Nacktbaden Stadtrat in Leipzig entscheidet über FKK-Strand am Cospudener See

Die Grünen machen Druck: Der Leipziger Stadtrat soll den Weg für Nacktbader am Cospudener See noch vor der Sommerpause frei machen. Eine Petition dafür läuft seit Wochen. Am Mittwoch soll bei der Stadtratssitzung darüber beraten werden.

Für Michael Schmidt ist die Sache eigentlich ganz klar: An den Cospudener See gehört ein FKK-Badestrand mit klarer Grenze. Für die Umsetzung brauche man bloß "ein paar Schilder und einen großen Hammer", so der Grünen-Stadtrat. Denn schließlich, so Schmidt, würden ja viele Leipziger "traditionsgemäß einer freizügigen Badekultur frönen".

Petitition eingereicht

Und so will Schmidt, dass der Stadtrat über eine Petition abstimmt, die eine Leipziger Bürgerin im April eingereicht hat. Dem Vorschlag zufolge soll ein Bereich des Nordufers, zwischen Nordstrand und dem sogenannten Hundestrand, zur textilfreien Zone werden. Schmidt sitzt auch im Petitionsausschuss.

Stimmung bei Badegästen gemischt

Die Badegäste am Cospudener See nehmen den Vorschlag mit gemischten Gefühlen auf. Ein Nacktbader findet die Idee gut: "Es gibt ja viele FKK-Freunde und da würde ich mich freuen, wenn es einen Bereich auch extra für FKK gibt. Auch die FKK-Gänger sollten einen schönen Strand bekommen." Zustimmung gibt es auch von einer Frau: "Das ist doch auch für alle besser." Eine ältere Dame gibt zu: "Ich bin nicht mehr die Jüngste. Ich muss mich nicht vor einem 20-jährigen Mädchen präsentieren. Es ist einfach nicht mehr schön ab einem gewissen Alter."

Es geht ja auch darum, dass die Nackten sich vor Spannern schützen können. Mir als überzeugte Nacktbaderin ist es unangenehm, wenn da noch Angezogene dabei sind. Die meisten sind harmlos, aber es ist auch schon vorgekommen, dass es nicht Harmlose waren. Und das will ich geregelt haben. Und es wäre gut, wenn da ab und zu auch mal das Ordnungsamt vorbeikommt und das kontrolliert.

Nacktbaderin am Cospudener See

"Kinder schützen"

Auch bei den Angezogenen gibt es Zustimmung für die Idee. "Ich finde, wer FKK machen will, soll das tun", erklärt ein Familienvater. "Aber bitte ein Stückchen weiter entfernt von den Badegästen mit Kindern. Es muss ja nicht jedes Kind den 'Piep' des nächsten Mannes sehen."

Menschen am Cospudener See
Einige Badegäste sorgen sich um ihre Kinder: "Eben ist hier auch ein Paar einfach so reingesprungen. Mich stört es nicht, aber ob das so sinnvoll ist für die Kinder – ich weiß es nicht." Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Andere finden, die friedliche Koexistenz am jetzigen Hundestrand, wo bisher Nackte und Angezogene beieinander lagen, könne auch so bleiben. "Die Leute machen sowieso immer, was sie wollen, und das ist auch gut so", sagt ein Mann und spricht sich gegen einen FKK-Bereich aus: "Ich möchte da nichts Abgestecktes haben."

Ich habe das Gefühl, die, die nackt sein wollen, sind nackt und die, die das nicht wollen, finden das auch okay. Sonst würden sie ja woanders hingehen.

Badegast am Cospudener See

Eine Frau gibt zu bedenken: "Ich finde das blöd, dass man dann wieder hoch muss auf die Promenade und dann wieder runter, weil man als Bekleideter nicht einfach am FKK-Strand laufen darf." Ein Ehepaar aus Rheinland-Pfalz ist zu Besuch am Cospudener See und findet es gut, "so bunt gemischt."

Entscheidung noch vor Sommerpause

Der Stadtrat wird sich in seiner letzten Sitzung am Mittwoch mit dem Thema befassen. Danach verabschiedet sich die Leipziger Politik vorerst in den Sommerurlaub.

Quelle: MDR/hf/lt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21. Juli 2021 | 07:20 Uhr

3 Kommentare

Gundorf88 vor 1 Wochen

O ha, da äußert ein Badegast etwas vom Schutz der Kinder? Ganz Europa hackt auf Ungarn rum, weil es seine Kinder nicht von Brüssel erziehen lassen will und dann liest man solche Zeilen?

Kritische vor 1 Wochen

Bei uns am See (nicht der Cossi) macht mittlerweile jeder, was er will. Das finde ich nur begrenzt gut. Nicht umsonst gibt es ausgewiesene Hundestrände und FKK-Zonen. Gerade die unästhetischen Leute stellen sich oft breitbeinig vor einem auf, auch wenn man Kinder dabei hat. Man muss nicht alles sehen können. Gerade Männer postieren sich oft direkt neben einem und das besonders gern, wenn man pubertierende Mädchen dabei hat, die das peinlich berührt und die sich belästigt fühlen. Das Problem ist, wenn es nicht kontrolliert und bestraft wird, sind solche Zonen völlig für die Katz'.

Gerd Mueller vor 1 Wochen

heute braucht es für alles regeln, sind seit 40 jahren nackig am kulkwitzsee, was dort geht mögen die badenden und sonnenden, sogar sogenannter tuntengrill wird toleriert weil leut venünftig sind und sich nicht schon am parkplatz entkleiden

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