Kündigung verschoben Aufschub im Arbeitskampf bei Durstexpress in Leipzig

Beschäftigte des Getränkelieferdienstes durstexpress.de protestieren vor einem Lager des Unternehmens
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Die Kündigungen der Mitarbeiter von Durstexpress in Leipzig sind bis zum 22. März ausgesetzt. Das bestätigte ein Mitarbeiter des Unternehmens MDR SACHSEN. Die Leipziger Arbeitsagentur hatte den Getränkelieferanten dazu aufgefordert, die Kündigung von 450 Mitarbeitern am Standort Leipzig zu verschieben. Ursprünglich sollte das Arbeitsverhältnis Ende Februar enden.

Aufgrund der Massenentlassung befürchtet die Arbeitsagentur ein hohes Aufkommen an Arbeitssuchenden, daher habe man die Frist um vier Wochen verlängert, so der Mitarbeiter. Der Mutterkonzern Dr. Oetker teilte mit, man habe weiterhin die Absicht, möglichst viele Mitarbeiter von Durstexpress bei der ebenfalls zum Unternehmen gehörenden Tochter Flaschenpost zu übernehmen. Eine Betriebsversammlung am Freitag zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung führte zu keiner Einigung.

Betriebsrat gegründet

Die Beschäftigten von Durstexpress kämpfen für einen geordneten Übergang zum örtlichen Flaschenpost-Standort. Derzeit organisiere man sich in einem Betriebsrat und bereite eine Welle von Kündigungsschutzklagen vor, sagte Durstexpress-Mitarbeiter Dirk Rahn MDR SACHSEN. "Nachdem die Arbeitsagentur eingeschritten ist, wurden wir von der Personalabteilung dazu aufgefordert, schriftlich mitzuteilen, wenn wir bis zum 22. März weiterarbeiten wollen. Das ist doch absurd."

Mitarbeiter organisieren sich weiter

Um als geschlossene Front aufzutreten, organisieren sich die Mitarbeiter, neben den Streiks am Leipziger Standort auch in den sozialen Medien unter dem Namen "Kündingdong". Aus vielen Richtungen kommen Solidaritätsbekundungen. Leipziger Rechtsanwälte helfen bei der Verfassung von Kündigungsschutzklagen, die Teamleiterin der Leipziger Arbeitsagentur unterstützt die Mitarbeiter bei der Arbeitssuche.

Kurswechsel gefordert

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) forderte den Oetker-Konzern zum Umdenken auf. Geschäftsführer Jörg Most erklärte: "Der Oetker-Konzern und sein Tochterunternehmen Flaschenpost sollten die zunächst nicht wirksamen Kündigungen bei Durstexpress zu einem Kurswechsel nutzen."

Alle von der Kündigung bedrohten Durstexpress-Mitarbeiter müssen bei Flaschenpost übernommen werden. Ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen dürfen sich dabei nicht verschlechtern.

Jörg Most Geschäftsführer Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten

Der Gewerksschaftführer forderte daher: "An allen Flaschenpost-Standorten müssen störungsfreie Betriebsratswahlen möglich sein. Tarifverträge und betriebliche Mitbestimmung sind Standards, die auch bei einem Lieferdienst gelten müssen."

"Armutszeugnis für den Konzern"

Nach Ansicht von Henning Homann, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag und Sprecher für Arbeitsmarktpolitik, setzen der Oetker-Konzern und die handelnden Unternehmen nicht nur ihren Ruf als Arbeitgeber, sondern auch ihr Image aufs Spiel. "Dass erst die Intervention des Ausschusses für Massenentlassungen verhinderte, dass 450 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen binnen eines Monats gekündigt wird, ist ein Armutszeugnis für diesen Konzern." 

Die Dr. Oetker KG hat uns auf den Tag genau vor einem Monat schriftlich zugesichert, dass die Mehrheit der Durstexpress-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bei besserem Lohn zu Flaschenpost übernommen wird. Die Realität ist, zwei Tage vor Auslaufen der ursprünglichen Kündigungsfrist, davon leider weit entfernt.

Holger Mann SPD-Sprecher für Wirtschaftspolitik

Die Sozialpartner müssten sich nun endlich an einen Tisch setzen, um zu verbindlichen Lösungen für diese faktische Fusion der beiden Dr.-Oetker-Töchter zu kommen, so Mann weiter. Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Dulig habe bereits entsprechende Vermittlungsangebote unterbreitet.

Entlassung in Coronazeiten

Obwohl er den Arbeitskampf nicht aufgeben will, geht für Dirk Rahn die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle weiter. Bisher bekam er nur Absagen. "In Coronazeiten ist es ziemlich aussichtslos." Er hoffe nun wie viele seiner Kollegen auf eine angemessene Abfindung.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR EXAKT | 03.02.2021 | 20:15 Uhr

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