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Schneeschieben gegen die Krise: Die Gastronomieszene in Leipzig hat mit einer Schnee-Schiebe-Aktion auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Bildrechte: Max Zaczek

Nachbarschaftshilfe

Leipziger Gastronomieszene schiebt Schnee

Stand: 10. Februar 2021, 17:17 Uhr

Leipzig versinkt seit Tagen im Schnee. Während die Mitarbeitenden der Stadtreinigung alle Hände voll zu tun haben, sind Betreiberinnen und Betreiber von Kneipen und Restaurants lockdownbedingt zum Nichtstun verdammt. Um aus der Not eine Tugend zu machen, hat eine Gastronomie-Initiative "über den Tellerrand hinaus geschippt" und dabei geholfen, die Stadt von Eis und Schnee zu befreien.

Die Initiative "GastroTeam Leipzig" hat am Mittwoch mit einer Schnee-Schipp-Aktion ein Zeichen in der Krise gesetzt. Lockdownbedingt zum Nichtstun verdammt, haben 35 Kneipen mit mehr als 300 Beschäftigten der Stadtreinigung unter die Arme gegriffen und Gehwege, Haltestellen, Straßenquerungen und Zufahrten vom Schnee befreit.

Nachbarschaftshilfe und symbolische Aktion

"Wir können nicht immer nur fordern - und helfen nach unseren Möglichkeiten", erklärt Initiator Torsten Junghans von der Vodkaria MDR SACHSEN. Und so haben sich Mitarbeitende, Kundinnen und Kunden sowie Freunde ein Herz gefasst und sich bei eisigen Temperaturen mit Schneeschaufeln auf den Weg gemacht, um zu Nachbarschaftshilfe zu leisten. Aber auch um den Zusammenhalt der Szene zu stärken, so Mustafa Türcker vom Green Soul.

Mitarbeitende, Kundinnen und Kunden und Familienangehörige unterstützten die Aktion am Mittwoch. Bildrechte: Moritz Arand

Der symbolische Charakter der Aktion sei natürlich auch wichtig, ergänzt Thomas Grebe vom Bibabo am Plagwitzer Bahnhof. "Wir wollen zeigen, dass wir schnell etwas mobiliseren können, damit die Bürgerinnen und Bürger wieder ihrer Wege gehen können. Aber auch wir wollen unseren Weg weitergehen", erklärt der Angestellte im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Ausstehende Hilfszahlungen

Und so zeige die Gastroszene Leipzigs mit der Aktion, wie "schnelle, unbürokratische und unkomplizierte Hilfe wirklich funktioniert", heißt es im Aufruf. Der ironische Seitenhieb kommt nicht von ungefähr. "Problem ist, dass wir auf die Restzahlung der Novemberhilfe warten. Die Gründe dafür verstehe ich nicht", ärgert sich Geschäftsführer Tom Rentsch vom Bibabo. Auch der Restbetrag vom Dezember fehle weiterhin. "Hilfszahlungen für den Januar können wir noch nicht mal beantragen", so Rensch weiter.

"Wir hängen am Reservetropf der Reservetröpfe"

Das gleiche Problem haben auch Green Soul und Vodkaria. "Unter den jetzigen Bedingungen reicht das Geld noch bis Ende März. Danach müssen Kredite herhalten", so Junghans. "Wichtig wäre, zu wissen, warum die Hilfen noch nicht ausgezahlt wurden. Es kommt nichts rein", beklagt sich Türcker. "Wir hängen derzeit am Reservetropf der Reservetröpfe", betont er. Neben den ausstehenden Zahlungen vermissen beide auch eine klare Perspektive. "Der Frust ist oftmals größer als die Hoffnung", erklärt der Wirt Junghans.

Abwarten und positiv denken

Aufgeben werde er nicht, gehe aber davon aus, "dass wir vor Ostern nicht aufmachen können". Türcker weiß trotz aller Forderungen, dass eine zu frühe Öffnung der Lokale auch "nach hinten losgehen kann. Den nächsten Lockdown werden viele nicht mehr überleben. Ich erst recht nicht", betont er. "Aber wir bleiben positv", meint Rensch, der seit 29 Jahren sein Lokal am Plagwitzer Bahnhof führt und zusammen mit seinen Angestellten und deren Familien an diesem Wintertag für freie Wege im verschneiten Leipzig sorgt.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSENMDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.02.2021 | 10:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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