Öffnung am 1. März Warum ist uns der Friseur so wichtig?

Am 1. März öffnen in Sachsen die Frisiersalons wieder. Sie können sich vor Terminanfragen kaum retten. Ein großer Teil der Bevölkerung scheint die Tatsache, die Haarpracht nicht unter Kontrolle zu haben, nicht ertragen zu können. Aber warum ist das so? MDR SACHSEN hat nachgefragt.

Eine Frau geht mit Mund-Nasen-Schutz im Frankfurter Gutleutviertel an einem Friseursalon vorbei, dessen Rollläden heruntergelassen sind.
Für viele eine Erlösung: Am 1. März dürfen in Sachsen die Frisiersalons wieder öffnen. Der Run auf freie Termine war riesig. Bildrechte: dpa

Der Soziologe Tilman Allert bezeichnet die Frisur als "Gruß vor dem Gruß". Die Art und Weise, wie Menschen mit ihrer Frisur umgehen, werde von Motiven der Statusdemonstration bestimmt. Das weiß auch Friseurin Claudia Opitz vom Salon Kampajaa in Leipzig: "Die Frisur ist ein Statement nach außen. Sie ist das erste, was wir vom anderen sehen und bestimmt auch, was andere über dich denken."

Äußeres und inneres Wohlfühlen 

Und weil die Frisur so viel über uns verrät, trägt ihre Pflege auch zum eigenen Wohlbefinden bei, meint Opitz. "Wenn wir uns auf dem Kopf wohlfühlen, fühlt sich auch der ganze Körper besser an", fasst sie das Ergebnis eines Besuchs in ihrem Salon im Stadtteil Schleußig zusammen und vergleicht ihn mit einer "Auffrischung des Selbstwerts". Allert nennt Friseursalons aus diesem Grund auch Orte der Identitätsbekräftigung, wo wir uns wieder zu der Person machen können, die wir sein wollen.

Lockdown: Drohen Zerfall und Verrohung?

Und was passiert, wenn der Haarschopf plötzlich in Unordnung gerät, der Friseurbesuch auf unbestimmte Zeit ausbleiben muss? Laut Allert fühlt sich der Mensch dann in seiner Idealisierung von sich selbst bedroht. "Man sieht sich ja schließlich täglich im Spiegel und nimmt im Medium der Frisur Zerfall und Verrohung wahr. Das erscheint dann bedrohlich und möchte korrigiert werden", erklärt er MDR SACHSEN. Und wenn sich der Mensch unwohl fühlt, ziehe er sich nur noch weiter zurück, ergänzt Opitz und betont, wie wichtig es den Kundinnen und Kunden sei, ordentlich auf dem Kopf auszusehen.

Orte der Entschleunigung

Nun könnten Kritiker einwerfen, dass die Ordnung auf dem Kopf auch selbst hergestellt werden könne. Zahlreiche Tutorials im Internet bieten die Möglichkeit zur Selbstfrisur. Aber es geht scheinbar doch um mehr, als nur um den Haarschnitt. Denn der Friseurbesuch ist mehr als nur eine "optische Beratung", meint Opitz. "Der Salon ist ein Ort der Entschleunigung, ein Ort, an dem sich die Menschen wohlfühlen sollen." Im besten Falle gehen die Frisierten mit einem Mehrwert und nicht nur mit der Frisur nach Hause, so die Salonbetreiberin.

Systemrelevanz und Problemlöser

Zu diesem Mehrwert zählt laut Opitz auch die gute Unterhaltung. So spare sich der ein oder andere vielleicht den Psychologen. Denn der Spruch "Hat sie denn keinen Friseur, dem sie das erzählen kann" komme nicht von ungefähr, ergänzt Syliva Reimann vom Salon "Reimann & Reimann" in Leipzig. "Wir sind manchmal auch Problemlöser", erklärt sie. Denn das persönliche Wohlbefinden stehe immer im Vordergrund. "Wenn die Menschen morgens in den Spiegel schauen und unmöglich aussehen, tragen sie das Gefühl durch den gesamten Tag", so Reimann. Aus diesem Grund seien Friseure irgendwie auch systemrelevant und die Freude der Kundschaft über die Öffnung gut nachzuvollziehen.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 26.02.2021 | 19:00 Uhr

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