Landtag Bürgerinitiative übergibt Petition gegen Flughafenausbau Leipzig/Halle

Der Streit um den Ausbau des Frachtflughafens Leipzig/Halle geht in die nächste Runde. Nachdem Städte und Gemeinden im Umfeld des Flughafens schon gegen die bisherigen Ausbaupläne gestimmt haben, will eine Bürgerinitiative auch die Landespolitiker für die Probleme vor Ort sensibilisieren - mit einer Unterschriftenliste, die Tausende Betroffene unterzeichnet haben.

Ein Frachtflugzeug steht auf dem Vorfeld der DHL am Flughafen Leipzig / Halle.
Der Frachtflughafen Leipzig/Halle hat sich zu einem der wichtigsten in Europa entwickelt. Da das Frachtaufkommen jährlich steigt, plant der Betreiber, die Kapazitäten zu erhöhen. Bildrechte: imago/STAR-MEDIA

Die Bürgerinitiative "Gegen die neue Flugroute" will am Nachmittag eine Petition an den Sächsischen Landtag überreichen. Die Petition richtet sich gegen den geplanten Ausbau den Frachtflughafens Leipzig/Halle. Der Plattform Open Petition zufolge haben mehr als 10.000 Menschen das Anliegen unterschrieben. Neben der Übergabe ist der Initiative zufolge auch eine kleine Demonstration vor dem Landtag in Dresden geplant.

Tausende Unterschriften trotz Einschränkungen

Matthias Zimmermann von der Bürgerinitiative freut sich über die rege Beteiligung: "Wir haben das in dieser Größenordnung nicht erwartet. Wir hatten mit 5.000 Unterschriften kalkuliert. Jetzt sind es wesentlich mehr - und das noch dazu unter die widrigen Bedingungen, die wir hatten." Die Corona-Pandemie hatte Zimmermann zufolge die Arbeit der Initiative stark eingeschränkt: keine Bürgerveranstaltungen, kaum Informationsstände, kaum Möglichkeiten zu Listensammlungen an der Haustür. "Ich denke, mit unserer Petition haben wir einfach den Nerv unserer Bürger getroffen."

Starker Zuwachs an Verkehr und Frachtvolumen

Im Kern des Streits geht es um die Erweiterung des Flughafens. In den vergangenen Jahren konnte der Betreiber des Airports, die Flughafen Leipzig/Halle GmbH, ein deutliches Wachstum verzeichnen: Sowohl die Zahl der Fracht-Airlines als auch das Frachtvolumen steigerten sich von Jahr zu Jahr. Um das Verkehrswachstum auch in Zukunft bewältigen zu können, sollen nun eines der Vorfelder ausgebaut werden.

Deutlich mehr Frachtflieger nach Ausweitung erwartet

Der Flughafen will sein rund 60 Hektar großes Vorfeld 4 um 40 Hektar erweitern. Zusätzliche Rollwege sollen entstehen, ebenso wie Logistikgebäude, Rangierflächen und Stellflächen für 66 neue Frachtflugzeuge. Bis 2032 wird mit rund 50 Prozent mehr Frachtfliegern gerechnet. Nach diesem Plan würde dann alle vier bis fünf Minuten ein Flugzeug starten bzw. landen. Ein entsprechendes Planänderungsverfahren wurde im vergangenen Jahr bei der Landesdirektion Sachsen beantragt und hat begonnen.

Anwohnende fürchten mehr Lärm in der Nacht

Schon lange regt sich Widerstand gegen das Ausbauvorhaben. Interessengemeinschaften und Bürgerinitiativen stellen sich gegen die Pläne. Auch Gemeinden und Städte in Flughafennähe hatten im Frühjahr den vorgelegten Plänen eine Absage erteilt. Vor allem geht es den Gegnern um die deutliche höhere Lärmbelastung in der Nacht, die bei einem Ausbau des Frachtflughafens droht. Denn in Leipzig gibt es kein Nachtflugverbot und vor allem Frachtflieger sorgen für Lärm.

Streit um Prozedere im Planfeststellungsverfahren

Die Fronten zwischen Flughafenbetreiber auf der einen und den Kritikerinnen und Kritikern des geplanten Ausbaus auf der anderen Seite scheinen sich immer mehr zu verhärten. Initiativen beklagen die schlechte Kommunikation seitens des Unternehmens. Auch dass die öffentliche Einsichtsfrist in die Unterlagen Ende 2020 während der Corona-Pandemie nicht verlängert wurde, sorgte für massiven Unmut. Inzwischen hat die Landesdirektion Sachsen mitgeteilt, die Unterlagen doch noch einmal öffentlich auslegen zu wollen. Ab dem 27. Juni können Bürger die Ordner wieder in ihren Gemeinden begutachten.

Neun Ordner stehen in einer Reihe
In neun Ordnern lagen im November und Dezember 2020 die Pläne für den Flughafenausbau Leipzig/Halle zur öffentlichen Einsicht aus. Bildrechte: MDR/Katharina Pritzkow

Bürgerinitiative schließt Klage nicht aus

"Die Übergabe einer Petition ist aber, und das wissen wir aus leidlicher eigener Erfahrung, nur der erste Schritt", gibt Zimmermann zu bedenken. "Es ist aber ein so deutliches Signal, das kann man nicht einfach abbügeln."

Wir erwarten, dass sich die Landesregierung intensiv mit der Petition auseinandersetzt.

Matthias Zimmermann Bürgerinitiative "Gegen die neue Flugroute"

Es werde viel Arbeit auf die Gegnerinnen und Gegner des Frachtflughafenausbaus zukommen. "Wir müssen sehen, wie sich das entwickelt in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren. Wir werden weiter das Gespräch mit den Politikern suchen, so wie bisher auch." Sollten weder Petition noch Gespräche Wirkung zeigen, macht Zimmermann aber auch klar: "Wir schließen eine Klage nicht aus."

Sendungsbild 89 min
Flughafen Leipzig-Halle. Bildrechte: MDR

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 23. Juni 2021 | 07:30 Uhr

18 Kommentare

AlexLeipzig vor 4 Wochen

Tja Frank, die Hubschrauber über Connewitz sind ja dann wohl auch Ihr Problem. Hier geht's aber um den Flughafen (von dem Sie dann gute 20km Luftlinie entfernt sein dürften...).

Frank L. vor 4 Wochen

Das ist dann ja wohl ihr Problem. Ich bestelle jedenfalls im Internet und bin froh dass das auch schnell geliefert wird. Dafür "ertrage" ich gerne den Fluglärm denn die Dinger fliegen auch direkt bei mir drüber. Da sind die Polizeihubschrauber Einsätze über dem 2 km entfernten Connewitz wesentlich nerviger.

AlexLeipzig vor 4 Wochen

Auch an Sie Frank, wenn Sie keine Ahnung haben, lassen Sie es. Ich bin weder Amazon-Kunde noch bestelle ich sonst was, ich wohne in der Großstadt, hier gibt's genug Läden. Und konsumkritisch sind wir "Linksgrünen" sowieso :-)!

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