Protest Weniger Corona-Demonstranten in Leipzig als erwartet

Autokorso in Leipzig
Ein Autokorso der Corona-Demonstranten bei seiner Fahrt durch Leipzig. Nicht überall ging es voran. An manchen Stellen wurden die verschiedenen Korsos auch von Gegendemonstranten gestoppt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gegner der Corona-Maßnahmen haben für ihren Protest in Leipzig weit weniger Menschen mobilisieren können als angekündigt. Die Polizei sprach von 350 Fahrzeugen bei den verschiedenen Autokorsos. Erwartet hatten die Organisatoren rund die dreifache Anzahl. Die Teilnehmer waren unter anderem aus Naumburg, Dresden und Limbach-Oberfrohna nach Leipzig gekommen. Zeitgleich gab es mehrere Gegendemonstrationen verschiedener Bündnisse. Ein Polizeisprecher schätzte die Zahl der Teilnehmer auf etwa 1.000 Personen. Demnach kam es auf beiden Seiten zu Sachbeschädigungen.

Polizei geht gegen abgeklebte Autokennzeichen vor

Die Gegener der Corona-Maßnahmen hatten Plakate an ihre Autoscheiben geheftet und dabei etwa Impfungen gegen Corona kritisiert. Nach Angaben der Polizei hatten mehrere Teilnehmer an einem Startpunkt in Leipzig-Grünau ihre Autokennzeichen abgeklebt. Dagegen seien die Einsatzkräfte vorgegangen, hieß es.

Mehrere Polizisten sowie ein Mann mit Lederjacke stehen vor einem bläulichen Polizeiauto.
Biker von der Gruppe "Kuhle Wampe" beteiligten sich am Gegenprotest. Einer wurde jedoch von der Polizei wegen Sachbeschädigung festgenommen. Bildrechte: MDR/Thomas Datt

Bei ihrer Tour durch Leipzig stießen die Demonstranten immer wieder auf Widerstand. So stellten sich ihnen Fahrradfahrer in der Waldstraße in den Weg und blockierten dadurch die Durchfahrt. Erst mit zwei Stunden Verspätung konnte einer der Korsos im Stadtteil Grünau starten. Ähnlich erging es einer Gruppe Corona-Demonstranten aus Dessau, die am Kulkwitzer See von den Motorradfahrern der Gruppe "Kuhle Wampe" aufgehalten wurde. Wie ein MDR-Reporter berichtete, nahm die Polizei in der Straße Am See wenig später einen Biker fest. Er soll das Auto eines Korso-Teilnehmers beschädigt und Plakate und Fahnen von dem Auto abgerissen haben. Dieses Katz- und Mausspiel zwischen Demonstranten und Gegendemonstranten zog sich durch die gesamte Stadt.

Die Motivation für den Gegenprotest brachte Irena Rudolph-Kokot vom Bündnis "Leipzig nimmt Platz" auf den Punkt.

Gegendemonstration auf dem Leipziger Augustusplatz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Demonstration der Querdenker am 7. November vorigen Jahres auf dem Augustusplatz war ein Superspreader-Event. Das haben Studien bewiesen. Solche Bilder dürfen sich nicht wiederholen, egal ob mit Menschen oder mit Autos.

Irena Rudolph-Kokot Bündnis "Leipzig nimmt Platz"

Karsten Wolf von der "Bewegung Leipzig" kann diese Haltung nicht verstehen. Er sagte MDR SACHSEN:

Ein älterer Mann mit Mütze, Brille und Dreitagebart spricht in ein Mikrofon.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir veranstalten die Autokorsos heute, weil wir unsere Freiheit zurückhaben wollen. Der Coronavirus ist ein ganz normaler Virus, der von der Politik zur Todesseuche gemacht wird. Da herrscht viel Willkür und es werden Falschinformationen gestreut.

Karsten Wolf Mitbegründer "Bewegung Leipzig"

Er sehe sich nicht als Querdenker, sondern als "ganz normaler Mensch", sagte Wolf. Das Mittel der Autokorsos habe man unter anderem aus Angst vor der Antifa gewählt. "Die verfolgen uns bis in die Wohnung", sagte Wolf.

