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Die ehemaligen Konkurrenzunternehmen Flaschenpost und Durstlöscher fusionieren unter dem Mutterkonzern Dr. Oetker. Bildrechte: dpa

Kündigungen

Existenzangst bei ehemaligen Durstexpress-Mitarbeitern in Leipzig

Stand: 02. Februar 2021, 17:43 Uhr

Nach der Übernahme des Getränkelieferdienstes Flaschenpost durch das Unternehmen Dr. Oetker, fusionieren Flaschenpost und Durstexpress - ebenfalls ein Tochterunternehmen von Dr. Oetker - weiter. 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Standort Leipzig wurde gekündigt. Gleichzeitig bietet man den Angestellten eine Neubeschäftigung bei Flaschenpost an - offenbar zu schlechteren Konditionen.

Keine Sicherheit

Für Dirk Rahn sind diese Bedingungen nicht tragbar. Der Leipziger arbeitete seit Juni 2020 bei Durstexpress als Lieferant. Der Lieferdienst bot ihm einen Jahresvertrag und rund 2.200 Euro brutto. Bei Flaschenpost würde er nach eigener Rechnung bei gleicher Arbeitszeit nun maximal rund 1.700 Euro brutto verdienen, wobei ihm niemand gewährleisten kann, dass er auch tatsächlich auf die bisherige Stundenzahl kommen würde.

Wir sollen uns selber bewerben, aber die Übernahme ist aussichtslos. Wie wollen die über 400 Leute übernehmen? Die wollen uns zu Dumpinglöhnen haben, aber das funktioniert nicht. Da bekomme ich ja mehr Arbeitslosengeld, als ich da in Vollzeit verdiene.

Dirk Rahn | Ehemaliger Mitarbeiter Durstexpress

Übernahme geplant

Das Unternehmen Flaschenpost/Oetker teilte auf Anfrage von MDR SACHSEN mit, dass möglichst viele der Leipziger Durstexpress-Mitarbeiter auch weiterhin beschäftigt werden sollen. Ihnen sollen nach Möglichkeit auch neue Beschäftigungs-Angebote unterbreitet werden. "Wir gehen davon aus, dass eine gemeinsame erweiterte Mannschaft aufgrund des positiven Auftragsvolumens auch in Zukunft gebraucht wird und somit eine Verstärkung des bisherigen Flaschenpost-Teams durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Durstexpress Sinn ergibt", sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Die Mehrheit der Durstexpress-Beschäftigten erwarte bei einer Übernahme bessere Gehaltsbedingungen als bislang, so der Unternehmenssprecher weiter. "Sowohl was den Grundlohn als auch die Option auf Leistungszulagen betrifft, die es so beim Durstexpress nicht gab. Auch werden die Durstexpress-Mitarbeiter bei Vertragsschluss aufgrund ihrer Vorerfahrung höher eingruppiert und haben je nach Betriebszugehörigkeit zusätzliche Verdienstmöglichkeiten."

Zukunftsängste

Für Rahn gehen durch die Übernahme nicht nur die bisherigen Konditionen verloren. Er schätzte auch die Arbeitsbedingungen bei seinem ehemaligen Arbeitgeber. "Es ist ein Knochenjob. Bei uns war es keine Seltenheit, mal eben 15 Kisten ins Dachgeschoss zu bringen. Aber die Betriebsleitung war immer fair und verständnisvoll." Mit Sorge blickt er in die Zukunft: "Ich bin jetzt 49 und bei mir stehen die Arbeitgeber nicht mit einem roten Teppich vor der Tür. Ich habe ein Kind im Rollstuhl, das bald eine schwere OP vor sich hat." Trotzdem hofft er mit Einsatz und Erfahrung bald wieder unterwegs zu sein für einen neuen Arbeitgeber.

Quelle: MDR/mar/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSENMDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.01.2021 | ab 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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