17.07.2020 | 16:29 Uhr Für Corona-Studie 4.000 Besucher zum Tim-Bendzko-Konzert gesucht

Tim Bendzko, 2018
Volle, enge Zuschauerränge beim Konzert von Tim Bendzko. Seit Corona gibt es solche Bilder nicht mehr. Aber für eine aufwendige Studie sollen im August 4.000 Konzertbesucher in Leipzig zusammenkommen (Archivbild). Bildrechte: imago images / Markus van Offern

Sachsen und Sachsen-Anhalt wollen in einer Studie herausfinden, wie mit dem Coronavirus bei Großveranstaltungen umzugehen ist. Am 22. August soll in der Leipziger Arena ein Tim-Bendzko-Konzert vor 4.000 Zuschauern simuliert werden. Die gesunden Probanden im Alter von 18 bis 50 Jahren sollen sich einem Experiment unterziehen, teilte das sächsische Sozialministerium mit. Ziel der länderübergreifenden Studie namens "Restart 19" sei, das Risiko für die Entstehung eines Ausbruchs mit Covid-19 durch Großveranstaltungen in Hallen berechnen zu können.

Wenn wir künftig wieder Großveranstaltungen zulassen wollen, benötigen wir wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie wir das Infektionsrisiko minimieren und für alle Teilnehmer mehr Sicherheit schaffen können.

Petra Köpping Sächsische Sozialministerin

Sachsen und Sachsen-Anhalt suchen Lösungen für Eventwirtschaft

Die beiden Bundesländer suchen Lösungen für die Wiederaufnahme von Großevents. Derzeit sind Großveranstaltungen nur bis 1.000 Personen erlaubt. Das nach Ministeriumsangaben "deutschlandweit einmalige und wegweisende" Projekt solle die Weichen stellen für einen Neustart der Veranstaltungswirtschaft in ganz Deutschland, hieß es.

Tim Bendzko rettet nicht nur die Welt (so ein Liedtext von ihm), er hat auch die nicht leichte Aufgabe als erster Solo-Künstler auf die Bühne zu gehen
Tim Bendzko ("Keine Maschine", "Nur kurz die Welt retten") wird die Studienteilnehmer mit seinen Songs unterhalten. Bildrechte: MDR/Werner G. Lengenfelder

Die Studie wird von der Universität Halle-Wittenberg geleitet und von den Wissenschaftsministerien Sachsens und Sachsen-Anhalts unterstützt. Projektpartner ist auch die Handballabteilung des SC DHfK Leipzig. Erste Ergebnisse könnten im September vorliegen. "Die größte Herausforderung - glaube ich - wird die Datenauswertung", sagte Projektleiter Stefan Moritz am Freitag.

Ein Mann hält ein Tablet und einen Tracer - Dr. Stefan Moritz von der Universitätsmedizin Halle/S.
Projektleiter Stefan Moritz von der Universitätsmedizin Halle zeigt einen der Tracker, die für die Studie benutzt werden sollen. Bildrechte: Universitätsmedizin Halle/S.

Wie soll das Ganze ablaufen? - Während des Experiments sollen strenge Hygieneregeln gelten. Die Konzertbesucher sollen als Probanden der Studie verpflichtend FFP2-Masken tragen. Die Forscher wollen ermitteln, mit wie vielen anderen Menschen jeder Besucher auch bei der Anreise in Kontakt kommt. Den ganzen Tag über werden alle fünf Sekunden die Kontakte zu allen anderen Probanden im Umkreis von 30 Metern gemessen.

- Es sollen drei Szenarien durchgespielt werden. Zuerst ein Konzertablauf, wie er vor Corona normal stattgefunden hätte mit zwei Eingängen in die Arena Leipzig, ohne Abstandsregeln usw.
Danach wird ein Szenario mit strengerem Hygienekonzept, mehr Eingängen und deutlich größeren Abständen durchgespielt.
Beim dritten Test sollen nur noch 2.000 Probanden auf den Zuschauertribünen sein und einen Abstand von 1,5 Metern einhalten.
Alle Teilnehmenden sollen 48 Stunden vor der Konzertsimulation auf Corona getestet werden.

- Die Teilnahme ist kostenlos, es wird keine Aufwandsentschädigung gezahlt. Während der einzelnen Szenarien gibt es Getränke und einen Imbiss.

- Ziel der Studie ist ein mathematisches Modell, mit dem man das Risiko eines Corona-Ausbruchs berechnen kann. Die Kosten dafür werden mit etwa einer Million Euro veranschlagt.

Quelle: MDR/kk/epd/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 17.07.2020 | 19:00 Uhr

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.07.2020 | ab 17:00 Uhr in den Nachrichten

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