Bildergalerie Corona-Kritik und Gegenprotest in Leipzig

Gegner der Corona-Maßnahmen haben für ihren Protest in Leipzig weit weniger Menschen mobilisieren können als angekündigt. Ein Bündnis aus Vereinen, Initiativen, Parteien und Gewerkschaften demonstriert dagegen.

Autokorso in Leipzig
Gegner der Corona-Maßnahmen haben für ihren Protest in Leipzig weit weniger Menschen mobilisieren können als angekündigt. Bildrechte: MDR/Mario Unger
Autokorso in Leipzig
Gegner der Corona-Maßnahmen haben für ihren Protest in Leipzig weit weniger Menschen mobilisieren können als angekündigt. Bildrechte: MDR/Mario Unger
Autokorso in Leipzig
Die Polizei sprach am Samstagnachmittag in einer ersten Schätzung von etwa 350 Fahrzeugen bei den verschiedenen Autokorsos, die sich auch aus anderen Städten Sachsens und Sachsen-Anhalts auf den Weg in die Messestadt gemacht hatten. Angemeldet waren etwa 1000 Fahrzeuge. Bildrechte: MDR/Mario Unger
Gegendemonstration auf dem Leipziger Augustusplatz
An einem Gegenprotest beteiligten sich laut Polizei ersten Schätzungen zufolge mehr als 1.000 Menschen in Leipzig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gegendemonstration auf dem Leipziger Augustusplatz
Sie machten sich unter dem Motto "Querdenken ausbremsen" per Fahrrad und Motorrad aus verschiedenen Stadtteilen auf den Weg zum Augustusplatz im Zentrum. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gegendemonstration auf dem Leipziger Augustusplatz
Dort gab es am Nachmittag eine Kundgebung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Autokorso in Leipzig
Der Autokorso der Corona-Kritiker auf dem Weg in die Leipziger Innenstadt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Autokorsos blockiert und untersagt

Bereits im Laufe des Vormittags zeigte sich, dass nicht alle Demonstranten Leipzig erreichen werden. So wurde ein Korso, der in Plauen starten sollte, vom Veranstalter aus persönlichen Gründen abgesagt. Außerdem hatte der Vogtlandkreis die Fahrt aufgrund der hohen Corona-Zahlen im Kreis ohnehin schon am Freitag untersagt. In Halle wurde wiederum nach Polizeiangaben ein Autokorso bis in den frühen Nachmittag von 100 Menschen teils mit Gewalt blockiert, so dass er nicht in die Messestadt kommen konnte. Gleichzeitig versammelten sich in Limbach-Oberfrohna laut Polizei zunächst 100 Personen, bevor sie nach Leipzig fuhren.

Augustusplatz statt Impfzentrum

Eigentlich wollten sich die verschieden Korsos im Umfeld des Impfzentrums auf der Leipziger Messe treffen. Weil der Eigentümer der Fläche sein Einverständnis jedoch zurückzog, unterbreitete die Stadt den Demonstranten einen Gegenvorschlag. Diesen lehnten sie aber ab, sodass sich das Geschehen nun auf dem Augustusplatz konzentrieren sollte. Dort ertönte am Ende aber kein Hupkonzert, sondern Fahrradklingeln. Schon am frühen Nachmittag hatten sich rund 500 Gegendemonstranten vom  Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz" versammelt.

Fahrradkorso auf nicht genehmigter Strecke

Unter dem Motto "Querdenken ausbremsen" machten sich die Gegendemonstranten per Fahrrad und Motorrad aus verschiedenen Stadtteilen auf den Weg ins Zentrum. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um die Routen abzusichern. Teilnehmer eines Fahrradkorsos versuchten demnach, eine nicht genehmigte Strecke einzuschlagen.

Gegendemonstration auf dem Leipziger Augustusplatz
Gegendemonstranten versammelten sich mit Fahrrädern auf dem Leipziger Augustusplatz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR/sth/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.03.2021 | 13:00 Uhr in den Nachrichten

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