Großeinsatz der Polizei Corona-Kritik und Gegenprotest in Leipzig

Vier Monate nach einer eskalierten Anti-Corona-Demonstration in Leipzig steht der Stadt erneut eine unübersichtliche Lage bevor. Aus mehreren Landesteilen sollen am Sonnabend Autokorsos nach Leipzig führen. Gegendemonstranten planen Blockaden. Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor.

Ein Polizeifahrzeug in der Innenstadt, während im Vordergrund ein Plakat zu Coronamaßnahmen steht.
Leipzig steht erneut ein unruhiges Wochenende bevor. Bildrechte: dpa

Der Stadt Leipzig steht am Sonnabend erneut ein unübersichtliches Demonstrationsgeschehen bevor. Die Polizei bereitet sich wegen zahlreicher angekündigter Autokorsos und Demonstrationen auf einen Großeinsatz vor. Sie wird dabei unterstützt von der sächsischen Bereitschaftspolizei und Einsatzkräften aus sechs Bundesländern. Polizeipräsident René Demmler sagte, der Einsatz werde "eine enorme Herausforderung sein".

13 Fahrzeugkorsos und Kundgebungen angemeldet

Laut Ordnungsamt der Stadt Leipzig sind insgesamt 13 verschiedene Fahrzeugkorsos und Kundgebungen angemeldet worden. Gegner der Corona-Maßnahmen wollen unter anderem aus Dresden, Zwickau sowie mehreren Städten in Sachsen-Anhalt nach Leipzig anreisen. Dafür haben sie Autokorsos angemeldet, die mit Hunderten Fahrzeugen auf verschiedenen Routen durch Leipzig führen sollen.

Ziel der meisten Autokorsos ist die Neue Messe, wo sich auch das Impzentrum der Stadt befindet. Dort sind an dem Tag alle 600 Impf-Termine ausgebucht, Stadtsprecher Matthias Hasberg kritisiert deshalb die Corona-Gegner. "Seitens der Demonstranten ist das schon etwas perfide", sagte Hasberg MDR SACHSEN.

Ein mann gibt ein Interview.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jeder kann ja der Meinung sein, dass man seine eigene Vorstellung von der Pandemie hat. Aber jetzt andere daran zu hindern, sich impfen zu lassen, ist ein sehr unschöner Zug.

Matthias Hasberg Stadtsprecher in Leipzig

Gegenprotest will "Querdenken ausbremsen"

Der Gegenprotest hat unter anderem unter dem Motto "Querdenken ausbremsen" eine Kundgebung auf dem Augustusplatz sowie mehrere Fahrrad- und Fahrzeugkorsos angekündigt. An dem Aufruf des Aktionsbündnisses "Leipzig nimmt Platz" beteiligten sich auch Grüne und Linkspartei, die Gewerkschaft Verdi, der Verein für Zivilcourage "Erich Zeigner Haus" und ein Motorradclub. Die Veranstalter rechnen mit insgesamt rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Der Leipziger Landtagsabgeordnete der Linken, Marco Böhme, sagte MDR SACHSEN, Ziel sei es, den rechten Protest aus ganz Sachsen nicht unwidersprochen zu lassen und mit Kundgebungen und Blockaden zu zeigen, dass Leipzig eine weltoffene Stadt ist und die Gesundheitsmaßnahmen gegen Corona unterstützt.

Wir wollen keine pauschalen, ideologisierten Aussagen der Querdenker-Demos zulassen - etwa dass das Impfen nicht hilft oder das das Virus gar nicht so schlimm ist. Dem werden wir widersprechen.

Marco Böhme Landtagsabgeordneter Die Linke

Verfassungsschutz: Keine Hinweise auf rechtsextreme Mobilisierung

Der sächsische Verfassungsschutz hat keine Hinweise, dass die rechstextreme Szene für die Anti-Corona-Proteste mobilisiert. Verfassungsschutzpräsident Dirk-Martin Christian sagte, insgesamt bleibe die Veranstaltungs- und Mobilisierungslage aber dynamisch. "Dies trifft auch für die Aufrufe im Internet und in den sozialen Medien zu Gegenprotestmaßnahmen zu." Vor diesem Hintergrund wollte Christian nicht ausschließen, dass die rechtsextremistische Szene auch die geplanten Demonstrationen am Samstag in Leipzig zum willkommenen Anlass nimmt, um öffentlich Präsenz zu zeigen und für ihre verfassungsfeindlichen Ziele zu werben.

Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes werden sich an den Gegenprotesten "mehrheitlich nichtextremistische Personen" beteiligen. Das Landesamt geht aber davon aus, dass die autonome Szene in Leipzig versuchen wird, den Verlauf des "Querdenker"-Aufzugs im Zentrum zu verhindern - auch mit Blockadeversuchen, Sachbeschädigungen und tätlichen Angriffen auf Polizistinnen und Polizisten.

Behinderungen im Stadtgebiet und auf Autobahnen erwartet

Polizei und Stadt stimmen die Leipziger Bevölkerung auf Verkehrsbehinderungen im gesamten Stadtgebiet sowie auf den umliegenden Autobahnen ein. Die Polizei plant, das Geschehen mit mehreren Hubschraubern aus der Luft zu überwachen. Abschleppfirmen seien vorinformiert worden, um schnell auf Behinderungen oder Gefahren bei den Autokorsos reagieren zu können.

Auf dem Leipziger Innenstadtring hatten am 7. November 2020 Zehntausende Anhänger der Querdenken-Bewegung Polizeisperren durchbrochen und waren unerlaubt und unter Missachtung der Corona-Regeln um den Ring marschiert. Mehrere Polizeibedienstete, Journalistinnen und Journalisten wurden angegriffen und zum Teil verletzt. Es gab mehrere Festnahmen.

Quelle: MDR/kb/dpa/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - das Sachsenradio | 05.03.2021 | 17:00 Uhr in den Regionalnachrichten aus der Region Leipzig

124 Kommentare

Sonnenseite vor 5 Wochen

"Genauso wenig wie es die DIE Antifa gibt, gibt es DIE Connewitzer!"

Aber genau Die Connewitzer und Die Antifa machen doch die Schlagzeilen.

Und daran müssen sich die Connewitzer und die Antifa messen lassen 😉☝️




DER Beobachter vor 5 Wochen

Tacitus - oben lobten Sie doch die Leerdenkerdemos in ganz Europa: von denen tragen über 75 % keine Maske - bei deutlich höheren Inzidenzien und Sterberaten. Mein Gott!

DER Beobachter vor 5 Wochen

Diese Studie erschien an der Uni Lausanne im Dezember und bezieht sich in erster Linie auf Chatgruppen und Veranstaltungen im Bodenseeraum, die noch im November aktiv waren. Deren Klientel war durchaus großteils eine andere und hat sich inzwischen weitgehend, selbst Ballmann etc., aus dem Spektrum zurückgezogen...

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