Nachbarschaftshilfe Händler in Grimma hilft Kollegen im Lockdown

Wer noch nicht alle Weihnachtsgeschenke zusammen hat, der guckt seit Montag ganz schön in die Röhre. Die Geschäfte bleiben im harten Lockdown zu. Viele steigen deshalb auf Online-Shopping um, was den lokalen Händlern ganz schön zusetzen kann. Damit die durch die Krise kommen und nicht ganz auf das Weihnachtsgeschäft verzichten müssen, ist ein Unternehmer aus Grimma auf eine findige Idee gekommen. MDR SACHSEN-Reporterin Friederike Schicht hat mit ihm über die außergewöhnliche Nachbarschaftshilfe gesprochen.

Regio-Outlet Grimma bietet Hilfe im Lockdown
Andreas Böhmann ist Inhaber des Grimmaer Geschäfts Regio-Outlet. Er darf auch während des Lockdowns seine Waren verkaufen - und macht das auch für seine Kollegen möglich. Bildrechte: MDR/Friederike Schicht

Wer durch die Grimmaer Altstadt schlendert, läuft an vielen geschlossenen Geschäften vorbei. Der Lockdown ist sichtbar. Ein Laden, der noch öffnen darf, ist das Regio-Outlet. Dort werden regionale Lebensmittel wie Säfte aus Dürrweitzschen oder Gemüse aus Köhra verkauft.

Seit kurzem wird der Laden aber auch zum Umschlagplatz für die Waren der von Corona gebeutelten Einzelhändler, erzählt Inhaber Andreas Böhmann: "Die Schaufenster der Kollegen in Grimma sind ja alle sehr schön dekoriert jetzt in der Vorweihnachtszeit und der Kunde kann sich das dann raussuchen im Schaufenster." Zusätzlich ist auch die Nummer der Händler gut zu sehen. Die Kundinnen und Kunden können dann anrufen und bestellen. Der Händler packt dann Pakete oder Tüten zusammen und bringt sie im Regio-Outlet vorbei. "Dann wird das hier abgeholt", erklärt Böhmann das Procedere weiter. "Wir kassieren und das Geld fließt zu den Händlern zurück."

Keine Gebühren für Kunden und Kollegen

Ob die Hose dann aber teurer wird als sonst? Böhmann meint: "Auf die Preise der Händler haben wir natürlich keinen Einfluss. Ich gehe davon aus, dass die Händler ihre Preise nehmen, die sie auch normal im Laden hatten." Liefergebühren oder einen Abschlag will der Unternehmer für seine Hilfe nicht. Das sei selbstverständlich, sagt er.

Sorgen im Einzelhandel

Regio-Outlet Grimma bietet Hilfe im Lockdown
Ein Hinweis im Schaufenster verrät: Heidrun Meutzner bietet ihr Sortiment auch weiterhin an - nur nicht in ihrem Laden. Bildrechte: MDR/Friederike Schicht

Fünf machen bisher mit - aus dem Textilbereich beispielsweise. Aber auch Gastronomen sind dabei, die hier Gutscheine ausgeben. Einzelhändlerin Heidrun Meutzner macht ebenfalls mit. Seit fast 30 Jahren führt sie einen Schreibwarenladen. Schon im ersten Lockdown ist sie auf das Angebot von Regio-Outlet zurückgekommen. Auch jetzt hängt wieder ein entsprechendes Hinweisschild in ihrem Schaufenster. Ihr Versuch, noch etwas Geld zu verdienen.

"Man muss sich bemerkbar machen," sagt die Einzelhändlerin. "Gerade jetzt ist es besonders schlimm. Das Ostergeschäft ist total weggebrochen, aber das Weihnachtsgeschäft ist eins der wichtigsten, die ich habe. Und es geht auch in den Januar hinein - das macht mir ganz große Sorgen."

Händler vor Ort unterstützen

Noch haben nicht all zu viele Grimmaer auf das Angebot zurückgegriffen. Im ersten Lockdown wurden 30 bis 40 Bestellungen pro Woche im Regio-Outlet abgeholt. Trotzdem halten es die meisten für eine gute Idee. Eine Passantin beispielsweise meint: "Das kann man wirklich nutzen, um die Händler hier zu unterstützen - es gibt ja nicht mehr all zu viele."

Damit den Service mehr Händler und vor allem Kunden kennenlernen, wird ordentlich Werbung in den sozialen Netzwerken betrieben. Und sonst läuft alles über Mund-zu-Mund-Propaganda. Heidrun Meutzner hofft, so durch die Krise zu kommen. Sie bleibt optimistisch. Immerhin hat sie schon zwei Hochwasser geschafft.

Quelle: MDR/fs/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.12.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

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