Baustellen-Fund 112 Jahre alte Flaschenpost in Altem Rathaus Leipzig aufgetaucht

Hat sich ein Tischlermeister einen Spaß ausgedacht oder einen Gruß an spätere Handwerker-Generationen geschickt? Diese Frage stellt sich, nachdem im Alten Rathaus Leipzig eine 112 Jahre alte Flaschenpost gefunden wurde.

Ulrike Dura, stellvertretende Direktorin des Stadtgeschichtlichen Museums, präsentiert eine 112 Jahre alte Flaschenpost.
Ulrike Dura vom Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig freut sich über die Flasche mit Gruß aus der Vergangenheit. Im Hintergrund ist das Regal zu sehen, in dem die Flasche 112 Jahre lang stand - bis Tischler sie jetzt entdeckten. Bildrechte: dpa

Bei Umbauarbeiten ist im Alten Rathaus Leipzig eine Bierflasche hinter einer Holzvertäfelung freigelegt worden. Der damaligen Tischlermeister hatte während seiner Arbeiten an der Wandverkleidung am 13. März 1909 neben den Namen der Arbeiter auch einen Hinweis auf das Wetter damals gegeben, sagte die stellvertretende Direktorin des Stadtgeschichtlichen Museums, Ulrike Dura. Der sorgfältig eingerollte Zettel lag in einer braunen Halbliter-Bierflasche mit Bügelverschluss. Darauf stand in der damals üblichen Sütterlinschrift geschrieben:

Diese Lamperie wurde 1909 am 13. März bei furchtbarem Schneewetter von Tischlermeister Gündel und Busse angefertigt.

Verstaubter Fund sah gleich historisch aus

Oliver Schulz von der Tischlerei Lutz Dost aus Fuchshain bei Leipzig hatte die Bügelflasche vor einigen Tagen hinter der Wandverkleidung entdeckt. "Die Bierflasche war völlig verstaubt und stand in einem kleinen Holzregal hinter der Vertäfelung. Da war uns klar, dass sie schon älter sein muss und wir haben das Museum über den Fund informiert." Es sei auch nicht unüblich, eine Botschaft für kommende Generationen zu hinterlassen, sagte Schulz. "Man hinterlegt schon mal eine Tageszeitung, um das Datum der Arbeiten zu dokumentieren."

Eine 112 Jahre alte Flaschenpost liegt auf Bauplänen im Alten Rathaus.
Wer Sütterlin-Schrift lesen kann, ist hier klar im Vorteil. Bildrechte: dpa

Authentische Botschaft kommt in Ausstellung

Mit dem Wort "Lamperie" auf dem Zettel habe man sich anfangs schwer getan, sagte Ulrike Dura vom Stadtgeschichtlichen Museum. "Dann stellten wir aber fest, dass es die damalige Bezeichnung für Wandverkleidungen war." Sie hätte gern mehr über die Tischler erfahren, über ihre Arbeit und ihr Leben. "Aber auch so ist diese authentische Botschaft aus der Vergangenheit überraschend und anrührend", meinte Ulrike Dura.

Die Sanierungsarbeiten im Alten Rathauses sollen im Frühjahr 2022 beendet sein. Dann soll die Flasche Teil einer Ausstellung zur Baugeschichte des 1556 errichteten Gebäudes werden. 1905 hatten sich in der Ratsstube die Stadträte zur letzten Ratssitzung versammelt. Danach zog die Stadtverwaltung ins Neue Rathaus um und das Alten Rathaus wurde umgebaut. Als die Flaschenpost im März 1909 vom Tischlermeister hinterlegt wurde, war die Sanierung fast abgeschlossen. Noch im selben Jahr zog das Stadtgeschichtliche Museum ein und öffnete seine Tore für Besucher.

11. Februar 1556 Umbau des Alten Rathauses Leipzigs Hieronymus Lotter

Lotter, Hieronymus

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Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 15. April 2021 | 19:00 Uhr

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