Großbardau Kita-Kinder helfen alleinerziehendem Storchenpapa nach Nestdrama

In Großbardau bei Grimma herrscht große Aufregung. Ein Paar hat sich getrennt und damit für Stoff in Krimi-Qualität gesorgt. Mutter Storch ist abgehauen und hat zuvor zwei ihrer drei Küken aus dem gemeinsamen Nest gestoßen. In Trauer zurückgeblieben ist Storchenpapa Paul, der sich im Angesicht zahlreicher Feinde nicht wagt, sein Junges für die die Nahrungssuche zu verlassen. Die Kinder der Kita Parthenzwerge zeigen deshalb ein großes Herz für Störche.

Storchenvater Paul füttert sein Jungtier
Storchenpapa Paul und sein Junges - er kümmert sich nun allein um sein Nesthäkchen. Bildrechte: Stadtwerke Grimma

Ein schlichtes Holzkreuz unterhalb des Storchennestes zeugt vom Drama, das sich am bislang heißesten Wochenende des Jahres in Großbardau abgespielt haben muss. Offenbar wusste sich Storchenmama Emily nicht anders zu helfen, als die zwei schwächsten Jungen ihres Nachwuchses aus dem in der prallen Sonne stehenden Nest zu stoßen, um dem Stärksten das Überleben zu sichern. Das ist die einzige Erklärung, die Kitaleiterin Annett Riedel für das Verhalten der Storchenmama hat, die zur Rabenmutter wurde.

Storchenpaar wird zum Kita-Projekt

Die Kinder der Kita Parthenzwerge sind die größten Fans der Störche. Erstmals hat Großbardau in diesem Jahr ein eigenes Storchenpaar. Das im vergangenen Jahr neu angelegte Nest wurde sofort angenommen. Vom Einzug des Paares über die Eiablage bis zum Schlupf der Jungtiere - alles haben die Kinder bislang über die Storchenkamera genau beobachtet. Und dazu gehören nun auch traurige Momente. Sie mussten zwei der drei Jungtiere begraben. Zur Erinnerung steht jetzt an dieser Stelle ein Holzkreuz. "Nun sind wir alle sehr traurig", sagt ein Mädchen. Und ein Junge meint, "Hoffentlich muss das andere nicht auch noch sterben".

Ein Holzkreuz in einer Wiesevverweist auf zwei verendete Storchenkücken.
Die Kita-Kinder haben die beiden toten Storchenküken begraben und an die Stelle ein Holzkreuz gesetzt. Bildrechte: Heike Fiedler

Papa Paul braucht Hilfe

Im viel zu großen Nest steht Papa Paul schützend über seinem einzig verbliebenen Jungtier. Über beiden kreist ab und zu ein Milan. Auch ein fremder Storch war schon im Anflug auf das Nest. Paul hat es verteidigt und traut sich nach dem Schock nun nicht mehr weg. Sein Junges aber hat Hunger. Die Parthenzwerge sind in Sorge und haben eine Idee. Sie platzieren eine Europalette in Sichtweite des Nestes und Kita-Leiterin Annett Riedel besorgt Mäuse und Küken. So muss Paul nicht zu lange zur Nahrungssuche sein Nest verlassen.

Kinder der Kita Parthenzwerge in Großbardau zeigen auf ein Storchennest.
Unter Beobachtung, nicht nur via Kamera, sondern auch vor Ort. Die Kinder hoffen, dass das einzige Jungtier überleben wird. Bildrechte: Heike Fiedler

Tagelanges Bangen um namenlosen Jungstorch

Mittwochmorgen. Die Storchenkamera zeigt, wie Paul sein Junges füttert. Ein gutes Zeichen. Oft ist das Kleine nicht in der Kamera zu sehen. Paul vergräbt es, wenn möglich, im Stroh. Die Parthenzwerge beobachten die kleine Familie genau. Einen Namen hat das Jungtier noch nicht. "Wir wissen ja nicht, ob es ein Junge oder Mädchen ist", sagen die Kinder und hoffen, dass der kleine Storch überleben wird.

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 22. Juni 2021 | 16:30 Uhr

2 Kommentare

Elsburg vor 5 Wochen

Chapeau !
Kompliment allen KiGa-Personen, die in diesen Kindern da Empathie wecken bzw mit besten Kräften fördern +stärken, ... eindrucksvoll, positiv einprägend in kindliche Gemüter dieses KiGa-Jahrgangs - vermutlich positiv bis zum jeweiligen Lebensende prägend bleiben !
Besser +schöner kann man's kaum machen - Lernen mit Praxis fürs Leben ! DANKE !

gbeh9 vor 4 Wochen

Was passiert mit unseren Störchen, wenn es zunehmend schon ab Mai/Juni solche Hitzewellen (Brutzeit) gibt? Müssen das KiTa-Kinder lösen?

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Mehr aus Sachsen