Corona-Pandemie Weihnachten im Krankenhaus: Ein Pflegedirektor aus Leipzig berichtet

Der Alltag im Krankenhaus über die Feiertage stand dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie unter besonderen Herausforderungen. Keine Chöre durften die Patientinnen und Patienten erfreuen. Auch das ärztliche und das Pflege-Personal ist am Limit. Clemens Regenbrecht ist Pflegedirektor am Herzzentrum und am Helios Park-Klinikum in Leipzig. Im Gespräch mit MDR SACHSEN zieht er Bilanz. Besonders dankbar ist er für die Solidarität innerhalb des Kollegiums.

Clemens Regenbrecht ist Pflegedirektor am Herzzentrum und am Helios Park-Klinikum in Leipzig. Er steht am Geländer der Klinik-Rezeption.
Clemens Regenbrecht (Archivbild, 2019). Bildrechte: Thomas Meinicke

Herr Regenbrecht, dieses Weihnachten stand in den Krankenhäusern unter besonderen Herausforderungen. Welche war aus Ihrer Sicht die Größte?

Clemens Regenbrecht: Die größte Herausforderung war, mit der Pandemie-Situation umzugehen und die veränderten Bedingungen für uns selbst und für unsere Patienten zu akzeptieren. Wir haben ein großes Patientenaufkommen neben dem normalen. Wir haben schwerstkranke Patienten in Größenordnungen in den Kliniken, die wir bisher in diesem Gebiet so nicht kennen. Jeder hat mittlerweile Betroffene in der eigenen Familie oder kennt jemanden, der an Covid-19 erkrankt ist oder war.

Eine Vielzahl von unseren Mitarbeitern hat außerdem die Riesenproblematik der Kinderbetreuung - gerade vor den Weihnachtsfeiertagen - gehabt. All das zusammen ist eine besondere Art der Belastung im Klinikalltag und in den Pflegeheimen, die uns an die Grenzen geführt hat.

Inwiefern haben Patienten mit Covid-19-Infektion den sonst üblichen "Weihnachtsmodus" in den Kliniken beeinflusst?

Wir mussten die Covid-Bereiche personell ausstatten. Diese Bereiche waren bei der Dienstplanerstellung vor zwei Monaten noch nicht existent. In unseren beiden Kliniken haben wir drei Normalstationen als Covid-Stationen mit über 70 Betten umgewandelt. Außerdem haben wir zwei Intensivstationen in Covid-ITS mit 20 bis 40 Patienten, die wir dort intensivmedizinisch versorgen, umgewandelt.

Für die Isolationsbereiche brauchen wir einen komplett anderen Personalschlüssel aufgrund der strengen Hygiene-Richtlinien. Die Patienten dort haben auch einen besonderen Pflegebedarf, sodass wir eine extreme Flexibilität gebraucht und auch von allen abverlangt haben, um in den Bereichen eine Arbeitsfähigkeit herstellen zu können. Und das mit dem erhöhten Krankenstand, der natürlich auch bei unserem Personal vorlag.

Zur Person Clemens Regenbrecht ist "Ur-Leipziger" aus Borsdorf und ausgebildeter Gesundheits- und Krankenpfleger. Seit 2007 ist er im Herzzentrum Leipzig tätig. Ab 2009 war er Leiter einer Station in der Kardiologie, schließlich stellvertretender Personalleiter. Seit November 2017 ist er Pflegedirektor im Herzzentrum Leipzig, seit 2019 in Doppelfunktion auch am Park-Klinikum. Berufsbegleitend absolvierte er ein Bachelorstudium im Management für Gesundheitsfachberufe.

Wie sind die Feiertage für Personal, Patienten und deren Angehörige verlaufen?

Die Weihnachtsfeiertage sind in einer Klinik immer geprägt von einem hohen Maß an Emotionalität. Normalerweise haben wir über Weihnachten immer einen Chor im Haus. Wir haben eine Bläsergruppe, die Weihnachtslieder bläst. Wir haben die verschiedenen Möglichkeiten von Gottesdiensten und Andachten in der Klinik. All das war in diesem Jahr so nicht möglich. Das war auch eine emotionale Herausforderung für uns. Ich war selbst an den Feiertagen vor Ort. An Heiligabend haben wir bei der Aktion "Leipzig singt" mitgemacht und neben der Dekoration über Online-Medien und die Radiokanäle versucht, ein bisschen weihnachtliche Stimmung herzustellen.

Sicher hat das Besuchsverbot in den Krankenhäusern für einige Tränen gesorgt, oder?

Wir haben über die Weihnachtsfeiertage den Angehörigen unserer Patienten in den Nicht-Infektionsbereichen Besuche ermöglicht. Wir hatten dazu eine Hotline geschaltet, sodass sich Angehörige anmelden beziehungsweise die Patienten selber ihre Besucher dort anmelden konnten. Um ein hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten, wurden die Besucher vorher über Antigen-Schnelltests getestet. Das war auch gut so. Wir hatten tatsächlich auch Besucher dabei, die ohne Symptome in die Klinik kamen, aber wo Schnelltest und der folgende PCR-Test ergaben, dass diejenigen an Covid-19 erkrankt waren.

Hatten Sie und Ihre Kollegen trotz aller Herausforderungen auch positive Momente?

Über die Feiertage und jetzt auch mit Blick auf Silvester sehe ich eine starke Solidarität im Kollegium. Allein zu Weihnachten wurden 30 Dienste von Kollegen übernommen, die in verschiedensten anderen Bereich arbeiten und eigentlich frei gehabt hätten. Sie haben sich gemeldet, um auf den Covid-Stationen mitzuarbeiten und das dortige Personal zu unterstützen und ihnen auch ein paar Tage in der Familie zu ermöglichen.

So eine Solidarität, wie wir sie momentan haben im Personal, habe ich noch nicht erlebt. Und das berührt mich auch sehr.

Clemens Regenbrecht Pflegedirektor in Leipzig

Die Kliniken laufen derzeit im reduzierten Regelbetrieb. Wie gewährleisten Sie die aktuelle Patientenversorgung?

Wir erleben sehr häufig, dass Patienten jetzt zu spät in die Klinik kommen. Dass sie bei akuten Beschwerden wie Herzinfarktverdacht nicht in die Notaufnahme kommen oder den Notarzt rufen. Die Bürgerinnen und Bürger glauben, dass ihre Vesorgung nicht sichergestellt ist. Bitte kommen Sie in die Klinik, wenn sie Beschwerden haben! Ihre Versorgung ist gewährleistet.

Nur alles, was jetzt nicht dringlich ist, haben wir auf unabsehbare Zeit verschoben, eben um das Notfallgeschäft und die Corona-Versorgung aufrechtzuerhalten. Dass das Notfallgeschehen abgedeckt ist, ist auch weiterhin in Leipzig gegeben.

Eine Altenpflegerin blättert im Seniorenheim Pauline-Krone-Heim der Altenhilfe Tübingen auf einem Wagen, mit dem Antigen-Corona-Schnelltests durchgeführt werden, in einem Ordner.
Antigen-Schnelltests werden in Pflegeheimen und Krankenhäusern durchgeführt und sollen Sicherheit für Personal und Patienten gewährleisten. Bildrechte: dpa

Quelle: MDR/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.12.2020 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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