Corona-Pandemie Kinder-Impftag in der Arena Leipzig

Anfang Dezember hat die Sächsische Impfkommission (Siko) das Impfen von Kindern zwischen fünf und elf Jahren empfohlen. Zunächst sollen aber nur Kinder geimpft werden, wenn diese einer Risikogruppe angehören oder Kontakt zu Risikopatienten haben. Diese Woche ist die Impfaktion angelaufen. Sachsenweit sind fast 300 Kinderärzte und 20 Kinderkliniken daran beteiligt. Ergänzend dazu gibt es auch spezielle Angebote wie am Sonnabend in den drei kreisfreien Städten. Dresden, Chemnitz und Leipzig hatten zum Kinder-Impftag aufgerufen.

Eine Halle vor der eine lange Menschenschlange steht
Seit dieser Woche werden in Sachsen Impfungen für Kinder zwischen fünf und elf Jahren angeboten. In Leipzig gab es am Sonnabend eine Kinder-Impfaktion und der Zuspruch war enorm. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Sonnabend 12 Uhr, Nieselregen. Auf dem Vorplatz der Arena Leipzig toben Kinder. Um das Gebäude herum stehen ihre Eltern in einer langen Schlange. Sie alle warten auf Einlass. Kein Handballspiel, keine Veranstaltung steht auf dem Spielplan. An diesem Tag gibt es die Kinder-Impfaktion gegen das Coronavirus, organsiert vom Deutschen Roten Kreuz, Kreisverband Stadt-Leipzig. 200 Dosen sollen an die fünf- bis elfjährigen Kinder verabreicht werden, gemäß der Siko-Empfehlung von Anfang Dezember.

Großer Andrang, geduldiges Warten

Manche der Familien stehen mit ihren Kindern schon ein, zwei Stunden vor der Arena und warten. Dass der Andrang so groß ist, überrascht hier einige. Sie habe gedacht, weil das heute ohne Terminvergabe geschieht, werde gar nicht so viel los sein, erzählt eine ältere Dame MDR SACHSEN, die mit Tochter und Enkelin in der Schlange steht. Ihre Tochter und sie seien Risikopatientinnen, daher der Wunsch nach einer Corona-Schutzimpfung für die Enkelin, begründet sie den Entschluss der Familie.
Auch in der Familie von Tom Sicker und seinem Sohn Joschka gibt es Risikopatienten. Auch bei ihnen stand außer Frage, dass geimpft wird, sobald es möglich ist. Angst vor dem Piks hat Joschka nicht.

In meiner Klasse gab es halt jetzt mehrere positive Tests. Und deswegen will ich mich jetzt mal schnell impfen lassen.

Joschka Sicker Schüler

Ein Mann mit einem Kind
Papa Tom Sicker ist mit seinem Sohn Joschka an die DRK-Impfstelle gekommen. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Eine andere Mutter in der Warteschlange spricht von Solidarität. Ihre beiden älteren Söhne seien geimpft, es gebe Familienmitglieder, die zur Risikogruppe gehören und außerdem wisse man ja nicht, was Corona noch so auf Lager habe.

Nicht alle der angesprochenen Eltern haben sich schnell für eine Impfung entschieden. Falk Stiebitz hat dafür mehrere Wochen gebraucht. Zu viele unterschiedliche Informationen, viel Verwirrung, erzählt er. Dass er nun hier mit seinem Sohn Len in der Schlange steht, dafür sei zum einen die derzeitige Corona-Lage ausschlaggebend. Zum anderen sei völlig unklar, wie die Pandemie im kommenden Jahr verläuft, erklärt er MDR SACHSEN.

Die Einschläge kommen immer näher und wir bekommen es durch Selbstschutz nicht mehr hin. Das ist eigentlich unmöglich.

Falk Stiebitz Vater

Ein Mann mit einem Kind
Falk Stiebitz ist mit seinem Sohn Len zum Impfen gekommen. Für Len ist die Corona-Schutzimpfung nicht anders, als wenn er sich gegen Grippe impfen lässt. Angst hat er keine. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Maria Biebel hatte ebenfalls lange das Für und Wider einer Impfung abgewägt. Nicht nur für ihre elfjährige Tochter Lotta, sondern auch für sich selbst. Doch nun steht Weihnachten vor der Tür. Sie selbst habe die Impfung gut vertragen; die Ängste seien nun ein wenig geringer, berichtet Biebel.

Eine Frau mit einem Kind
Die elfjährige Lotta ist generell vom Impfen nicht begeistert. Ihre Mama Maria Biebel gibt ihr seelische Unterstützung. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Wir haben Kontakt zu Risikopatienten an Weihnachten. Und jetzt haben wir gesagt: 'Okay, ich habe es gut vertragen, dann jetzt Sie auch'.

Maria Biebel Mutter von Lotta

DRK von Ansturm überrascht

Während draußen die Großen fast stoisch ausharren und die Kleinen durch die Gegend toben, läuft im Inneren der Arena das Impfen auf Hochtouren. Im Eingangsbereich wird aufgeteilt: Links die Erwachsene mit Impftermin, rechts die Fünf- bis Elfährigen mit Eltern und ohne Impftermin. Zwei Kinderärztinnen und Ärzte stehen bis 20 Uhr nur für junge Impfwillige zur Verfügung.

Wie lange pro Kind gebraucht wird, kann Olaf Hagenauer, Chef des DRK Kreisverbandes Stadt Leipzig nicht sagen. Man habe keine Erfahrung, wie lange die Aufklärung dauert mit den Kindern, erklärt er. "Welche Fragen die Älteren haben und dergleichen, ob die Kinder Angst haben oder auch nicht vor der Spritze", zählt er die Unbekannten in der Gleichung Kinderimpfen auf. Jetzt heiße es für das DRK Erfahrungen sammeln. Gleiches gilt bei der Erfassung und Auswertung von möglichen Impfreaktionen. Wie die Erwachsenen werden die Kinder nach dem Impfen für einige Minuten beobachtet. Treten Reaktionen direkt nach dem Impfen auf, werden diese nach Dresden gemeldet.

Ein Mann schaut in die Kamera
Leipzigs DRK-Chef Olaf Hagenauer war vom Ansturm am Sonnabend überrascht und hofft, dass es in den kommenden Wochen keine langen Wartezeiten mehr gibt. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Situation soll sich bald verbessern

Hagenauer hofft, dass künftig lange Wartezeiten passe sind. Frühestens ab dem 21. Dezember soll das Buchungsportal für die Kinderimpfungen online gehen. Dort sollen dann für den Zeitraum vom 27. bis 30. Dezember täglich Impfangebeote für Kinder hinterlegt werden. Neben den DRK-Impfstellen in Dresden, Chemnitz und der Impfstelle in der Arena Leipzig werden dann auch Termine in Löbau und Eich angeboten.

Ab 8. Januar ist in den fünf sächsischen Impfstellen jeden Sonnabend ein solcher Kinderimpftag zu den regulären Öffnungszeiten geplant. Je nach Nachfrage und Verfügbarkeit von Kinderärzten wird das staatliche Angebot bedarfsgerecht angepasst. Termine sind ebenfalls ab dem 21. Dezember ausschließlich über das Online-Portal buchbar.

Eine Familie mit drei Kindern
Familie Stein informiert sich fortwährend über die Impfstoffentwicklung. Fragen an die Ärzte haben die Eltern keine. "Neu ist die Pandemie jetzt irgendwie auch nicht mehr. Die einzigen, die überrascht sind, sind scheinbar immer die anderen", findet Papa Stein angesichts der Impfstoffdiskussion. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Quelle: MDR (bb)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 18. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen