentimeter kürzer wird.

Ein Kunde lässt sich die Haare schneiden
Bei Gert Lammler liegt der letzte Haarschnitt schon Monate zurück. Trotz der wilden Mähne wollte er lieber auf seine Friseurin warten. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Schwarzarbeit während des Lockdowns sei ein großes Thema erzählt auch Friseurmeister Stefan. "Unter Kollegen spricht man aber nicht darüber, ob jemand was schwarz gemacht hat. Das müssen sie alle für sich entscheiden. Ich habe ganz viele Anfragen bekommen, ob ich mal bei meinen Kunden 'auf einen Kaffee' vorbeikommen möchte. Habe ich alles abgelehnt und lieber die Zeit mit meinem Kind verbracht. Das ist geschenkte Zeit, die ich so nie wieder haben werde. Und wer einen Termin bei mir möchte, der wartet."

Sorge um ältere Kunden bleibt

Das volle Terminbuch gibt ihm recht: Die Meisten haben gewartet. Darunter auch eine betagte Dame und seine erste Kundin des Tages: waschen, schneiden und Dauerwelle stehen an. Mit deutlich über 80 Jahren gehört sie zur Risikogruppe in der Corona-Pandemie. Und obwohl Stefan sich auf seinen Einsatz freut, hat er auch Sorge: "Ich persönlich habe keine Angst vor dem Virus. Aber ich habe Angst davor, Kunden von mir anzustecken, indem ich vielleicht nur als Überträger diene. Gerade bei einer älteren Dame, die ein bisschen länger hier sitzt."

Doch viel Zeit für Sorgen bleibt an diesem Morgen nicht. Schon wieder klingelt das Telefon. Herr Lammler möchte nach seinem "erfolgreichen Umstyling", wie er es nennt, bezahlen. Und der nächste Kunde kommt gerade mit dem Fahrrad vorgefahren. Fliegender Wechsel im Salon, Haare schneiden im Akkord. Es ist gerade erst 9 Uhr. Erst in zwölf Stunden wird Stefan den Laden abschließen.

Kunden im Leipziger Friseursalon
Von "Guildo Horn" zu kurz und elegant: Gert Lammler ist zufrieden mit seinem Umstyling. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.03.2021 | 07:00 Uhr in den Nachrichten

4 Kommentare

Swuff vor 6 Wochen

Früher sah man nicht das der Kaiser keine Kleider anhat, heute sieht man nicht das der Friseur kein Hygienekonzept kann. Also zumindest wenn ich mir den Beitrag über Friseur Peter anschaue und jeglichen kritischen Kommentar seitens des MDR vermisse.

Fällt das niemand auf das Personal am Kunden die Maske nicht über die Nase bekommt? Das präsentiert man hier noch stolz als strenges Hygienekonzept, nach einem Jahr Pandemie. Da hilft auch kein Test denn der ist bestenfalls eine Momentaufnahme für den jeweiligen Tag. Wird beim MDR schon quer-gedacht oder ist es einfach nur egal? Muss man sich wundern das es in der Bevölkerung nicht klappt wenn sowas als Musterbeispiel verkauft wird?

wer auch immer vor 6 Wochen

Und schön das Trinkgeld versteuern bzw. Sozialabgeben zahlen damit beim nächsten LockDown auch mehr vom Staat kommt.
Aber da wird dann wieder gejammert.

wwdd vor 6 Wochen

Bei mir macht es bei einem Schwarzschnitt während des ersten Lockdowns jetzt ein von meiner Frau bedienter Haartrimmer. Bei einer heute bei meinem Friseur erfragten Preissteigerung von 13,50 Euro auf 24,50 Euro, rechnet er sich immer schneller.

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