Sport-Kult Leipziger Fahrradmanufaktur: "Es ist wie früher das Warten auf den Trabant"

Dem Fahrradhandel gehen die Bauteile aus. Der aktuelle Fahrradtrend ist "schuld". Besonders stark wächst einem Leipziger Fahrradmanufaktur-Besitzer zufolge die Nachfrage nach den sportlichen Gravelbikes mit Rennradlenkern. Sebastian Billhardt ist seit 2014 Geschäftsführer von Rotor Bikes. MDR SACHSEN hat mit Billhardt über einen Trend gesprochen, der zwar nichts mehr mit Autos zu tun hat, ihn aber doch an alte Trabant-Zeiten erinnert.

In einer radwerkstatt werden Fahrräder gebaut.
Bildrechte: Pressefotos Rotor Bikes

Wie hat sich der Verkauf von Gravel- und Rennrädern seit der Pandemie entwickelt?

Sebastian Billhardt: Die Nachfrage ist seit letztem Jahr explodiert. Wir könnten noch mehr verkaufen, kommen aber gar nicht hinterher mit dem Produzieren. Wir haben Anfang des Jahres ein neues Gravelbike-Modell auf den Markt gebracht. Das ist direkt zum Verkaufsschlager geworden. Früher waren wir mehr auf Reise- und Tourenbikes spezialisiert, das ändert sich gerade.

Anm.d.Red.: Gravelbikes ähneln Rennrädern, sind aber z.B. durch breitere Bereifung geländegängiger.

Können Sie das zahlenmäßig festmachen?

In einer radwerkstatt werden Fahrräder gebaut.
Sebastian Billhardt verkauft mehr Gravelbikes. Bildrechte: Pressefotos Rotor Bikes

Wenn früher ein Renn- oder Gravelbike bei uns über den Verkaufstresen gegangen ist, war das schon viel. Heute ist jedes 5. Rad, das wir verkaufen, so ein Typ Rad.

Unser Neumodell, hat einen Marktanteil von mittlerweile 20 Prozent – und wir haben es erst im Januar in unser Angebot aufgenommen. Das ist eine rasante Entwicklung.

Sie sprachen an, dass Sie eigentlich noch mehr verkaufen könnten. Wie meinen Sie das?

Mit dem Gravelbike ist es inzwischen wie damals in der DDR mit dem Warten auf den Trabant. Viele Teile, die wir verbauen, sind nicht lieferbar. Die Bestelllisten sind lang und die Wartezeiten betragen bis zu 16 Monate. Besonders gefragt sind derzeit zum Beispiel Schaltungskomponenten. Daran sieht man, dass das mit den Gravelbikes doch ein sehr starker Trend ist.

Es ist sogar schon so weit – auch wie in der DDR – dass sich kleine Händler untereinander mit Teilen aushelfen. Da wird hin- und hergetauscht. Anders geht es gerade nicht!

Sebastian Billhardt, Geschäftsführer von Rotor Bikes

In einer radwerkstatt werden Fahrräder gebaut.
Der erste Schritt zur Herstellung einer Fahrradgabel. Bildrechte: Pressefotos Rotor Bikes

Rotor Bikes Leipzig Rotor ist eine Radmanufaktur mit Sitz in Leipzig. Kunden können sich hier ihr Fahrrad nach den eigenen Wünschen bauen lassen. Aufbau, Technik und auch die Farbe können individuell gestaltet werden. Die Rahmen werden in der eigenen Werkstatt hergestellt, andere Bauteile hinzubestellt.

Wartelisten, Tracking-Apps und kostspielige Räder - ein Jugendtrainer erzählt

Vom neuen Rennrad-Fieber kann auch Frank Wonneberger, Jugendleiter vom Radclub Dresden, berichten. Er sagte MDR SACHSEN: "Wir haben Wartelisten für Neumitglieder von sechs Monaten." An sich sei der Trend eine gute Sache - so würden Kinder und Jugendliche auf ihre Bewegung an der frischen Luft kommen. Beflügelt werde der neue sportliche Ehrgeiz durch Tracking-Apps für den Sport, die nach Leistung und Schnelligkeit Ranking-Listen erstellen.

Etwas kritisch sieht Wonneberger die Entwicklung, "dass ein Rennrad zum Statussymbol avanciert". Nach dem Motto: Je teurer, desto besser. Große Ausgaben für die Bikes seien nicht nötig. Wonneberger vermutet mit süffisantem Unterton:

Einige der teuren Räder werden sicherlich bei ebay landen.

Frank Wonneberger, Jugendleiter Radclub Dresden

Dresden plant Fahrradstraßen

Dass das Fahrrad fahren immer beliebter wird, zeigten zahlreiche Aktionen am vergangenen Donnerstag, dem Welt-Fahrradtag. Fahrradklubs errichteten unter anderem in Leipzig und Dresden sogenannte Pop-up-Radwege, um zu demonstrieren, wo sie gern Vorrang hätten. Die Stadtverwaltung Dresden nutzte den Tag, um ein neues Radwegkonzept vorzustellen. Die sogenannte "Radvorrangroute" sieht vor, ein Netz von Nebenstraßen zu Fahrradstraßen zu machen, auf denen Radfahrer Vorrang haben. Tempo 30, weniger Parkplätze und bessere Straßenbeläge sollen das Radeln sicherer machen.

Die Heimat erkunden

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Quelle: MDR/st

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