Verleumdung Nach Antisemitismus-Vorwurf: Hotelangestellter stellt Strafanzeige gegen Gil Ofarim

Weil er einen Davidstern an einer Kette trug, soll ein Mitarbeiter des Hotels Westin in Leipzig dem Sänger Gil Ofarim das Einchecken verweigert haben. Der Vorfall verursachte viel Empörung. Jetzt bekommt der Fall eine neue Wendung: Der beschuldigte Hotelangestellte hat Strafanzeige wegen Verleumdung gestellt. Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt.

Ein Demonstrant trägt die Fahne Israels über den Schultern
Der des Antisemitismus' beschuldigte Hotelangestellte hat jetzt Strafanzeige wegen Verleumdung gestellt. Bildrechte: dpa

Der vom Sänger Gil Ofarim des Antisemitismus' beschuldigte Hotelmitarbeiter hat Anzeige wegen Verleumdung gestellt. Nach Angaben der Leipziger Polizei schildert der Mann den Vorfall mit dem Musiker deutlich abweichend von dessen Aussagen. Der Hotelangestellte habe zudem noch eine zweite Anzeige wegen Bedrohung gestellt, weil sich Menschen in den sozialen Netzwerken völlig entfesselt gegenüber dem Hotelpersonal geäußert hätten.

Ofarim: Wegen Davidstern beim Einchecken ignoriert

Der deutsche Musiker Ofarim hatte in einem am Dienstag veröffentlichten Instagram-Video berichtet, wegen seiner Davidstern-Kette beim Einchecken in das "Westin Hotel" von Mitarbeitern nicht berücksichtigt worden zu sein. Ein Sprecher des Leipziger Hotels hatte am Dienstag gesagt, dass das Unternehmen versuche, Ofarim zu kontaktieren. 

Es ist nicht der erste Vorfall in meinem Leben, an dem ich konfrontiert worden bin mit Fremdenhass, mit Antisemitismus. Aber ich glaube: Es war einmal zu viel.

Gil Ofarim Musiker

Dem ARD-Magazin Brisant sagte Ofarim in einem Interview am Mittwochmorgen, er habe bisher keine Entschuldigung vom Hotel erhalten. Es habe lediglich eine E-Mail an sein Management gegeben. Im Laufe des Tages wolle er sich entscheiden, ob er eine Anzeige erstatte. Der Sänger habe lange überlegt, ob er das Video bei Instagram poste, er habe dann nicht gedacht, dass es so hohe Wellen schlage. Er selbst kenne noch die Großeltern mit eintätowierten KZ-Nummern auf dem Arm. Er mache sich Sorgen, wenn Zeitzeugen nicht mehr existieren. Ofarim setze auf Bildung als Möglichkeit, um Antisemitismus in der Gesellschaft zu begegnen.

Ofarim hätte sich bei dem von ihm geschilderten antisemitischen Vorfall auch Unterstützung von anderen Gästen gewünscht. Niemand um ihn herum habe etwas gesagt, als ein Hotelmitarbeiter ihn aufgefordert habe, seinen Davidstern an einer Kette abzunehmen, sagte Ofarim am Mittwoch in Bild TV. "Ich finde, man soll einfach nicht mehr die Klappe halten und das über sich ergehen lassen. Ich hätte mir nur gewünscht, dass ich nicht alleine gewesen wäre in dem Moment, und hätte mir gewünscht, dass andere Gäste das vielleicht mitgehört hätten", so Ofarim.

Stand der Anzeigen aus Behördensicht

Die Polizei und Staatsanwaltschaft prüfen unterdessen mehrere Anzeigen. Der beschuldigte Hotelmitarbeiter habe Anzeigen wegen Verleumdung und Bedrohung gestellt und den Vorfall "deutlich abweichend von den Auslassungen des Künstlers dargestellt", sagte Polizeisprecher Olaf Hoppe. Es sei auch eine Online-Anzeige eines unbeteiligten Dritten wegen Volksverhetzung eingegangen. Eine Anzeige des Sängers Ofarim sei noch nicht eingegangen.

Gegenseitige Vorwürfe werden ermittelt

Unterdessen ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Leipzig zum Fall. Es lägen keine Erkenntnisse im Zusammenhang mit rechtsgerichteten und antisemitischen Straftaten gegen den beschuldigten Hotelmitarbeiter vor, sagte Behördensprecher Ricardo Schulz am Mittwoch. Auch zu einer von dem Sänger Gil Ofarim in einem Video zu dem Vorfall erwähnten zweiten Person gebe bisher keine weiteren Erkenntnisse. Nachdem der betroffene Hotelangestellte Anzeige wegen Verleumdung gegen den Musiker Ofarim erstattet habe, würden nun die gegenseitigen Vorwürfe geprüft, so der Staatsanwaltschaftssprecher. Aussagen unbeteiligter Dritter oder sonstige Beweise zum Vorgang lägen der Staatsanwaltschaft derzeit nicht vor.

Zentralrat: Juden sind Teil der deutschen Gesellschaft

Nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen das Leipziger "Westin Hotel" hat der Zentralrat der Juden in Deutschland die Reaktion des Unternehmens kritisiert. Der Zentralrat zeigte sich enttäuscht über eine fehlende offizielle Reaktion des Hotels nach dem mutmaßlichen antisemitischen Vorfall. "Nach der antisemitischen Anfeindung gegen einen Juden in Deutschland fällt dem Hotel nichts anderes ein, als die israelische Flagge und Symbole des Islam auf ein Banner zu drucken", sagte Schuster. Dabei sei die Leipziger Synagoge fußläufig vom Hotel entfernt.

Wir sind zudem mehr als irritiert, dass eine deutliche Entschuldigung des Hotels gegenüber Gil Ofarim bisher ausgeblieben ist.

Josef Schuster Präsident, Zentralrat der Juden

Mitarbeiter des Hotel Westin, die mit einem Banner ein Zeichen gegen Antisemetismus setzen wollen
Mitarbeitende des Hotels hatten am Dienstagabend bei einer Solidaritätskundgebung vor dem Gebäude ein Banner hochgehalten, auf dem neben dem Hotelnamen auch die Flagge Israels und der islamische Halbmond zu sehen waren. Bildrechte: dpa

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hotels hatten am Dienstagabend bei einer Solidaritätskundgebung vor dem Gebäude ein Banner hochgehalten, auf dem neben dem Hotelnamen auch die Flagge Israels und der islamische Halbmond zu sehen waren. Schuster sagte, dass es bei dem Hotel offenbar wenig Bewusstsein dafür gebe, dass Juden ein Teil der deutschen Gesellschaft seien.

Quelle: MDR/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 06. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

Mehr aus Leipzig, dem Leipziger Land und Halle

Sport

Rolf Allerdissen, Rene Holzhammer, Thomas Kalisch, Benny Tröllmich und Hund Apryl (v.l.n.r.) präsentieren den längsten weißen Stock der Welt. mit Video
Rolf Allerdissen, Rene Holzhammer, Thomas Kalisch, Benny Tröllmich und Hund Apryl (v.l.n.r.) präsentieren den längsten weißen Stock der Welt. Bildrechte: Pia Siemer

Mehr aus Sachsen