Schlichtungsstelle Fluglärmbeauftragter für Sachsen kommt im Herbst

Zunehmender Lärm ist ein Streitpunkt des geplanten Ausbaus des Flughafens Leipzig/Halle. Jüngste Gutachten raten gar von einer Erweiterung des Airports ab. Das Luftfrachtdrehkreuz wächst dennoch. Der Freistaat als Mehrheitseigner der Mitteldeutschen Flughafen AG ist im Zwiespalt zwischen Eigeninteressen und Bürgerwillen. Als eine Art Schlichter soll jetzt ein Fluglärmbeauftragter zum Einsatz kommen - angesiedelt beim sächsischen Wirtschaftsministerium.

Luftaufnahme Flughafen Leipzig Halle
Mehr Luftfrachtaufkommen und wieder einsetzende touristische Flüge dürften im Umfeld des Leipziger Flughafens in den kommenden Jahren nicht für weniger Unruhe sorgen. Bildrechte: IMAGO

Für lärmgeplagte Anwohnerinnen und Anwohner der sächsischen Flughäfen soll es noch in diesem Jahr einen Fluglärmschutzbeauftragten geben. Besetzt werden soll die Stelle zum 1. September. Der oder die Fluglärmschutzbeauftragte wird dabei die zentrale Ansprechperson und soll vermittelnd tätig sein. Der Beauftragte soll Ansprechpartner für Anwohner, Bürgerinitiativen, Flughafenbetreiber, Fluglärmkommission und Flugsicherung sein, wie Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig ankündigte. Der Schwerpunkt der Arbeit wird sich auf den Lärmschutz am Luftfrachtdrehkreuz Leipzig/Halle richten, insbesondere vor dem Hintergrund des wachsenden Verkehrsaufkommens.

Strategischer Nutzen

Wirtschaftsminister Dulig betonte das strategische Interesse des Freistaates an der weiteren Entwicklung der beiden sächsischen Flughäfen. Die Bedeutung der Flughäfen für Sachsen sei ernorm wichtig. Ohne sie, so Dulig, wäre die Ansiedlung vieler Industrieunternehmen nicht möglich gewesen. Die Region Leipzig/Halle habe sich als eine der wichtigsten Logistikregionen in Deutschland etabliert.

Freude der Grünen

Die Bündnisgrünen im Sächsischen Landtag begrüßen die Entscheidung der Landesregierung. Ihr verkehrspolitischer Sprecher, Gerhard Liebscher, erklärte, "die Berufung einer unabhängigen Person, [ ... ] ist ein wichtiger Meilenstein, um Maßnahmen zur Reduzierung des Fluglärms im Umkreis des Flughafens Leipzig/Halle weiter voranzutreiben".

Flugzeug im Landeanflug hinter den Positionslichtern auf dem Flughafen Leipzig/Halle
Bildrechte: imago/STAR-MEDIA

Kritik der Fluglärmgepagten

Genau diese Unabhägigkeit zieht die IG Fluglärm jedoch in Zweifel. Ihr stellvertretender Sprecher Thomas Pohl sieht die Unabhängigkeit nicht gewahrt, wenn die Stelle, wie geplant, beim sächsischen Wirtschaftsministerium angesiedelt wird. Dennoch hoffen die Fluglärmgegner, dass in Hinsicht auf den geplanten Flughafenausbau im Frachtbereich, erste Maßnahmen zum Lärm- und Gesundheitsschutz durch einen Fluglärmschutzbeauftragten angestoßen werden. Und vielleicht könne das dazu führen, dass der Flughafen nicht weiter ausgebaut wird, so Pohl.

Hintergrund Besitzverhältnisse sächsischer Großflughäfen Der Freistaat Sachsen verfügt mit Dresden und Leipzig/Halle über zwei Verkehrsflughäfen, die seit 2001 unter dem Dach der Holdinggesellschaft Mitteldeutsche Flughafen AG organisiert sind. Die Anteile liegen zu 77 Prozent beim Freistaat Sachsen. Weitere Anteile halten das Land Sachsen-Anhalt sowie die Städte Dresden, Leipzig und Halle.

Quelle: Freistaat Sachsen

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 26. Mai 2021 | 15:30 Uhr

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