Corona-Impfung Kritik an Aussetzung der Impfungen mit Astrazeneca

Der Impfstoff Astrazeneca wurde am 15.3.2021 in einer Hausarzpraxis in Dippoldiswalde gespritzt.
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Der Leiter der Sächsischen Impfkommission, Thomas Grünewald, hat die Aussetzung der Impfungen mit Astrazeneca kritisiert. Er hätte sich gewünscht, dass diese Entscheidung erst gefallen wäre, nachdem die Zusammenhänge geprüft worden seien und nicht vorher, sagte Grünewald MDR SACHSEN. Die jetzt geführte Diskussion fördere das Misstrauen in der Bevölkerung, sich überhaupt impfen zu lassen. Das sei der falsche Weg.

Dass mögliche Nebenwirkungen geklärt werden, ist essentiell, da gibt es gar keine Diskussion. Was problematisch ist, ist das Hin und Her. Das verunsichert natürlich alle.

Thomas Grünewald Leiter der Sächsischen Impfkommission

Keine Sicherheitsbedenken in Großbritannien

Großbritannien habe mehrere Millionen Dosen dieses Impfstoffes verimpft und die Kollegen dort hätten keine Sicherheitsbedenken, führt Grünewald weiter aus. Bei den vorliegenden Daten geht der Leiter der Sächsischen Impfkommission von einem Risiko von 1:100.000 oder 1:150.000 aus, dass sich bei einer geimpften Person eine Thrombose - also ein Blutgerinnsel - bildet. Als Vergleich gibt Grünebach das übliche Thromboserisiko an, dass bei einem Menschen bei 1:1.000 liege.

Auch der leitende Infektiologe des Leipziger Klinikums St. Georg, Michael Borte, hat die Aussetzung der Impfungen mit Astrazeneca kritisiert. Er sagte dem MDR, wenn Impfungen nicht realisiert würden, nehme man weitere Tote in Kauf. Er befürchte ebenfalls, dass die Bevölkerung Impfungen mit Astrazeneca auch nach einer Überprüfung ablehnen könnte. Borte geht davon aus, dass der zeitliche Zusammenhang zwischen Impfungen und Thrombosen ein Zufall ist.

WHO berät zum Impfstoff

Das in Deutschland für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut hat seine Empfehlung, Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca auszusetzen, verteidigt. Alle wollten sich darauf verlassen, dass die angebotenen Impfstoffe sicher und wirksam seien, sagte Institutspräsident Klaus Cichutek in den ARD-Tagesthemen. Von den sieben in Deutschland aufgetretenen Fällen mit Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang zur Impfung seien drei tödlich verlaufen. Die Befunde seien nun im europäischen Vergleich zu diskutieren und mit europäischen Daten abzugleichen. Bereits heute befasst sich das Beratergremium der Weltgesundheitsorganisation zur Impfstoffsicherheit mit dem Astrazeneca-Impfstoff.

Gespräch zu Impfungen in Arztpraxen verschoben

Das ursprünglich für Mittwoch geplante Gespräch der Regierungschefs von Bund und Ländern über den Start der Corona-Impfungen in Arztpraxen ist nach dem vorläufigen Stopp der Astrazeneca-Impfungen abgesagt worden. Das Treffen werde verschoben, bis eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zu Astrazeneca vorliegt, teilte ein Regierungssprecher in Berlin mit.

Quelle: MDR/ma/epd/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.03.2021 | ab 08:00 Uhr in den Nachrichten

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